Ein Vorgarten mit Schottersteinen und vereinzelten Pflanzen.
Manche finden sie schön, andere unzumutbar: die Vorgartengestaltung mit Kies und Steinen greift immer mehr um sich. Bildrechte: MDR / Mayte Müller

Gartengestaltung Alternativen zum Schottergarten

Vorgärten voller Kies und Steine statt Pflanzen greifen immer mehr um sich. Wir erklären, warum dieser Trend der Umwelt schadet und wie ein Vorgarten auch für Gartenlaien ansprechend gestaltet werden kann.

Ein Vorgarten mit Schottersteinen und vereinzelten Pflanzen.
Manche finden sie schön, andere unzumutbar: die Vorgartengestaltung mit Kies und Steinen greift immer mehr um sich. Bildrechte: MDR / Mayte Müller

Was ist ein Schottergarten?

Im Gegensatz zum klassischen Stein- oder Kiesgarten, in dem Pflanzen kultiviert werden, die auf kargen, nährstoffarmen Böden wachsen, besteht ein Schottergarten vor allem aus Kies und Steinen verschiedener Form, Größe und Herkunft. Auch Skulpturen, Säulen, Gitterkörbe und Zäune sind typische Gestaltungsmittel. Mitunter setzen einzelne Pflanzen Akzente – wenn sie überhaupt vorkommen.

Zur Anlage eines Schottergartens wird der Mutterboden abgetragen und ein Vlies darunter gelegt, auf das anschließend das steinerne Material gefüllt wird. Ziel dieser Maßnahme ist, ein Durchwachsen von Wildkräutern von unten her zu verhindern.

Diese Art von "Gartenanlage" findet sich hauptsächlich im öffentlich einsehbaren Vorgartenbereich.

Schottergärten und Politik Der Trend zur Versteinerung der Vorgärten beschäftigt mittlerweile Politik und Umweltverbände. Anfang Mai erklärten die Umweltminister mehrerer Bundesländer, eine Informations-Kampagne gegen die Schottergärten ins Leben rufen zu wollen. Auch Thüringen unterstützt das Vorhaben. Einzelne Kommunen haben bereits begonnen, in ihren Bebauungsplänen solche Gestaltungen zu untersagen. Bereits bestehende Schottergärten sind davon allerdings nicht betroffen.

Nachteile von Schottergärten

Schottergarten hinter Metallzaun als Vorgarten.
Hier wächst so gut wie nichts mehr - und genau das wird zum Problem für Mensch und Natur. Bildrechte: MDR/Mayte Müller

  • Abnehmende Biodiversität: Gärten leisten einen immens wichtigen Beitrag zum Erhalt der Biodiversität. In Schottergärten finden aufgrund der fehlenden Pflanzen keine Insekten und Vögel Nahrung.
  • Flächenversiegelung: Regenwasser kann nicht mehr vernünftig versickern, was sich negativ auf die Grundwasserneubildung auswirkt. Aus diesem Grund zahlen Besitzer von Schottergärten oft auch höhere Abwassergebühren.
  • Mikroklima: Pflanzen haben positive Auswirkungen auf das Mikroklima. Sie binden Staub und Schadstoffe aus der Luft und senken die unmittelbare Umgebungstemperatur. Die Steinflächen hingegen heizen sich tagsüber auf und geben die gespeicherte Wärme nachts ab.

Woher kommt der Trend und welche Ursachen stecken dahinter?

Weiß blühende Küchenschelle in Steingarten
Bitte nicht verwechseln: Ein traditioneller Steingarten hat mit einem modernen Schottergarten nichts zu tun. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Angaben zu konkreten Zahlen des Schottergartentrends liegen nicht vor. Aber das Thema bewegt Menschen zunehmend, wie zum Beispiel die große Resonanz auf die Facebook-Seite "Gärten des Grauens" des Berliner Biologen Ulf Soltau zeigt. Seit 2017 veröffentlicht er dort Fotos von steinernen Gartengestaltungen mit satirischen Kommentaren.

Der Naturschutzbund Deutschland (NABU) beschäftigt sich seit 2018 vermehrt mit dem Thema. NABU-Gartenreferentin Marja Rottleb macht in erster Linie das Bedürfnis nach geringem Pflegeaufwand und mangelndes gärtnerisches Wissen als Ursachen für diesen Trend aus. "Viele Menschen haben kaum noch Ahnung von natürlichen Zusammenhängen", so Rottleb. "Ihnen ist leider gar nicht bewusst, wie immens wichtig Gärten für unser Ökosystem sind."

