Zweiter Weltkrieg Balkanfeldzug 1941 - Angriff auf Griechenland und Jugoslawien

Am 6. April 1941 greift die Wehrmacht Jugoslawien und Griechenland an. Mit dem Balkanfeldzug sollen die Briten aus Südosteuropa ferngehalten und die "Südflanke" für den Angriff auf die Sowjetunion gesichert werden. Es sind die letzten erfolgreichen deutschen "Blitzkriege". Sie sind zugleich der Beginn erbitterter Partisanenkriege.

Junkers Ju 88 Bomber 1941 über der Akropolis von Athen
Junkers Ju 88 Horizontal- und Sturzkampfbomber im April 1941 über der Athener Akropolis. Bildrechte: imago stock&people

Der Balkanfeldzug in Jugoslawien beginnt ohne Kriegserklärung mit der Bombardierung einer unverteidigten Stadt, die keine Luftabwehr hat. In mehreren Wellen greifen ab dem Morgen des 6. April 1941 mehr als 500 Kampfflugzeuge der deutschen Luftflotte 4 die jugoslawische Hauptstadt Belgrad an. Ihre Bomben treffen das Regierungsviertel, den Königspalast, den Generalstab, mehrere Kasernen, die Hauptpost, den Bahnhof, das Elektrizitätswerk, aber auch zahlreiche Wohnhäuser, Kirchen und Synagogen. Wie viele Menschen bei dem Angriff genau sterben, ist nicht bekannt. Die Angaben schwanken zwischen 1.500 und 35.000.

"Strafgericht" für abtrünnigen Verbündeten

Bombardierung von Belgrad 1941
Am 6. und 7. April 1941 bombardieren mehr als 500 deutsche Kampfflugzeuge Belgrad. Bildrechte: IMAGO/UIG

Der Befehl, Jugoslawiens "Hauptstadt Belgrad zu zerstören", kommt von Adolf Hitler. Mit dem "Unternehmen Strafgericht" will der "Führer" des Deutschen Reiches einen abtrünnigen Verbündeten bestrafen. Erst am 25. März war das Königreich Jugoslawien auf deutschen Druck hin dem Dreimächtepakt mit Deutschland, Italien und Japan beigetreten, hatte diesen jedoch nach einem von der Belgrader Bevölkerung bejubelten Putsch serbischer Generale schon am 27. März wieder verlassen. Der Staatsstreich durchkreuzt Hitlers Pläne, nach Ungarn, Rumänien und Bulgarien auch das Balkanland Jugoslawien politisch, militärisch und wirtschaftlich eng an das Deutsche Reich zu binden und die "Südflanke" für den geplanten Angriff auf die Sowjetunion zu sichern.

Mussolinis Überfall auf Griechenland

Italienische Kriegsgefangene 1940 in Griechenland
Italienische Soldaten geraten Ende 1940 in griechische Gefangenschaft. Bildrechte: imago stock&people

Auch Griechenland soll nach den Vorstellungen der deutschen Führung enger an Deutschland gebunden werden. Sowohl König Georgios II. aus dem Hause Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücksburg als auch Diktator Ioannis Metaxas sympathisieren mit den Deutschen. Doch Hitlers wichtigster Verbündeter, Italiens Diktator Benito Mussolini, durchkreuzt ohne vorherige Ankündigung die Pläne. Am 28. Oktober 1940 fallen seine Truppen vom annektierten Albanien aus in Griechenland ein. Hitler hofft nun, dass die siegreichen Italiener Griechenland besetzen und eine Landung der Briten verhindern. Doch wie in Nordafrika endet der italienische Vorstoß auch in Griechenland in einer Katastrophe. Die Griechen jagen die Italiener 70 Kilometer weit nach Albanien zurück.

Bedrohung für deutsche Ölversorgung

Angriff von B-24 Liberator Bombern auf eine Ölraffinerie in Ploesti Rumänien 1944
Bereits 1940 für Hitler ein Alptraum: Angriff britischer Bomber auf das Ölgebiet von Ploiești, 1944. Bildrechte: imago images/glasshouseimages

Großbritannien sendet Luftstreitkräfte zur Unterstützung der Griechen in den Norden des Landes. Die Royal Air Force bedroht von dort nicht nur die italienische Ostküste, sondern auch die für die deutsche Treibstoffversorgung elementar wichtigen Erdölfelder von Ploiești in Rumänien. Hitler, der längst die "Zerschlagung der Lebenskraft Russlands" und die "Eroberung von Lebensraum im Osten" zum Hauptziel der deutschen Kriegführung bestimmt hat und dafür eine sichere "Südflanke" braucht, erklärt im November 1940, jeder britische Versuch, sich in Griechenland festzusetzen, sei "für Deutschland unerträglich". Er befiehlt, das "Unternehmen Marita" vorzubereiten, um das südosteuropäische Land im Frühjahr 1941 niederzuwerfen und die Briten von dort zu vertreiben.

