Das Altpapier am 26. Februar 2021 Schafft die ARD sich selbst ab?

Wenn Sendermanager verkünden, man müsse jetzt digitaler, crossmedialer, moderner, jünger werden - dann geht es fast immer darum, im weiteren Sinne unbequeme Inhalte zu marginalisieren oder aus dem Programm zu kippen. So droht die ARD, verwechselbar zu werden und der Bedeutungslosigkeit entgegen zu taumeln. Ein Altpapier von René Martens.

Teasergrafik Altpapier vom 26. Februar 2021: Porträt Autor René Martens
Bildrechte: MDR | MEDIEN360G

Kultur kann weg

Im Kontext von Reformideen für das öffentlich-rechtliche System, die unter anderem beinhalteten, die "Unterscheidbarkeit zu den Privaten herauszuarbeiten", hatte ich an dieser Stelle vor einigen Wochen einen unaufwändigen Vorschlag gemacht: Es sei hilfreich, einfach mal in eine Programmzeitschrift reinschauen. Das würde schon reichen, um festzustellen, dass sich öffentlich-rechtlichen und die privatem Sender zum jetzigen Zeitpunkt fundamental unterscheiden.

In eine nicht unähnliche Richtung argumentiert nun Robert D. Meyer (ND) anlässlich eines aktuellen Vorstoßes aus CDU-Kreisen:

"Ob sich die Mittelstandsvereinigung der Union (MIT) zumindest eine Woche ansah, was der private TV-Markt an Inhalten produziert, bevor man die Forderung aufstellte, ARD und ZDF zusammenzulegen und reihenweise weitere Kanäle der Öffentlich-Rechtlichen zu streichen?"

Der von Springers Welt (€) extensiv referierte Plan der Mittelstandsvereinigung, der eine "Fusion" von ARD und ZDF vorsieht, enthält nämlich so drollige Forderungen, wie die, dass

"insbesondere (…) auf öffentlich-rechtliche Angebote verzichtet werden (solle), die schon jetzt in ausreichendem Maße von Privaten angeboten würden."

Oder auch:

"Das Kultur- und Unterhaltungsangebot soll auf eine Basisversorgung reduziert werden, die sich auf Inhalte beschränkt, die nicht von privaten Anbietern wirtschaftlich angeboten werden können."

Nun gehört Kulturjournalismus ja eher nicht zu den Kernkompetenzen der "privaten Anbieter", und es ist auch nicht damit zu rechnen, dass sie unter völlig anderen medienpolitischen Umständen plötzlich ihre Liebe dafür entdecken.

Wie auch immer: "Reduzierung" der Kultur - das hieße dann wohl, dass ARD und ZDF sich von den deutsch-französischen bzw. deutsch-österreichisch-schweizerischen Gemeinschaftsangeboten, bei denen Kulturfernsehen zu finden ist (also Arte und 3sat), verabschieden sollen.

"Ziel ist ein öffentlich-rechtlicher Rundfunk mit besserem Informations- und reduziertem Unterhaltungsangebot",

heißt es des Weiteren bei der MIT. Kultur steht jedenfalls auf einer Stufe mit der Unterhaltung, fällt für die Mittelständischen also nicht unter "Information". Anders klang es in den ansonsten nicht unähnlichen Vorschlägen, die Mitte Dezember der CDU-Bundesfachausschuss Wirtschaft, Arbeitsplätze, Steuern vorbrachte und auf eine "Privatisierung" der Öffentlich-Rechtlichen hinausliefen (Altpapier). Bis es so weit sei mit der Privatisierung, fasste der Spiegel damals zusammen,

"'sollte der öffentlich-rechtliche Rundfunk auf Aufgaben beschränkt werden, die private Anbieter nicht oder nur unzureichend gewährleisten können'. Als Beispiele nennen die CDU-Experten die Bereiche Information, Bildung und Kultur."