Auch Antje Lobenstein, Museumspädagogin beim Deutschen Gartenbaumuseum Erfurt und selbst engagierte Gärtnerin, macht die mangelnde Umwelt- und Ästhetikbildung vieler Eigenheimbesitzer als eine Ursache des Schottertrends aus. Aber sie geht noch weiter: "Der deutsche Ordnungssinn ist kontraproduktiv für den Naturschutz. Da fürchten viele Leute durchaus zu Recht, dass es Ärger mit den Nachbarn gibt, wenn bei ihnen mal irgendein 'Unkraut' blüht und es eben nicht 'ordentlich' aussieht." Gleichzeitig würden sich die Menschen mit der Pflege ihres Grundstücks überfordert fühlen und sähen Gartenarbeit vor allem als lästige Pflicht. "Wer hat denn noch einen wild wuchernden Blumengarten? Wo sieht man die überhaupt noch? Da fehlt es auch schlicht an Vorbildern", bemerkt sie.

Im Übrigen sei die suggerierte Pflegeleichtigkeit von Schottergärten eine Illusion: "Der Wind weht Samen, Staub, Blätter auf die Fläche und über kurz oder lang siedeln sich wieder Pflanzen zwischen den Steinen an", sagt Antje Lobenstein. Dann sei es sehr mühsam, die Fläche zu reinigen. Oder es werde auf Unkrautvernichtungsmittel zurückgegriffen.

Vom Schotter- zum Pflanzengarten

Einen Garten ganz ohne Arbeit wird es nicht geben, aber natürlich gibt es pflegeleichtere und -intensivere Gärten. Wer in seinem Reich einen kleinen Beitrag für die Natur leisten will, sollte auf mehr als auf einen englischen Rasen setzen. Der ist zwar besser als eine mit Steinen versiegelte Fläche, aber immer noch sehr artenarm.

Tipps für die (Um)Gestaltung des Gartens:

Ausladende Ziegräser der Sorte Miscanthus sinensis 'Bogenlampe' mit buscheligen Blüten
Zum Beispiel mit Ziergräsern lassen sich Gärten sehr eindrucksvoll und relativ pflegeleicht gestalten. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

  1. Langsam anfangen: Wer einen Schottergarten sein eigen nennt und ihn umgestalten möchte, sollte erst einmal an einer Ecke anfangen, sich mit dem Gärtnern anzufreunden. Mit Kompost oder einem Bodenaktivator aus dem Fachmarkt kommt wieder Leben in den Gartenboden. Anschließend können Pflanzen eingesetzt werden. Stück für Stück kann dann die Gartengestaltung vorangehen. Die übrigen Steine können zu einem Haufen aufgeschichtet werden. Eidechsen lieben solche Steinhaufen.
  2. Die richtigen Pflanzen für den passenden Standort: Diesen Gartengrundsatz kann man nicht hoch genug schätzen. Nicht jede Pflanze wächst überall. Sie haben unterschiedliche Ansprüche an Licht, Wärme, Wasser und Bodenqualität. Eine sonnenliebende Staude wird im Schatten verkümmern - und umgekehrt. Gartenbücher, Internetrecherchen und Beratung im Fachmarkt helfen dabei, geeignete Pflanzen für den jeweiligen Standort zu finden.
  3. Nicht zu kleinteilig pflanzen: Nicht ein Exemplar von jeder Sorte, sondern Beschränkung auf ausgewählte Pflanzen, von denen dann immer mehrere Exemplare gepflanzt werden sollten. Die meisten Pflanzen entfalten in Gruppen eine wesentlich stärkere Wirkung als einzeln.
  4. Zeit einplanen und Geduld haben: Einen tollen Garten bekommt man nicht über Nacht. Pflanzen brauchen Zeit, um sich zu entwickeln und nicht jede Pflanzung wird Bestand haben. Aber es macht auch Spaß, die Entwicklung des Gartens im Laufe der Jahre aktiv zu begleiten.
  5. Der Natur Raum lassen: Ein Garten ist kein Wohnzimmer, zu viel Ordnung behindert eher die Entwicklung der Pflanzen. Warum nicht ein Stück Wiese lassen, das nur ein oder zwei Mal im Jahr gemäht wird und auf dem Wildkräuter wachsen dürfen? Solche "wilden" Ecken sind für die Natur sehr wertvoll, weil Insekten und Vögel dort Nahrung finden. Vielleicht siedelt sich sogar ein Igel an.
  6. Bodendecker einsetzen: Die niedrigen Pflanzen bedecken große Teile des Bodens und lassen so kaum Unkräuter durch. Polsterdost (Origanum vulgare) oder Polsterphlox (Phlox subulata) sowie Fetthennen (Sedum) und Steinbrech (Saxifraga) sind genügsame Bodendecker, die kaum Pflege benötigen und mit wenig Wasser auskommen.
  7. Sträucher und Büsche setzen Akzente: Am besten sollte auf einheimische Gehölze zurückgegriffen werden. Kornelkirsche und Schlehe sind pflegeleicht und bieten vielen Tieren Nahrung und Unterschlupf.
  8. Ziergräser als Hingucker und Sichtschutz: Ziergräser haben ähnlich Eigenschaften wie Bodendecker, nur dass sie in die Höhe wachsen und so gleichzeitig als Sichtschutz dienen können. Manche Ziergrasarten können auch gut mit Kies kombiniert werden.
  9. Stauden pflanzen: Im Gegensatz zu einjährigen Blumen haben sie den Vorteil, dass sie über Jahre wachsen und sich bei günstigen Bedingungen auch vermehren. Das Beet muss also nicht jedes Jahr neu bepflanzt werden. Besonders pflegeleicht und mit einem Hauch Exotik sind die sogenannten Präriestauden, die aus dem Mittleren Westen der USA kommen.
  10. Kräuterrabatten: Viele Kräuter wie zum Beispiel Lavendel, Salbei oder Thymian kommen mit wenig Wasser aus, wachsen fast von allein, sehen schön aus - und man kann sie auch noch für die Küche nutzen.