Von Bulgarien nach Griechenland

Prinzregent Paul und König Peter II von Jugoslawien 1940 in Belgrad
Prinzregent Paul von Jugoslawien (ganz rechts) wird beim Putsch am 27. März 1941 durch den noch minderjährigen König Peter II. (1. Reihe, rechts) ersetzt. Bildrechte: imago images/Photo12

Die Planungen des Oberkommandos des Heeres (OKH) sehen vor, die deutsche 12. Armee mit 14 Divisionen von Bulgarien aus ins nordgriechische Ostmakedonien und nach Thrakien vorstoßen zu lassen. Dem am 25. März 1941 in den Dreimächtepakt aufgenommenen Jugoslawien wird zugesichert, weder als Aufmarsch- noch als Durchzugsgebiet für deutsche Truppen infrage zu kommen. Doch dann kommt alles ganz anders. Am Vormittag des 27. März erreicht Hitler die Nachricht vom Putsch in Belgrad. Der "Führer" tobt, fürchtet einen Prestigeverlust und fordert eine schnelle und harte Reaktion. Jugoslawien müsse "so rasch als möglich zerschlagen werden", so der Wortlaut seiner Weisung.

Angriff aus mehreren Richtungen

Vormarsch schneller Wehrmacht-Truppen in Jugoslawien April 1941
Stau beim Vormarsch von Wehrmacht-Kolonnen in Jugoslawien, April 1941. Bildrechte: imago images/Photo12

Der Chef des Generalstabs des Heeres, Generaloberst Franz Halder, wird beauftragt, aus dem Nichts einen Angriffsplan gegen Jugoslawien zu entwerfen. Er schlägt vor, mit einer Kräftegruppe aus der Steiermark in Kroatien einzurücken, eine Gruppe schneller Verbände aus Ungarn auf Belgrad anzusetzen und eine Panzergruppe aus Bulgarien auf Serbiens drittgrößte Stadt Niš und von dort entlang der Morava nach Norden auf Belgrad vorrücken zu lassen.

Über Südjugoslawien nach Griechenland

Deutsche Vorhut mit Panzerwagen und motorisierten Scharfschützen in Gebirge während des Griechenlandfeldzuges
Deutsche Gebirgsjäger und Panzer auf dem Marsch durch bergiges Gelände. Bildrechte: IMAGO / United Archives International

Für den geplanten Angriff auf Griechenland ist ein zeitgleicher Feldzug in Jugoslawien sogar von Vorteil. Denn plötzlich ist es möglich, die unwegsame Bergkette im bulgarisch-griechischen Grenzgebiet zu umgehen und über Südjugoslawien (heutiges Nordmazedonien) nach Griechenland vorzustoßen. Dennoch greifen deutsche Gebirgsjäger nach Beginn der Kriegshandlungen gegen Griechenland am 6. April 1941 auch die 100 Kilometer lange Metaxas-Linie im griechischen Grenzgebirgsland frontal an. Mit Unterstützung von Sturzkampfbombern und unter hohen Verlusten gelingt es ihnen, die Bunkerkette nach drei Tagen zu durchbrechen.

Vormarsch auf Thessaloniki

Deutsche Sturmgeschütze im April 1941 in Saloniki
Deutsche Sturmgeschütze durchfahren Saloniki (Foto vermutlich von 1944). Bildrechte: imago images/UIG

Doch der erfolgreiche Hauptstoß der motorisierten Kräfte in den Norden Griechenlands erfolgt über die Flusstäler Südjugoslawiens. Bereits am 9. April erreichen schnelle Truppen der 2. Panzerdivision Thessaloniki. Noch am selben Tag kapitulieren 60.000 Mann der "Ostmakedonischen Armee" der Griechen, die nach dem deutschen Vorstoß zur Ägäis hoffnungslos abgeschnitten sind.

Das nächste Ziel der Deutschen ist es, zu verhindern, dass die griechischen Armeen in Süd-Albanien und Westmakedonien mit den britischen Expeditionsstreitkräften in Zentralmakedonien und Thessalien eine gemeinsame Front bilden können.

Kapitulation nach deutschem Durchbruch

Am 12. April durchbrechen Einheiten der deutschen 9. Panzerdivision die griechisch-britische Verteidigungslinie nördlich des Flusses Aliakmon. Mit dem deutschen Vorstoß lösen sich mehrere griechische Divisionen auf oder werden gefangen genommen. Die im Grenzgebiet zu Albanien stehende griechische "Epirus-Armee" wird abgeschnitten und kapituliert.