Generell lässt sich mit Michael Hanfeld (FAZ) zusammenfassen, dass die nun präsentierten Überlegungen "nicht neu" sind:

"In Wirtschaftskreisen der CDU kursieren derlei Papiere seit geraumer Zeit (…) Die AfD (…), die noch viel radikalere Ideen für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk hat, findet Gefallen am Plan der Mittelstandsunion. Diese formuliert einen Standpunkt, den die FDP so ähnlich seit Jahr und Tag vertritt. Der Volkswirtschaftsprofessor und frühere Chef der Monopolkommission, Justus Haucap, der an den Beratungen der Mittelstandsunion teilhatte, stellte in dieser Zeitung schon vor sechs Jahren seine Vorstellung eines auf seine Kernaufgabe reduzierten öffentlich-rechtlichen Rundfunks vor, die nun wieder durchklingt."

Der Haucap-Plan von 2015 ist übrigens dieser hier. Auch wenn die Ideen nicht neu sind: Die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen haben sich geändert, zu Gunsten der Fusionisten. Außerdem sollte man angesichts der Aushöhlungen des öffentlich-rechtlichen Systems, wie sie den CDU-Leuten vorschwebt, immer im Blick behalten, welche Aushöhlungen so manche öffentlich-rechtliche Sendermanager im Sinn haben.

Öffentlich-rechtliche Sonnencreme-Verkäufer

Besondere Beachtung verdient der Umstand, dass in den Fusions-Plänen der Mittelstands-Lobbyisten die Kultur einen geringen Stellenwert hat - was einigen Machtgewaltigen in der ARD möglicherweise nicht unsympathisch ist.

Wie hoch der derzeitige Stellenwert der Literatur im öffentlich-rechtlichen Radio ist, darüber gibt im SZ-Feuilleton (€) Felix Stephan Aufschluss. Er schreibt über eine Diskussion des Literaturhauses Köln, deren Anlass die Abschaffung der täglichen Literaturrezension im Morgenmagazin von WDR 3 war (Altpapier, Altpapier, Altpapier), sich aber auch mit ähnlichen Entwicklungen in anderen Häusern beschäftigte. Unter anderem mit dabei: Alf Mentzer von der HR-"Kulturunit" und der leitende WDR-Kulturredakteur Volker Schaeffer. Stephan schreibt:

"Alf Mentzer definierte die Rezension als ein Format, das sich an eine sehr überschaubare Zielgruppe richte, nämlich die 'linksliberalen Intellektuellen'. Deren Anteil an der Gesellschaft bezifferte Schaeffer interessanterweise auf sieben Prozent (…) Man habe es heute mit zahllosen Communitys zu tun, die jeweils einzeln zu bespielen seien. Allein das literarische Publikum sei fragmentiert in eine Fantasy-Community, eine LGBTQ-Community, eine Avantgarde-Community und viele weitere mehr. Die Aufgabe bestehe nun darin, nicht darauf zu warten, dass diese Leute das Radio einschalteten, sondern in die digitalen Räume vorzustoßen, in denen sich diese Leute jeweils aufhielten."

Die Reaktion der Kiepenheuer-und-Witsch-Verlegerin Kerstin Gleba darauf fasst der SZ-Redakteur so zusammen. Es sei natürlich auch für ihre Branche "keine Neuigkeit (…), dass es eine Kundschaft gebe, deren Bedürfnisse sich messen ließen, und dass man ganz gut beraten sei, auch mal für diese Bedürfnisse zu produzieren. Dass es aber eben gleichzeitig auch immer wieder Bücher gebe, von denen Kunden noch gar nicht wissen, dass sie sie interessieren könnten, weshalb man in diesen Fällen das Interesse eben herstellen müsse."

