Wintergemüse Schwarzwurzeln anbauen und ernten

bot. Scorzonera hispanica, auch bekannt als Garten-Schwarzwurzel, Spanische Schwarzwurzel, Echte Schwarzwurzel, Skorzenerwurzel, Winterspargel, "Arme-Leute-Spargel"

Schwarzwurzeln sind ein weitgehend unterschätztes Wintergemüse. Dabei können die so schmackhaften wie genügsamen Wurzeln mit relativ wenig Aufwand im eigenen Garten angebaut werden. Biogärtnerin Kristina Bauer hat damit gute Erfahrungen gemacht.

Geerntete Schwarzwurzeln liegen auf einer roten Unterlage.
Schwarzwurzeln sind ein sehr ursprüngliches und gesundes Gemüse. Bildrechte: MDR/Dörthe Gromes

Das Beet für Schwarzwurzeln im Herbst vorbereiten

Am besten gräbt man das für Schwarzwurzeln geplante Beet schon im Herbst um, denn das Wurzelgemüse braucht einen tiefgründig gelockerten Boden. Schließlich können die Wurzelstangen bis zu 30 Zentimeter lang werden.

Fruchtfolge bei Schwarzwurzeln Gemüseexpertin Kristina Bauer empfiehlt die Schwarzwurzeln auf den abgeernteten Kartoffelacker aus dem Vorjahr zu setzen: Zum einen lockert man bei der händischen Kartoffelernte sowieso den Boden. Zum anderen erhalten die Kartoffeln Nährstoffgaben, dann ist der Boden schon gut für das anspruchslosere Wurzelgemüse versorgt.

Kristina bauer bereitet ihre Beete vor

Eine Frau arbeitet in einem Garten 3 min
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MDR FERNSEHEN So 11.10.2020 08:30Uhr 03:06 min

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Schwarzwurzeln aussäen

Schwarzwurzeln gehören zu den ersten Dingen, die im Gartenjahr ausgesät werden können - gern schon Ende März - denn sie haben eine recht lange Kulturdauer.

Kristina Bauer sät sie auf einem 10 bis 15 Zentimeter hohen Damm aus - in zwei zueinander versetzten Reihen. Der Damm ist kein Muss, hat aber den Vorteil, dass er die Ernte erleichtert, denn die langen Schwarzwurzeln bekommt man schwierig am Stück aus dem Boden.

Die Saat wird mit etwa einem Zentimeter Erde bedeckt und feucht gehalten. Um genug Ertrag für eine vierköpfige Familie zu haben, sollte man etwa fünf bis sechs Meter mit Schwarzwurzeln besetzen.

Frisch geerntete Schwarzwurzeln mit Blättern liegen auf einem Tisch.
Über der Erde entwickeln Schwarzwurzeln eher unspektakuläres Blattgrün. Bildrechte: MDR/Dörthe Gromes

Schwarzwurzel-Sorten

Die Sortenauswahl bei Schwarzwurzeln ist sehr überschaubar. Bekannt sind 'Duplex', 'Einjährige Riesen' und 'Hoffmanns schwarzer Pfahl'. Das Wurzelgemüse ist züchterisch relativ wenig bearbeitet, vermutlich weil es in Deutschland kommerziell nur in geringem Umfang angebaut wird. In Belgien, Frankreich und den Niederlanden ist das Stangengemüse sehr viel populärer als hierzulande.

Tipp: Zwiebeln zwischen Schwarzwurzeln anbauen Zwischen die Dämme mit dem Wurzelgemüse steckt Kristina Bauer Zwiebeln, um den Platz optimal auszunutzen. Sie werden früher geerntet als das Wurzelgemüse, so dass sie sich nicht gegenseitig ins Gehege kommen.

Schwarzwurzeln vereinzeln

Ist die Saat aufgegangen, sollte man sie vereinzeln (pikieren). Das geschieht meist im Mai. Die Pflanzen benötigen etwa fünf Zentimeter Abstand zueinander, um optimal zu wachsen. Oberirdisch bilden Schwarzwurzeln lange, schmale Blätter aus.

Schwarzwurzeln pflegen

Schwarzwurzeln sind genügsam in ihren Ansprüchen. Auf einem gut versorgten Gartenboden müssen sie nicht extra gedüngt werden. Im Sommer überstehen sie auch mal zwei bis drei Wochen ohne Regen. Zusätzlich gießen muss man sie nur in sehr trockenen Jahren.

Schwarzwurzeln blühen im zweiten Standjahr Als zweijährige Pflanzen blühen Schwarzwurzeln erst im zweiten Standjahr. Wer einige Exemplare stehen lässt, wird im Juni/Juli mit gelben Blüten belohnt. Daraus entwickeln sich später die Samenstände, die für eine weitere Aussaat gewonnen werden können.

Schwarzwurzel mit Blüte
Schwarzwurzeln blühen erst im zweiten Standjahr. Sie bilden hübsche, gelbe Blüten aus. Bildrechte: MDR/Heike Mohr

Schwarzwurzeln ernten

Von Oktober bis April können Schwarzwurzeln geerntet werden - außer der Boden ist tief gefroren. Der Frost macht dem Wurzelgemüse allerdings nichts aus, man kommt dann nur nicht heran. So müssen Schwarzwurzeln nicht gelagert werden, sondern können die ganze Saison lang im Boden verbleiben.

Die Ernte von Schwarzwurzeln ist etwas mühsam, weil sie so tief wachsen. Nach Möglichkeit sollte man die Stangen im Ganzen aus der Erde ziehen. Brechen sie, tritt klebriger Milchsaft aus, die Wurzeln verlieren an Geschmack und sind weniger haltbar.

Man benötigt also ein Gerät, mit dem man sehr tief graben kann. Kristina Bauer hat gute Erfahrungen mit einem langen, schmalen Spaten gemacht, mit dem sie an die Wurzeln herankommt.

Milchsaft tritt aus einer angeschnittenen Schwarzwurzel aus.
Beim Brechen oder Anschneiden tritt sofort klebriger Milchsaft aus der Schwarzwurzel aus. Bildrechte: MDR/Dörthe Gromes
Auf einen Blick: Schwarzwurzeln
Heimat Mittelmeerraum
Pflanzenfamilie Korbblütler (Asteraceae)
Wuchs 60 bis 120 cm
Blüte im zweiten Standjahr im Juni/Juli, gelb
Standort sonnig bis halbschattig
Boden durchlässig, tiefgründig
Winterhart ja
Mehrjährig nein
Lebensdauer zweijährig
Besonderheiten Wurzel enthält klebrigen Milchsaft, der beim Brechen austritt
Biogärtnerin Kristina Bauer aus dem Eichsfeld baut Wurzelgemüse an.
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Zur Person Kristina Bauer ist Agraringenieurin und betreibt in Asbach-Sickenberg (Eichsfeld) nahe der ehemaligen innerdeutschen Grenze einen Biohof mit Café und Pensionsbetrieb. Die in ihrem Garten erzeugten Produkte dienen der Versorgung von Familie und Gästen. Ihre Gartenerfahrungen hat sie im Buch "Gemüse. Frische Ideen für den Garten" veröffentlicht.

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Gespräch 4 min
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Möhren, Pastinaken, Hafer- und Schwarzwurzeln sorgen für einen Vitaminschub auf dem winterlichen Speisezettel. Biogärtnerin Kristina Bauer gibt Tipps, wie das Gemüse gut über den Winter kommt.

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Quelle: Kristina Bauer, Agraringenieurin und Biogärtnerin

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR Garten | 10. Oktober 2021 | 08:30 Uhr