Zwei orangerote, reife Aprikosen an einem Zweig
Auch Aprikosen sind für den Hausgarten geeignet. Bildrechte: MDR/Ulrike Kaliner

FAQ: Obstbäume pflegen Obstbäume pflanzen, düngen und schneiden

Pralle Äpfel, frische Kirschen, saftige Pfirsiche – die Ernte aus dem eigenen Garten kann so lecker ausfallen. Monika Möhler von der Lehr- und Versuchsanstalt Gartenbau in Erfurt erklärt, wie das Gärtnern mit Obstbäumen gut funktioniert. Alles Wichtige zu Pflege, Schnitt und Früchten haben wir für Sie zusammengefasst.

Zwei orangerote, reife Aprikosen an einem Zweig
Auch Aprikosen sind für den Hausgarten geeignet. Bildrechte: MDR/Ulrike Kaliner

Welcher Standort ist für Obstbäume der Richtige?

Eine allgemeingültige Regel gibt es dabei nicht. Birnen, Pfirsiche und Aprikosen können ruhig an einer Hauswand gepflanzt werden. Sie profitieren vom Wärmespeicher des Hauses. Tafeltrauben, Nashi-Birnen und Kiwis dürfen hingegen nicht zu zugig stehen.


Wie finde ich den richtigen Baum?

Vor dem Pflanzen sollten Sie genau überlegen, wofür der Obstbaum gut sein soll. Soll er Schatten spenden und eine Bank zum Verweilen darunter stehen? Soll er einmal die Hängematte halten? Oder ist er einfach zum Abnaschen gedacht? Diese Informationen braucht die Baumschule: Wo liegt ihr Garten, in welcher Region? Wie ist der Boden? Wie groß soll der Baum werden? Wofür wollen Sie den Baum nutzen? Wann wollen Sie ernten?


Warum werden Obstbäume veredelt?

Würde man einen Kirsch- oder Apfelkern in den Boden stecken, hätte der neue Baum nicht mehr die gleichen Merkmale wie die Mutterpflanze, da die Kirschblüte mit dem Pollen einer anderen Sorte bestäubt wurde. Man hätte also einen unbekannten Sämling, mit unbekannten Eigenschaften. Auch die Vermehrung über einen Steckling ist schlicht nicht möglich, da dieser keine Wurzeln bildet. Deswegen werden Obstbäume meist veredelt.

Nur durch die Veredlung können Ertrag und Wachstum kontrolliert werden. Die Unterlage bildet später die Wurzel des veredelten Obstbaums. Sie ist also dafür verantwortlich, wie der Baum mit Nährstoffen und Wasser versorgt wird, wie schnell und wie hoch er wächst und wie die Qualität der Früchte ist.


Wann ist eine gute Pflanzzeit?

Obstbäume können im Frühjahr oder im Herbst gepflanzt werden. Weil es in Mitteldeutschland im Frühjahr oft sehr trocken ist, sind Herbstpflanzungen von Vorteil.


Wie dünge ich Obstbäume?

Für Obstbäume kann am besten organischer Dünger, wie Kompost, verwendet werden. Organischer Dünger gibt die Nährstoffe langsam über das Jahr ab. Der ideale Zeitpunkt für die Düngergabe ist nach den Eisheiligen ab Mitte Mai. Wer möchte, kann zusätzlich noch mal Ende Juni düngen. Die Düngerschicht bietet außerdem für den Baum einen Schutz vor Austrocknung. Bei Kernobst kann gegebenenfalls Spezialdünger verwendet werden.


Wann und wie schneide ich einen Obstbaum?

Obstbäume können zur oder nach der Ernte geschnitten werden. In Ausnahmefällen kann auch vor der Blüte geschnitten werden. Das ist besser als den Schnitt komplett ausfallen zu lassen. Im Idealfall wird am Morgen eines warmen sonnigen Tages geschnitten. So trocknen und schließen sich die durch den Schnitt entstandenen Wunden schneller und die Wahrscheinlichkeit eines Befalls durch Bakterien oder Ähnliches kann reduziert werden.


Warum wachsen keine (oder kaum) Früchte an meinem Obstbaum?

Bleiben die Früchte aus, fehlt häufig der Befruchter. Die Bäume müssen befruchtungsbiologisch zusammen passen und gleichzeitig blühen. Um die miteinander harmonierenden Bäume zu finden, hilft eine Beratung vom Gärtner. Manchmal bleiben die Früchte aber auch aus, weil im Jahr davor zu viele dran waren. Dann kann nur auf das kommende Jahr gewartet werden. Aber auch Schädlinge können für eine kleine bzw. ausbleibende Ernte verantwortlich sein. Typische Schädlinge sind beispielsweise der Frostspanner (sie fressen die Blätter ab) und die Knospenwickler (sie fressen die Knospen aus).

Schauen Sie sich Ihre Obstbäume an! Obstbaum-Expertin Monika Möhler empfiehlt: Schauen Sie sich Ihre Bäume an. Dann sehen Sie schon, was ihnen fehlt - Schädlinge und Krankheiten hinterlassen Spuren, wenn auch manchmal nur kurzzeitig. Trägt der Baum zu viele Früchte, kann er diese nicht ausreichend mit Nährstoffen versorgen. Der Geschmack der Früchte kann dann im aktuellen Jahr leiden und der Ertrag im Folgejahr ganz ausbleiben.

Generell gilt dabei die Faustregel: Auf eine Handbreite sollte bei großem Obst, wie Äpfeln, Birnen oder Quitten, eine Frucht kommen. Bei kleinerem Obst, wie Aprikosen, ist es ideal, wenn alle drei Finger breit eine Frucht wächst. Also auch wenn es schwerfällt: Lieber rechtzeitig ein paar kleine Früchte herauspflücken!


Welche Sorten müssen bestäubt werden?

Alle Apfelsorten müssen bestäubt werden. Vor allem der Gravensteiner ist dabei anspruchsvoll: Er ist triploid. Das bedeutet, er benötigt gleich mehrere Sorten für eine erfolgreiche Befruchtung. Es müssen also mindestens zwei weitere, geeignete Bäume in der Nähe stehen, damit die Befruchtung gelingt. Ein guter Befruchter unter den Äpfeln ist James Grieve.

Birnen und größtenteils auch Süßkirschen brauchen ebenfalls einen Befruchter.


Welche Obstsorten sind selbstfruchtend?

Im Gegensatz zu den Süßkirschen sind Sauerkirschen größtenteils selbstfruchtend. Auch Pflaumen, Mirabellen und Hauszwetschgen brauchen keinen Befruchter.


Was ist im Winter zu beachten?

Zu Beginn des Winters sollten Obstbäume möglichst nicht zurückgeschnitten werden. Am besten: Der Gärtner gönnt ihnen in der kalten Jahreszeit einfach etwas Ruhe. Ab dem Frühjahr kann dann geschnitten werden.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR Garten | 28. Oktober 2018 | 08:30 Uhr