Was Gleba über die Buchverlagsarbeit sagt, gilt im übertragenen Sinne ja auch für den öffentlich-rechtlichen Journalismus (und für anderen Journalismus auch). Er sollte voraussetzen, dass das Publikum neugierig ist, es etwas erfahren will, was es noch nicht weiß. Stephan schreibt weiter:

"Wenn Mentzer und Schaeffer von 'Öffentlichkeit' sprachen, ging es um Zielgruppen, die es mit optimiertem Content zu erreichen gelte. Dieses Denken steht einem sicher gut zu Gesicht, wenn man zum Beispiel eine Sonnencreme verkaufen will. Der Auftrag des öffentlich-rechtlichen Rundfunks ist aber ein anderer. Den Umbau der Gesellschaft, den der Rundfunk auf diese Weise zwangsläufig vorantreibt, während er vorgibt, ihm nur zu folgen, sollte man sich genau vor Augen führen: Rousseaus Gemeinwohl, Kants Vernunftidee, Habermas' Diskursbegriff werden dort nicht mehr als Fundament der Republik verstanden, sondern als Spleen einer linksliberalen Sieben-Prozent-Blase."

Oliver Jungen hat in der FAZ ebenfalls über die Veranstaltung geschrieben:

"Die Radioverantwortlichen (hoben) in nahezu jeder Antwort (hervor), dass der lineare Funk endlich (oder zumindest: 'first') digital und weniger elitär werden müsse, weil man sonst 'die jungen Leute' nicht mehr erreiche."

Um die eigene Programmpolitik zu rechtfertigen, wird das jüngere Publikum also zum Bildungsprekariat erklärt. Ihm wird ein Anti-Intellektualismus unterstellt, weil man seinen eigenen Anti-Intellektualismus unter die Leute bringen möchte.

Jungens Fazit:

"Die (ganz bewusste) Selbstauflösung des Kulturradios, so die Erkenntnis des Abends, ist in vollem Gange."

Der Prozess der "Selbstauflösung" ist auch in anderen öffentlich-rechtlichen Bereichen zu beobachten ist, allerdings ist er dort noch nicht so deutlich sichtbar wie beim Kulturradio.

Stephans und Jungens Texte illustrieren jedenfalls jeweils recht gut: Fast immer, wenn Sendermanager verkünden, man müsse jetzt digitaler, crossmedialer, moderner, jünger werden, geht es darum, im weiteren Sinne unbequeme, irgendwie nach Intellektualität riechende Inhalte zu marginalisieren oder aus dem Programm zu kippen. Manchmal beschleicht einen das Gefühl, dass die ARD droht, eine Art SPD der Mediengeschichte zu werden, eine Institution, die ihre ureigenen Inhalte und Wertvorstellungen über Bord wirft, um dann der Bedeutungslosigkeit entgegen zu taumeln. Das System wird derzeit von innen derart sturmreif geschossen, dass es dann irgendwann vielleicht wurscht ist, ob es zu einer "Fusion" in der Art kommt, wie sie sich die CDU-Mittelständler wünschen.

Lineare Zweitverwertung

Ein Menetekel für "Selbstauflösungen" an anderer Stelle ist ein vor etwas mehr als zwei Wochen erschienenes Interview von dwdl.de mit der HR-Programmdirektorin Gabriele Holzner, das uns hier bisher durchgerutscht ist oder noch nicht richtig ins Kolumnenkonzept passte. Holzner sagt in dem Interview:

"Fürs HR-Fernsehen haben wir die Grundsatzentscheidung getroffen, lineare Formate sehr bewusst nur noch für die Zeitschiene zwischen 16 und 20 Uhr zu entwickeln oder weiterzuentwickeln. Diese Zeitschiene ist fürs Regionale von herausragender Bedeutung (…) Die Redaktionen in diesem Korridor zwischen Nachmittagssendung und Hauptausgabe der "Hessenschau" haben den Auftrag, lineare Angebote zu erstellen und erst im zweiten Schritt auch zu überlegen, was davon digital wiederverwertet werden kann. Für alle anderen Redaktionen ist der Fokus genau umgekehrt: Sie erhalten den bewussten Auftrag, neue Formate für die Mediathek zu entwickeln bzw. bestehende im Hinblick auf die Mediathek weiterzuentwickeln. Diese Formate sollen vor allem in der Mediathek performen, sie werden nicht mehr für einen linearen Sendeplatz produziert, sondern der lineare Sendeplatz ist fortan die Zweitverwertung."

