Coronavirus Sras-CoV-2 Long Covid: Bleiben Geruch und Geschmack weg, ist das Virus noch aktiv

Forscher kommen dem Rätsel über langanhaltende Symptome von Covid-19 einen Schritt näher. Jetzt zeigt ein Team aus Frankreich: Bleiben Geruch und Geschmack weg, gibt es noch Viren im Geruchssystem.

Nase und Mund einer Frau
Bleiben Geruch und Geschmack nach einer Coronainfektion weg, ist das Virus in den Zellen der Riechschleimhaut wahrscheinlich noch aktiv, zeigt eine neue Studie französischer Forscher. (Symbolfoto) Bildrechte: Colourbox.de

Wie kommt es zum Verlust von Geruch und Geschmack bei Covid-19 und warum hält das Phänomen – Stichwort: Long Covid – mitunter Monate nach einer Infektion an? Ein Forscherteam vom französischen Pasteur-Institut in Paris hat Nervenzellen des Geruchssinns von sieben betroffenen Patienten genau untersucht und zudem Experimente mit Goldhamstern unternommen. Ergebnis: Wie im Darm kann sich das Virus offenbar auch in den Neuronen festsetzen und sich dort weiter replizieren, lang nachdem die Hauptphase der Infektion abgeklungen ist.

Zellen des Geruchssinns können Zentrum der Infektion werden

Mediziner beobachteten schon zu Beginn der Pandemie: Das Sars-Coronavirus-2 vermehrt sich nicht nur in den Atemwegen, sondern kann auch verschiedene andere Organe angreifen. Das passiert nicht nur bei Menschen mit schweren Covid-Verläufen, sondern kann auch bei ansonsten mild verlaufenen Erkrankungen auftreten.

Eigentlich dockt das Virus mit seinem Spikeprotein vor allem am ACE-2-Rezeptor menschlicher Zellen an, um anschließend mit der Zellhülle zu verschmelzen, die Bauanleitung für weitere Viren in die Zelle zu schleusen und so die Virusvermehrung in Gang zu setzen. Während ACE-2 in den Schleimhautzellen der Atemwege und in der Lunge reichlich vorhanden ist, kommt es im Nervensystem deutlich seltener vor. Forscher rätselten daher, wie es zu den neurologischen Symptomen kommt, wie das Virus Geruch und Geschmack beeinträchtigen kann. Klar ist, das für Riechen und Schmecken zuständige olfaktorische System grenzt direkt an den Nasen-Rachenraum an, der meist zuerst von einer Corona-Infektion betroffen ist. Bekannt war auch, dass sich die Coronaviren auch am Rezeptor Neuropilin-1 festhalten können. Neuere Studien weisen zudem darauf hin, dass sich das Virus von benachbarten Zellen mit ACE-2 auf Neuronen ohne diesen Rezeptor übertragen können.

Um die Mechanismen genauer zu klären, untersuchte ein Team um die Forscher Guilherme Dias de Melo, Françoise Lazarini und Sylvain Levallois nun die am Geruchssinn beteiligte Zellen betroffener Patienten genauer. Dabei stellten sie fest: Das Virus konnte hier offenbar zahlreiche Zelltypen angreifen, von Sinneszellen über Versorgungsstrukturen bis hin zu Immunzellen. Das olfaktorische System, also der Geruchssinn, könne zum Zentrum einer Corona-Infektion werden, was auch mit Entzündungen verbunden sei, schreiben die Wissenschaftler im Fachmagazin Science Translational Medicine.

Infektion dauerte auf niedrigem Niveau über Monate an

Die Forscher nahmen Proben der Nasenschleimhäute von sieben Patienten, die währen der ersten Corona-Welle in Frankreich ihren Geruchs- und Geschmackssinn verloren hatten und verglichen sie mit den Proben von vier gesunden Personen. In allen sieben Patienten wurde RNA-Erbinformation von Coronaviren in den Zellen an den Grenzen des olfaktorischen Systems gefunden. Hier kam es auch zu einer lokalen Entzündung verbunden mit einem Absterben infizierter Zellen.

In einem weiteren Schritt infizierten die Forscher Goldhamster mit Coronaviren und konnten in Experimenten zeigen, dass die Tiere ihren Geruch und ihren Geschmack verloren, so lange das Virus im Geruchssystem präsent blieb.

