Wandgebundene Fassadenbegrünung Vertical gardening: Mit bepflanzten Lamellen Grün in die Stadt holen

Noch ist es ein Versuch, doch schon bald könnte die wandgebundene Fassadenbegrünung mit bepflanzten Lamellen marktreif sein. Was sie so besonders macht und warum sich private Garten-Liebhaber auch dafür interessieren, lesen Sie hier.

Eine Frau und ein Mann im Gespräch. 2 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Eigentlich war die wandgebundene Fassadenbegrünung für Logistikzentren, Parkhäuser oder andere Funktionsgebäude mit Glasfassaden gedacht. Doch als das Lehr- und Versuchszentrum Gartenbau in Erfurt die begrünten Lamellen in ihrem Bereich auf dem Buga-Gelände präsentiert, wird die Bildungseinrichtung von privaten Anfragen fast überrannt, erzählt die Expertin für Pflanzenverwendung Cornelia Pacalaj. Gerade im städtischen Raum, in aus dem Boden gestampften Wohnquartieren mit viel Glas und wenig Grün, ergebe sich mit den bepflanzten Lamellen eine Möglichkeit, das Urbane zumindest mit etwas Natur zu verbinden und somit mehr Grün in die Städte zu bringen.

bepflanzte Lamellen im geschlossenen Zustand
Sogar Erdbeeren können in so einer Lamelle angepflanzt werden. Bildrechte: MDR/Teresa Herlitzius

Die begrünten Lamellen aus dem Versuch können direkt vor Glasfassaden gesetzt werden und sind motorisiert beweglich. Somit können sie wie Jalousien als Sichtschutz eingesetzt werden. Gleichzeitig übernehmen sie quasi als Dämmschicht im Sommer eine kühlende und im Winter eine wärmende Funktion.

Gemüse und Kräuter von der Lamelle

Ähnlich wie bei der klassischen, extensiven Dachbegrünung wurde bisher viel mit Sedum oder anderen, pflegeleichten Pflanzen experimentiert. Wegen des großen Interesses von Privatpersonen wird im Versuch inzwischen aber auch Gemüse kombiniert mit Kräutern angebaut – das ist eine Variante, die vor allem bei der Verwendung an Stadtwohnungen attraktiv sein könnte.

Eine Art eckiger Blumentopf aus Hanf mit Erde und Pflanzen
Die Lamellen sind mit Pflanzziegeln, wie diesem, bestückt. Bildrechte: MDR/Cornelia Pacalaj

Die begrünten Lamellen sollen später nach dem Baukastenprinzip funktionieren. Deshalb werden die Lamellen mit einer Art Pflanzziegel bestückt. Der Pflanzziegel besteht aus Hanf. In diesen kommt schließlich das Substrat, das wiederum mit einer Hanfschicht abgedeckt und so zusammen mit einem Gitter in den Lamellen fixiert wird. Schließlich muss alles gut halten, damit die Lamellen bewegt und geneigt werden können.

bepflanzte Lamelle mit Hanfschicht
In die Pflanziegel kommt das Substrat. Das Substrat wird mit einer Hanfschicht abgedeckt und schließlich mit einem Gitter fixiert. Bildrechte: MDR/Teresa Herlitzius

Ziel: ein autarkes und in sich geschlossenes System

Pflanzverwendungsexpertin Cornelia Pacalaj erklärt, dass die begrünten Lamellen schlussendlich als ein autarkes und in sich geschlossenes System funktionieren sollen. Über Solarpanelen auf der Lamellenkonstruktion soll Strom gewonnen und für die automatisierte Bewässerung genutzt werden. In den Lamellen ist eine Tröpfchenbewässerung verbaut.

Bewässerungssystem für bepflanzte Lamellen
In den Lammel ist ein Bewässerungssystem verbaut worden. Bildrechte: MDR/Teresa Herlitzius

Im Rahmen des Versuchs plant Pacalaj noch einen Feinstaubtest. Dass die Pflanzen Feinstaub filtern, ist klar. Doch wie viel es genau ist, kann gerade bei der Begrünung von Städten hinsichtlich der Luftqualität spannend sein.

Cornelia Pacalaj und Jens Haentzschel vor bepflanzten Lamellen
Cornelia Pacalaj arbeitet am Lehr- und Versuchszentrum Gartenbau in Erfurt und ist Expertin für Stauden sowie Pflanzenverwendung. Im MDR Garten hat sie Moderator Jens Haentzschel erklärt, was die begrünten Lamellen so besonders macht. Bildrechte: MDR/Teresa Herlitzius

ARD-Themenwoche Stadt.Land.Wandel

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR Garten | 11. Juli 2021 | 08:30 Uhr