Konkret heißt das:

"Nehmen Sie als Beispiel unser landespolitisches Magazin 'defacto', das zuletzt montags um 20:15 Uhr lief. Da sind wir aktuell in einer spannenden Experimentierphase. Die Redaktion hat nämlich den Auftrag, im ersten Halbjahr fünfmal 45 Minuten für die Mediathek zu produzieren. Der inhaltliche Kern soll so bleiben wie bisher: 'defacto' erklärt, wie sich politische Entscheidungen auf Leben und Alltag der Menschen auswirken. Aber die Erzählweise muss sich natürlich verändern, denn in der Mediathek guckt sich kaum jemand multithematische Magazine an."

Das wäre so, als würde man die Räder eines Straßenbahnwaggons umbauen, damit er vielleicht auf U-Bahn-Schienen funktioniert - und um ihn danach wieder auf Straßenbahnschienen einzusetzen. Womit natürlich nicht gesagt werden soll, dass das Programm des HR Fernsehens keine Reformen verträgt.

Richtig ist, dass Magazine in den Mediatheken nicht funktionieren. Und natürlich ist es dann bzw. ohnehin wichtig, die Inhalte solcher Sendungen netzgerecht aufzubereiten. Es gibt aber wenige Indizien dafür, dass es Sinn ergibt, explizit auf die Netznutzung ausgerichtete Inhalte linear zweitzuverwerten.

[Anm.: An dieser Stelle folgte in einer früheren Version dieser Kolumne ein vermeintliches Beispiel für "Recycling" von "Internetfernsehen" im linearen Programm. Tatsächlich handelte es sich dabei um ein Joint Venture zwischen dem linearen Programm Tagesschau24 und dem "Kulturjournal" des NDR Fernsehens.]

Womit wir wieder bei der Kultur wären. Das Thema der ausführlich beschriebenen Veranstaltung in Köln waren ja die Veränderungen im Radio, aber auch um den Kulturjournalismus im Fernsehen ist es halt auch nicht so gut bestellt.

Dafür lässt sich auch ein Beispiel aus dem MDR nennen, bei dem das Altpapier erscheint. Der Sender hat im Dezember "MDR Kultur - Filmmagazin" mehr oder weniger geräuschlos eingestellt - aus wirtschaftlichen Gründen. Andererseits handelte es sich hier um ein kostengünstiges Magazin: Die Sendung war unmoderiert, das Bildmaterial kam zum Großteil von den Filmverleihen. Die Einstellung war in diesem Fall also eher eine Spargeste als eine Sparmaßnahme, aber das ist auch nicht gerade untypisch für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk.

Hanfelds Blasenuntersuchungen

Um noch einmal auf Michael Hanfelds Text über die ARD/ZDF-Fusionsidee der CDU-Mittelstandsvereinigung zurückzukommen: Zur derzeitigen Lage der öffentlich-rechtlichen Anstalten bemerkt Hanfeld Folgendes:

"(Die Sender) müssen auch aufpassen, dass sie sich nicht den Vorstellungen der hierzulande medial den Ton angebenden politjournalistischen Twitterblase in Sachen 'Haltung' beugen."

Eine bemerkenswerte Wahrnehmung. Den "medialen" Ton geben hier zu Lande also nicht etwa Sender oder Zeitungen an - auch nicht jenes in den Milieus der sogenannten Entscheider nicht so schlecht verbreitete Blatt, für das Hanfeld arbeitet und das im vierten Quartal 2020 immerhin noch 200.883 Exemplare verkaufte -, sondern eine "politjournalistische Twitterblase", deren Bewohner uns nicht näher vorgestellt werden.