In einem letzten Schritt untersuchte das Team Zellen von vier Patienten, die über mehrere Monate anhaltenden Geruchsverlust erlebten, in extremen Fällen über ein halbes Jahr lang. Bei keinem von ihnen war Virus-RNA in Abstrichen der Nasenschleimhaut nachweisbar. Allerdings tauchten Spuren von Virus-Erbinformation auf, als die Forscher Zellen der Riechschleimhaut analysierten. Die Wissenschaftler schließen aus den Daten, dass die Infektion bei den Betroffenen in den Zellen des Riechtrakts auf niedrigem Level andauerte.

Long-Covid-Patienten möglicherweise über Monate infektiös

Für die medizinische Behandlung empfehlen die Autoren, dass behandelnde Ärzte zunächst Zellproben der Riechschleimhaut auf das Virus untersuchen sollen, wenn Patienten über anhaltende Symptome von ausbleibendem Geschmack und Geruch berichten. Außerdem haben die Erkenntnisse Konsequenzen für die Hygiene, denn möglicherweise könnten diese Long-Covid-Patienten das Virus weiterhin übertragen.

4 Kommentare

MDR-Team vor 20 Wochen

@ChWiechering,
wir möchten Ihnen nicht gänzlich widersprechen. Allerdings ist es (vor allem auch für alle Mitlesenden) enorm wichtig, dass die von Ihnen genannten Punkte in Hinblick auf COVID-19 aktuell (noch) nicht mit belastbaren Studienergebnissen unterlegt sind. So schreibt auch die DGE im von Ihnen verlinkten Artikel: "Die aktuell vorliegenden Studiendaten lassen einen potenziellen Zusammenhang zwischen einem niedrigen Vitamin-D-Status und einem erhöhten Risiko für eine SARS-CoV-2-Infektion bzw. für einen schwereren COVID-19-Verlauf vermuten. Allerdings reicht die derzeitige Datenlage nicht aus, um einen kausalen Zusammenhang zu belegen."

ChWiechering vor 20 Wochen

@MDR Team
Es geht hier nicht um den Vitamin-D Spiegel vor der Erkrankung (Kausalitätsproblem) sondern um die Messungen während und nach der Erkrankung in der Klinik, die nicht bestritten werden.

https://www.dge.de/wissenschaft/weitere-publikationen/fachinformationen/vitamin-d-und-covid-19/
Siehe Kapitel "Beobachtungsstudien zum Zusammenhang zwischen dem Vitamin-D-Status und der Krankheitsschwere von COVID-19"
Suchen nach " signifikant niedriger"
Hier kann man sehen das schwer Erkrankte eine niedrigen Vitamin-D Spiegel haben, der eine schnelle Genesung behindern kann, wenn man diesen nicht ausgleicht.
Das bei Fatigue eine Vitamin-D Supplementation hilft, ist durch eine Doppeblindstudie der Universitätsklinki Zürich von 2016 bewiesen worden.
Universitäts Hospital Zürich 30.12.2016
"Effect of vitamin D3 on self-perceived fatigue"
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC5207540/
Die Vitamin-D Gruppe erholte sich 4mal schneller als die
Vergleichsgruppe



MDR-Team vor 20 Wochen

@ChWiechering,
ja und nein. Es stimmt, einige Patienten mit schweren COVID-19-Verläufen hatten einen Vitamin-D-Mangel. Ein direkter Zusammenhang konnte aber bisher nicht nachgewiesen werden. Die Studienlage ist dafür derzeit nicht ausreichend: https://www.swr.de/wissen/corona-und-vitamin-d-100.html
"Vitamin D ist generell ein Indikator dafür, wie gesund ein Mensch ist. Menschen mit niedrigem Vitamin D-Spiegel haben mehr Vorerkrankungen und werden möglicherweise nur deshalb häufiger krank. Die Verbindung zwischen Covid-19 und einem Vitamin D-Mangel, hängt möglicherweise also gar nicht (nur) mit dem Vitamin D zusammen. Die beobachtete Übereinstimmung könnte auch nur zufällig sein." (Quelle: verlinkter Artikel vom SWR)