Landschaftspflege Förderung für Streuobstwiesen in Gärten und auf dem Land

Thüringen hat die meisten Streuobstwiesen in Mitteldeutschland und bundesweit als erstes Land ein Handlungskonzept zum Erhalt der wertvollen Biotope entwickelt, denn ihr Bestand nimmt rapide ab. Privatleute und Unternehmen können Fördergelder für die Pflege von Streuobstwiesen beantragen. Das gilt auch für Streuobstwiesen in Gärten. Der Förderverein Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft hilft sowohl bei der Antragstellung als auch mit konkreten Pflegetipps.

Streuobstwiese bei Lohma
Streuobstwiesen prägen das Landschaftsbild in Mitteldeutschland. Bildrechte: MDR/Franziska Heymann

Streuobstwiesen mit ihren knorrigen Hochstammbäumen sind aus dem Landschaftsbild Mitteldeutschlands nicht wegzudenken. Besonders stark sind sie in Thüringen verbreitet. Vor einigen Jahren wurden circa 10.000 Hektar im Freistaat erfasst, in Sachsen sind es etwa 6.500 Hektar, Sachsen-Anhalt kommt auf rund 5.000 Hektar.

Zahl der Streuobstwiesen rückläufig

"Mittlerweile dürften es aber deutlich weniger sein", sagt Anett Roßberg vom Förderverein Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (FAbL) mit Sitz in Haina (Landkreis Gotha). Insbesondere die Trockenheit der letzten Jahre setzt den oft überalterten Beständen zu. So wurden Kirschbäume früher an trockenen Standorte auf in Südlage ausgerichteten Hängen gepflanzt. Durch den Klimawandel sind diese Standorte mittlerweile zu trocken, die Bäume sterben ab, eine Neuanlage lohnt sich dort nicht.

"Wir schaffen es derzeit nicht, so viele Bäume nachzupflanzen wie kaputt gehen", bedauert Roßberg. Zumal viele der Streuobstwiesen einen Pflegerückstand von 30 bis 50 Jahren aufweisen würden. "Der Erwerbsobstanbau hat da viel kaputt gemacht, dann gab es in Ostdeutschland ohnehin einen Knick durch die Wende. Es wurden schlicht und einfach keine neuen Bäume mehr nachgepflanzt", so die ausgebildete Obstbaumwartin.

Streuobstwiesen als Hotspots der Artenvielfalt

Aus ökologischer Sicht ist das ein großer Verlust, denn laut Roßberg leben etwa 3.000 bis 5.000 verschiedene Tier- und Pflanzenarten auf einer Streuobstwiese. Nicht nur die Bäume bieten Lebensraum für viele Insekten, Vögel und Kleintiere, sondern auch die Wiese selbst - sofern sie nur ein bis zwei Mal im Jahr gemäht wird. Außerdem tragen die Bäume meist alte, regionale Obstsorten, die im Supermarkt nicht zu bekommen sind.

Was gilt überhaupt als Streuobstwiese? Dazu gibt es keine bundesweit einheitliche Regelung. In Thüringen müssen auf einer Streuobstwiese mindestens zehn starkwüchsige, hochstämmige und großkronige Obstbäume, die in weiträumigen Abständen gepflanzt sind, wachsen. Die Streuobstwiese muss mindestens 1.500 Quadratmeter groß sein.

Thüringer Pilotprojekt mit Fördermöglichkeiten

2020 legte das Thüringer Ministerium für Umwelt, Energie und Naturschutz (TMUEN) erstmals ein umfangreiches "Handlungskonzept Streuobst Thüringen" auf. Darin finden sich auf über 160 Seiten detaillierte Angaben zur Pflege und Neuanlage von Streuobstwiesen vom Baumschnitt über die Entsorgung des Schnittgutes bis zur Wiesenmahd.

Eine Streuobstwiese braucht Pflege und die kostet Geld. Landschaftspflegeverbände, Agrarbetriebe und Privatpersonen können über verschiedene Programme Fördergelder zum Erhalt und zur Neuanlage von Streuobstwiesen beantragen. So unterstützt das Kulturlandschaftsprogramm (Kulap) Bauern mit einem Zuschuss zum Baumschnitt für eine Förderperiode von fünf Jahren. Das Programm Maßnahmen des Naturschutzes und der Landschaftspflege in Thüringen (Nalap) fördert Baumschnitt und Neupflanzung bei Privatleuten und Vereinen.

Streuobstwiesenkongress zur Vernetzung

Da es in vielen Bundesländern noch an solchen konkreten Förderprogrammen sowie an einer Vereinheitlichung der Grundlagen zur Pflege von Streuobstwiesen fehlt, organisierte der FAbL im November 2022 zusammen mit dem Thüringer Umweltministerium erstmals einen Streuobstwiesenkongress in Erfurt. Ziel war, den Thüringer Ansatz über die Landesgrenzen hinaus bekannt zu machen und Akteure in diesem Bereich - Behördenmitarbeiter, Landschaftspfleger, Naturschützer, Bauern und weitere Interessierte - miteinander zu vernetzen.

Hilfe für Streuobstwiesenbesitzer

Wer eine Streuobstwiese besitzt oder überlegt, eine zu erwerben, kann sich an den FAbL wenden. Dort gibt es praktische Tipps zur Pflege von Bäumen und Wiesen, aber auch auf Hilfe bei der Antragstellung für die verschiedenen Förderprogramme.

Kontakt zum FAbL Förderverein Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft e.V.

Anett Roßberg & Johannes Loehr

Zur Burgmühle 1
99869 Nessetal (Haina)
Telefon: 036 254 - 780 24
Email: streuobst@abl-ev.de

www.fabl-ev.de

Streuobstgarten  3 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Nutzung von Streuobstwiesen

Den Lebensraum Streuobstwiese langfristig zu erhalten, wird nur gelingen, wenn wieder Verwertungsmöglichkeiten für das Obst gefunden werden. Für den reinen Erwerbsobstanbau sind die Wiesen unrentabel. Die Bäume sind viel zu groß, um sie maschinell zu ernten oder mit konventionellen Pflanzenschutzmaßnahmen zu behandeln. Und die Obstsorten entsprechen meist nicht den üblichen Handelsvorgaben.

"Streuobst wird wirtschaftlich zu wenig genutzt, da liegt noch viel Arbeit vor uns", sagt Anett Roßberg. Daher versucht der Verein zum Beispiel kleine Mostereien und Streuobstwiesenbesitzer miteinander in Kontakt zu bringen. Denn "nur, was ich nutze, pflege ich auch", bemerkt Anett Roßberg abschließend.

Quelle: MDR Garten (dgr)

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Thüringenjournal | 08. November 2022 | 19:00 Uhr