Rein formal ließe sich an dieser Stelle natürlich auch sagen: Hanfeld schweift ab, denn: Was haben solche Ausführungen in einem Text über im Kern nicht neue Umgestaltungsideen für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk zu tun? Tatsächlich kommt Hanfeld an dieser Stelle zu seinem derzeitigen Hauptthema. Vor einer Woche schrieb er über die panikartige "Stimmungsmache" gegen die Bundesregierung, die von Bild-Zeitung, Welt und NZZ betrieben werde - um dann kurz vor dem Ende des Kommentars noch in folgende Kurve einzubiegen:

"Diese 'Stimmungsmacher' (kommen) einem in ihrem Habitus so (vor) wie die vornehmlich linke journalistische Twitter-Blase in diesem Land, deren Reißleine kurz und die Bereitschaft zum nächsten Shitstorm-Cancel-Mobbing gegen Einzelne sehr ausgeprägt ist."

Hm. Der "Habitus" von Springers Leuten ähnelt also dem von "linken" Journalisten (über die man auch an dieser Stelle nicht mehr erfährt, als dass sie Twitter nutzen und in Hanfeld Timeline aufpoppen)? Handelt es sich hier vielleicht um eine weitere Variante des Hufeisen-Glaubens?

Blicken wir zurück an den Anfang des Monats: Zunächst schrieb Hanfeld über die Kritik an der desaströsen WDR-Sendung "Die letzte Instanz" unter anderem, dass sich eine "Twitterblase" bzw. "journalistische Twittertruppe" auf die Sendung "eingeschossen" habe (Altpapier). Zwei Tage später dann ein Ausflug ins Waidmännische, nun erwähnte Hanfeld nämlich eine "Twitter- und Social-Media-Meute, die fortwährend auf der Jagd" und "eine Gefahr für die Pressefreiheit" sei - wobei letztere Formulierung von der Tagesspiegel-Redakteurin Fatina Keilani stammt, die er zustimmend zitiert. Eine metaphorische Steigerung von "auf der Jagd" gelang in dem Zusammenhang dann am vergangenen Samstag auf der FAZ-Medienseite Hanfelds mutmaßlichem Geistesbruder Jüri Reinvere, der über einen als Opfer von "gezieltem Meinungsterror" dargestellten freien finnischen Journalisten, dieser habe nun "Angst, ein ‚falsches‘ Wort zu sagen und von Facebook- oder Twitter-Aktivisten schneller niedergeballert zu werden, als die Sonne untergehen kann".

Hanfelds Blasenuntersuchungen in diesem Monat rufen einen Übermedien-Artikel aus dem November in Erinnerung. Unter anderem anlässlich eines Beitrags, in dem der nebenberufliche Nuhrologe Hanfeld Dieter Nuhr gegen einen "Twittermob von ein paar hundert Leuten" verteidigte, schrieb Johannes Franzen damals:

"Die Fiktion der gesichtslosen Meute kann nur aufrecht erhalten werden, indem man keine einzige der doch angeblich zahlreichen Einzelstimmen zitiert, die diese Meute ja ausmachen soll (…) Diese Form des Twittermobs (erscheint) vor allem als Fantasma einer bestimmten Art des journalistischen Erzählens."

Dieser Übermedien-Text bleibt also aktuell.


Altpapierkorb (Jens Spahns Pressefreiheitsverständnis, neun Thesen zur Wissenschaftskommunikation, Männerdomäne Regionalpresse)

+++ "Seit dieser Woche (steht er) als Journalistenspitzel da. Das ist so ziemlich das Unterste, was einem Politiker im medialen Rechtsstaat passieren kann." Das schreibt Steffen Grimberg in seiner aktuellen "Flimmern und Rauschen"-Kolumne in der taz über Jens Spahn. Hintergrund: Journalisten hatten Details zu Immobilienkäufen des Gesundheitsministers in Berlin recherchiert. Der Tagesspiegel dazu: "Spahn hatte über seine Anwälte vom Grundbuchamt beim Amtsgericht Schöneberg verlangt, Namen und Anfragen unter anderem von Journalisten von Spiegel, Bild, Stern und Tagesspiegel herauszugeben. Das Grundbuchamt war dem gefolgt." Grimberg geht in seinem Text auch auf die (vorerst) letzte Wendung in diesem grotesken Fall ein, die sich am Mittwoch in der Bundespresskonferenz abspielte.

