Artemis-Mondmission Ein Jahr auf dem Mond? Astronaut Matthias Maurer würde es machen

MDR WISSEN hat den deutschen Esa-Astronauten Matthias Maurer gefragt, ob er zum Mond reisen würde, wenn er dort ein Jahr bleiben müsste. Seine Antwort war eindeutig. Was der Erdtrabant für ihn bedeutet und warum man die Erdgeschichte nur mit dem Mond verstehen kann? Das erzählt Matthias Maurer im Video.

Eine Weltraum-Collage von Esa-Astronaut Matthias Maurer auf der Mondoberfläche.
Eine Weltraum-Collage von Esa-Astronaut Matthias Maurer auf der Mondoberfläche. Bildrechte: MDR, NASA, ESA

Auf der Mondoberfläche sollen Stationen für langfristige Missionen entstehen. Zwar dauert eine Reise zum Mond nur knapp vier Tage, aber bei einer Entfernung von ungefähr 384.400 Kilometern kann einem schnell der Mondsand auf den Kopf fallen. 

Als der deutsche Esa-Astronaut Matthias Maurer noch auf der Internationalen Raumstation ISS war, haben wir ihm mehrere Fragen gestellt. Eine Antwort haben wir uns für den Start der Mondmission Artemis I aufbewahrt, die MDR WISSEN am 29. August (so es bei den aktuellen Zeitplänen der Nasa bleibt) live übertragen wird. Wir wollten von Maurer wissen, ob er an einer Mondmission teilnehmen würde – auch wenn er dafür ein Jahr dort bleiben müsste.  

Einige Menschen würden nie zum Mond fliegen wollen, auch wenn sie die Möglichkeit hätten. Andere würden sich über einen kurzen Aufenthalt freuen. Bei einem ganzen Jahr kann es einem schon einmal schwindelig werden – Matthias Maurer nicht. Er würde sofort zusagen. 

Matthias Maurer und der Mond: "Ich bin dabei!"

Bei der Vorstellung, auf dem Mond für eine Zeit lang zu leben, kommt Maurer ins Schwärmen: "Alle träumen davon, einmal das Erlebnis zu genießen, vielleicht über den Mond zu laufen – sich zu fragen: Wie wäre es, über den Mond zu laufen und den erkunden zu können." 

Diese Ehre haben bisher nur zwölf US-Amerikaner erfahren. Doch anders als bei den Apollo-Missionen sollen die Artemis-Missionen die Menschheit auf eine dauerhafte Präsenz im Weltraum vorbereiten. "Wir wissen jetzt, dass auf dem Mond viel mehr zu gewinnen und zu holen ist, als es damals bekannt war. Auf dem Mond gibt es nämlich wesentliche Ressourcen", so Maurer. 

Der Esa-Astronaut Matthias Maurer im Interview über den Mond. 3 min
Der Esa-Astronaut Matthias Maurer im Interview über den Mond. Bildrechte: MDR, ESA, NASA
Der Esa-Astronaut Matthias Maurer im Interview über den Mond. 3 min
Der Esa-Astronaut Matthias Maurer im Interview über den Mond. Bildrechte: MDR, ESA, NASA

Eine dieser Ressource ist Wasser. Dieses lässt sich nicht nur als Trinkwasser verwenden. "Wasser können wir aufspalten in Wasserstoff und Sauerstoff, und das ist ja bekanntermaßen auch Raketentreibstoff. Das heißt, der Mond könnte zur Tankstelle werden für zukünftige Raumflüge zum Beispiel zum Mars", so Maurer. Und genau das ist auch das Ziel der Artemis-Missionen. Der Mond und das Leben und Arbeiten auf dem Trabanten soll die Menschheit auf die Besiedlung des Mars vorbereiten. 

Der Mond als Geschichtsbuch der Menschheit

Vom Mond können wir zudem mehr über uns selbst lernen. "Der Mond ist unser Begleiter durch die gesamte Erdgeschichte hindurch. Und wenn wir auf dem Mond sind, haben wir ein offenes Geschichtsbuch vor uns liegen, weil der Mond sich nicht verändert an der Oberfläche", beschreibt es der Materialforscher. Den anders als auf der Erde gibt es auf dem Mond keine Plattentektonik, es herrscht kein Vulkanismus und ein wirkliches Klima gibt es auch nicht. Der erste Fußabdruck eines Astronauten bleibt auf dem Mond konserviert – vorausgesetzt kein Meteor oder zukünftiges Mondlandefahrzeug würde dort einschlagen oder landen.  

Eine graustufige Weltraum-Collage mit dem deutschen ESA-Astronauten Matthias Maurer in seinem Raumanzug (l.) und dem Mond im Hintergrund (r.).
Eine graustufige Weltraum-Collage mit dem deutschen ESA-Astronauten Matthias Maurer in seinem Raumanzug (l.) und dem Mond im Hintergrund (r.). Bildrechte: MDR/NASA/ESA

Mit Gesteinsproben vom Mond können wesentliche Fragen beantwortet werden, die sich die Menschheit schon seit Jahrtausenden stellt: "Wie ist unser Sonnensystem entstanden? Wie kam das Leben auf die Erde? Gibt es Leben noch irgendwo da draußen im Weltall? Und wenn ja: Wo müssten wir danach suchen?"

Was Matthias Maurer mit auf dem Mond nehmen würde, weiß er auch schon. Er möchte eine Kopie der Himmelsscheibe von Nebra auf der Mondoberfläche platzieren – ähnlich wie die Kopie, die er mit zur ISS genommen hat. Und vielleicht wird Maurer auch der europäische Astronaut werden, der auf dem Mond landet. Drei Plätze hat sich die Esa bereits für die nächsten Artemis-Missionen gesichert. 

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