Der Wortführer der kampfmüden griechischen Truppen besteht am 21. April darauf, nur vor den Deutschen, nicht aber vor den Italienern die Waffen zu strecken, die man ja aus Griechenland verjagt hatte. Der Oberkommandierende der 12. Armee, Generalfeldmarschall Wilhelm List, stimmt dem auch zu. Nach einer Beschwerde Mussolinis bei Hitler muss die endgültige Kapitulation der Griechen jedoch am 23. April unter italienischer Beteiligung in Thessaloniki nachgeholt werden.

Briten setzen sich nach Süden ab

Deutsche Soldaten 1941 auf der Akropolis in Athen
Deutsche Soldaten blicken Anfang Mai 1941 von der Akropolis auf Athen. Bildrechte: IMAGO / Photo12

Das britische Expeditionskorps zieht sich nach dem deutschen Durchbruch in Makedonien und Thessalien zunächst auf die sogenannte Thermophylen-Stellung in Mittelgriechenland und nach hinhaltenden Rückzugsgefechten bis Ende April über den Isthmus von Korinth in den Süden des Peloponnes zurück. Von dort können die Briten den Großteil ihrer Soldaten nach Kreta ausschiffen, bevor die Deutschen die Halbinsel bis zum 1. Mai komplett einnehmen. Bis zum 3. Mai besetzen die deutschen Truppen auch alle großen Inseln Griechenlands - außer Kreta.

Jugoslawiens Führungszentren lahmgelegt

Leichter als in Griechenland gestaltet sich der deutsche Feldzug in Jugoslawien. Der von Hitler befohlene Terrorangriff auf Belgrad am 6. und 7. April fordert nicht nur zahlreiche zivile Opfer, sondern legt auch die Führungs- und Operationszentren von Staat und Militär lahm.

Deutsche Panzer 1941 in Serbien
Deutsche Panzer stauen sich beim Vormarsch durch Serbien in einem Dorf. Bildrechte: imago images/United Archives International

Mit der Bombardierung der Belgrader Hauptpost werden die zentralen Nachrichtenverbindungsanlagen des Landes zerstört. Die teilmobilisierte jugoslawische Armee ist führungslos. Es gibt sporadischen, aber keinen koordinierten Widerstand. Im deutschfreundlichen Kroatien wird die Wehrmacht ohnehin eher freundlich begrüßt. Am 12. April fällt Belgrad, am 15. April wird Sarajewo eingenommen. Dort kapitulieren die Reste der jugoslawischen Armee samt Oberkommando. Am 17. April unterschreiben die Vertreter des jugoslawischen Staates und der Streitkräfte in Belgrad die Gesamtkapitulation. Jugoslawien wird auf Hitlers Befehl als Staat komplett zerschlagen.

Beginn des Partisanenkrieges

Szene nach der Erschießung von Serben, zeigt Wehrmachtssoldaten im Vordergrund.
Im serbischen Pančevo werden am 21. und 22. April 36 willkürlich verhaftete Geiseln exekutiert. Serbische Soldaten hatten zuvor trotz Kapitulation deutsche Soldaten getötet. Bildrechte: IMAGO / United Archives International

Das Blutvergießen auf dem Balkan endet damit nicht. Im Gegenteil, die brutale Behandlung, die die Deutschen vor allem der serbischen Bevölkerung angedeihen lassen, befeuert unmittelbar nach den Kämpfen einen erbitterten Partisanenkrieg. Er wird auf beiden Seiten mit äußerster Härte geführt, bindet bis zum Abzug der deutschen Truppen 1944/45 immer mehr Kräfte und lässt am Ende den Kommunisten Tito als Sieger hervorgehen.

In Griechenland geht es in eine ähnliche Richtung. Auch dort entwickelt sich ein unerbittlicher Partisanenkrieg, in dessen Verlauf zehntausende Griechen bei Vergeltungsaktionen der deutschen, italienischen oder bulgarischen Besatzer getötet werden. Anfang Mai 1941 ist allein Kreta noch nicht von den Deutschen besetzt. Doch das soll sich bald ändern.

Literaturhinweise Vogel, Detlef: Das Eingreifen Deutschlands auf dem Balkan. In: Das Deutsche Reich und der Zweite Weltkrieg, Band 3. Hrsg. Vom Militärgeschichtlichen Forschungsamt, Stuttgart 1984, S. 417-511.

Schreiber, Gerhard: Deutschland, Italien und Südosteuropa. Von der politischen und wirtschaftlichen Hegemonie zur militärischen Aggression. In: Ebd., S. 278-414.