+++ Die Zeit (€) hat "neun Thesen, wie Wissenschaft und Öffentlichkeit sich besser verständigen" formuliert, und eine davon lautet: "In wissenschaftlichen Großlagen müssen Journalisten (…) einschätzen können, welches Wissen gesichert ist (…) Seriöser Wissenschaftsjournalismus zeichnet sich gerade dadurch aus, dass er unausgewogen berichtet - indem er weglässt, was keine fachliche Basis hat." Gewiss eine wichtige Feststellung, aber ich -Achtung, jetzt kommt kurz vorm Wochenende noch ein kleiner Brocken Utopie! - wäre ja generell für einen Journalismus, der "weglässt, was keine fachliche Basis hat".

+++ "Zapp" berichtet über eine neue Pro-Quote-Studie: "Männerdomäne Regionalpresse". "Bei vielen Regionalzeitungen haben sich geschlossene Zirkel gebildet. Dass Frauen ab einem bestimmten Punkt da auch wirklich nicht reinkommen, auch wenn sich sie wirklich bemühen, haben uns viele Interviewte erzählt.", sagt Studienautorin von Anna von Garmissen gegenüber Daniel Bouhs. Eine nun von Pro Quote an die Regionalzeitungsverlage gerichtete Forderung lautet: "Frauen muss ermöglicht werden, mit Familie Karriere zu machen. Darum müssen Führungspositionen jenseits der typischen Vollzeitstelle geschaffen werden – etwa in Form von geteilten Ressortleitungen, Doppelspitzen oder 80-Prozent-Stellen."

Neues Altpapier gibt es wieder am Montag. Schönes Wochenende!

3 Kommentare

Wiesel vor 6 Wochen

Getroffene Hunde bellen.

Nun das ÖR schafft sich selber ab. Die Diskussion des inzwischen zu aufgeblähten Programms und zu kostenintensiver Veranstaltungen gibt es seit Jahren. Einzig das ÖR macht weiter so. Das Geld kommt ja. Zu der momentanen und nicht abflauenenden Diskussion hätte es nicht kommen müssen wenn man zeigt dass man erkannt hat dass die Medienlandschaft sich geändert hat.
Ist es wirklich Grundauftrag jeden Übertragungsweg für sich als Pflicht zu reklamieren? DVB-T(2) wurde doch quasi nur durch Gebühren finanziert. V1 gab's keine privaten und bei V2 nur gegen Gebühr. Müssen wirklich alle regionalen Fenster in HD und SD, digital und analog einen Kanal auf Satellit haben was auch nur Geld kostet?
Ich bin eindeutig für ÖR, sehe aber Reformbedarf im Staatsvertrag. Angepasst an das hier und jetzt. Der ÖR ist ewiggestrig.

HarryaHH vor 6 Wochen

Es scheint nicht nur so ...
Der Vorschlag von der Politik, ARD & ZDF "zu fusionieren", wurde von beiden Sendern in den Nachrichten vergessen, wohl wissentlich unterdrückt.
Und hier vermutlich auch ...

HarryaHH vor 6 Wochen

Ein langer Text, der sich mit keinem Wort zu vom Zuschauer erlebten Tatsachen befasst: 20 TV Antennen senden täglich, häufig zur gleichen oder versetzten Zeit Seifenopern; Kriminalfilme, die gar keine sind; Klamauk, Wiederholungen von Wiederholungen in Endlosschleife.
Schon klar, wenn die Sender 24/7 irgendwas senden müssen.
Der ZDF Sender NEO kann in Monk umbenannt werden.
Zum Teil werden die Kultursender 3sat und arte missbraucht.
Nehmen Sie sich einfach ne TV App, da ist das alles übersichtlich erkennbar.

Ich könnte Ihnen noch viel mehr über die verbleibenden 400 Zeichen schreiben