Kräuter vorgestellt Die Klassiker im Kräutergarten

Lassen Sie sich verführen von aromatischen Kräutern, die dekorativ aussehen, duften und auch noch heilsame Wirkungen haben. In dieser Bildergalerie stellen wir verschiedene Kräuter und ihre Besonderheiten vor.

Melissen-Kraut mit kleinen Blüten
Die frischen Blätter der Melisse verbessern den Geschmack von Salaten, Getränken und Süßspeisen. Bildrechte: MDR/Daniela Dufft
Melissen-Kraut mit kleinen Blüten
Die frischen Blätter der Melisse verbessern den Geschmack von Salaten, Getränken und Süßspeisen. Bildrechte: MDR/Daniela Dufft
Thymian-Arten
Fast alle Thymian-Sorten bilden schöne, dichte Polster. Sie unterschieden sich trotzdem in ihrem Wuchs, in der Blüte und auch im Aroma. Bildrechte: MDR/Daniela Dufft
Zitronenthymian
Der Zitronenthymian (Thymus x citiodorus "Siver Queen") schmeckt fruchtig und wird für das Würzen von Fischgerichten und Soßen geschätzt. Auch in Honig eingelegt, sorgt er für ein ganz spezielles Aroma. Bildrechte: MDR/Daniela Dufft
Hellgrüne basilikumpflanze die buschig wächst
Buschbasilikum ist besonders würzig und schmeckt hervorragend zu Tomatengerichten oder zu Erdbeeren. Basilikum sollte immer einzeln stehen. Bildrechte: MDR/Daniela Dufft
Rosmarin-Pflanze
Rosmarin sollte im Topf gepflanzt werden, da er so besser überwintert werden kann. Rosmarin kann in einem großen Kübel bis zu zwei Meter hoch werden. Bildrechte: MDR/Daniela Dufft
Ein Blumentopf mit verschiedenen Kräutern
Diese Kräuterarten passen gut in einen Kübel: Salbei, Ysop, Römischer Wermut und Bergbohnenkraut. Bildrechte: MDR/Daniela Dufft
Bergbohnenkraut, kleine Pflanze
Das Bergbohnenkraut ist aromatischer als das normale Bohnenkraut. Bildrechte: MDR/Daniela Dufft
Ananassalbei, kleine Pflanze
Die Blätter des Ananas-Salbeis werden vor allem für Getränke verwendet. Bildrechte: MDR/Daniela Dufft
Ysop
Ysop ist ein hervorragendes Gewürz für Fleisch- und Fischgerichte. Die Blüte ist essbar und eignet sich zum Garnieren. Bildrechte: MDR/Daniela Dufft
Wermut
Wermut ist ein Heilkraut. Die Blätter werden für Magentees oder in Kräuterlikör verwendet. Es sollten immer nur sehr kleine Mengen verwendet werden. Wermut wächst sehr ausladend und breitet sich schnell im Garten aus. Bildrechte: MDR/Daniela Dufft
Hochwachsende Wermut-Pflanze
Der Römische Wermut wächst kompakter und bleibt eher klein. Bildrechte: MDR/Daniela Dufft
Pflanze
Die Weinraute wird ein richtiger, 40 bis 60 Zentimeter hoher Busch. Sie ist winterhart. Bildrechte: MDR/Daniela Dufft
Blatt
Weinraute blüht gelb und vermehrt sich über Samen, breitet sich deshalb im Garten schnell aus. Bevor die Pflanze blüht, sollte geerntet werden. Bildrechte: MDR/Daniela Dufft
Blatt
Die Blätter der Weinraute schmecken sehr intensiv, sollten also sparsam verwendet werden. Weinraute passt zu Fleisch, Fisch und dient als Aroma im Kräuterlikör. Vorsicht beim Ernten! Das Berühren der Blätter kann zu Hautausschlag führen. Bildrechte: MDR/Daniela Dufft
Pflanze
Beifuß hat ein feinherbes Aroma und ist für viele Gerichte zu verwenden. Der Geschmack erinnert an Minze und Wacholder. Bildrechte: MDR/Daniela Dufft
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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR Garten | 07. April 2019 | 08:30 Uhr

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | MDR aktuell | 07. Mai 2019 | 06:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 13. Juni 2019, 09:51 Uhr