Streuobstwiese im Frühling bei Kleinromstedt (Apolda)
Kirschen sind die ersten Bäume, die auf den Streuobstwiesen blühen. Bildrechte: MDR/Dörthe Gromes

Im Jahresverlauf Streuobstwiese: Welche Arbeiten wann nötig sind

28. April 2023, 10:09 Uhr

Man muss kein professioneller Obstbauer sein, um sich um eine Streuobstwiese zu kümmern. Eine Leidenschaft für Obstbäume und einige grundlegende Gartenkenntnisse reichen aus, um anzufangen. Biolandwirt und Streuobstwiesenbesitzer Johannes Köhler aus Kleinromstedt bei Apolda erklärt, welche Arbeiten in welcher Jahreszeit zu erledigen sind.

Arbeiten im Frühling: Jungbäume pflegen

Vor allem neugepflanzte und junge Bäume brauchen im Frühling Pflege. Bei Hochstämmen, die üblicherweise auf Streuobstwiesen gepflanzt werden, sind das die ersten zehn Lebensjahre.

Bewuchs entfernen und hacken: Die Baumscheibe sollten Sie frei von Bewuchs halten, denn die Wiesengewächse konkurrieren mit dem Bäumchen um Wasser und Nährstoffe. Hacken Sie im März/April die Erdoberfläche grob auf, damit das Wasser besser in den Boden eindringen kann. Im Mai/Juni sollten Sie die Hackaktion wiederholen.

Eine Streuobstwiese im Frühling auf der Hohen Schrecke in Thüringen. 3 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Gießen: In trockenen Frühjahren, wie sie in den letzten Jahren häufig vorkamen, sollten Sie die Jungbäume gießen. Die Menge hängt vom Boden ab. Bei einem sandigen Boden, der schlecht das Wasser hält, empfiehlt Obstbauer Johannes Köhler ein Mal pro Woche 40 Liter pro Baum zu gießen. Bei einem Lehmboden genügen 60 Liter pro Baum alle zehn bis 14 Tage.

Verbissschutz kontrollieren: Wer seine Streuobstwiese von Schafen oder Rindern beweiden lässt oder wessen Grundstück nicht eingezäunt ist, sollte die Jungbäume unbedingt gegen Tierverbiss schützen. Auch Rehe oder Hasen tun sich gern an der zarten Rinde junger Bäume gütlich. Schauen Sie, ob der Verbissschutz den Winter gut überstanden hat und bessern Sie ihn wenn nötig aus.

Ein junger Obstbaum auf einer Streuobstwiese bei Kleinromstedt (Apolda) wird mit einem aufwendigen Verbisschutz geschützt.
Weil Johannes Köhler seine Streuobstwiesen auch von Rindern beweiden lässt, müssen die Jungbäume aufwendig geschützt werden. Bildrechte: MDR/Dörthe Gromes

Arbeiten im Sommer: Gießen, Ausdünnen und Wiese mähen

Gießen: In trockenen Sommern ist das Gießen der jungen Bäume das A und O. Orientieren Sie sich an den für das Frühjahr genannten Wassergaben. In sehr trockenen Jahren brauchen die Bäume noch mehr Wasser.

Altbäume zu gießen, ist laut Johannes Köhler wenig sinnvoll. Zwar leiden auch sie trotz tiefer Wurzeln bei Dürre, aber die Wassermenge, die sie bräuchten, ist enorm und damit sowohl vom finanziellen Aspekt her als auch vom ökologischen Nutzen fragwürdig.

Äpfel ausdünnen: Im Juni/Juli sollten Sie Apfelbäume, die sehr viele Früchte tragen, gezielt ausdünnen, um eine bessere Ernte zu erzielen. Allerdings ist das bei ausgewachsenen Hochstämmen keine leichte Aufgabe. Da ist es Abwägungssache zwischen Arbeitsaufwand und Ertrag.

Grasmahd: Ab dem Johannistag (24. Juni), je nach Lage und Wetter aber gern auch später, sollten Sie die Wiese mähen. Die extensiv bewirtschafteten Wiesen um die Bäume herum sind für das Biotop Streuobstwiese mindestens ebenso wichtig wie die Bäume selbst. Sie bieten zahlreichen Insekten- und Pflanzenarten einen Lebensraum. Gemäht werden sollte erst, wenn die Wiesenblumen und Gräser abgeblüht sind und ihre Samen verstreut haben. Eine Mahd reicht in der Regel aus, wenn Sie jedoch Futterheu gewinnen wollen, können Sie auch im September/Oktober noch einmal mähen.

Wer ungern Balkenmäher oder Sense benutzt, kann sich die Wiese auch von Tieren kurz halten lassen. Schafe zum Beispiel "mähen" das Gras und düngen Wiese und Bäume gleichzeitig mit ihrem Kot.

Ernten: Kirschen und Sommeräpfel werden reif und müssen geerntet und verarbeitet werden.

Arbeiten im Herbst: Ernten, Düngen, Pflanzen

Düngen: Gönnen Sie den jungen Bäumen eine Gabe Kompost oder gut abgelagerten Stallmist.

Bäume nachpflanzen: Der Herbst ist die beste Zeit, um neue Bäume zu pflanzen. Sie haben genügend Zeit einzuwurzeln und bekommen über den Herbst und Winter ausreichend Wasser. In einer Baumschule gezogene Bäume werden in der Regel wurzelnackt geliefert.

Johannes Köhler rät, die Bäume unbedingt in einen Wühlmauskorb zu setzen. Die Nager laben sich nur zu gern an jungen Wurzeln. Insbesondere Apfelbäume sind gefährdet. Junge Bäume sollten Sie außerdem mit einem Weißanstrich vor Frost und Rindenbrand schützen.

Welche Sorten Sie pflanzen, sollten Sie vor allem am Standort ausrichten. Kirschen beispielsweise kommen mit mageren und trockenen Standorten besser zurecht als Äpfel oder Birnen.

Ernten: Der Herbst ist die Haupterntezeit für Obstbauern. Die meisten Apfel-, Birnen- und Pflaumensorten werden reif. Grämen Sie sich nicht, wenn Sie unter Umständen nicht an die höchsten Äste kommen, die Tierwelt freut sich über das Obst.

Arbeiten im Winter: Bäume schneiden

Bäume schneiden: Solange es frostfrei ist, können Bäume geschnitten werden. Der Schnitt regt die Bäume an, neues Holz zu bilden und erhöht so ihre Lebenserwartung. Lässt man die Bäume einfach wachsen, drohen sie irgendwann unter der Last ihres Holzes auseinander zu brechen. Außerdem werden sie anfälliger für Windbruch.

Johannes Köhler versucht pro Jahr etwa ein Fünftel bis ein Siebtel seines Baumbestandes zu schneiden. Die Altbäume schneidet er etwa alle fünf bis sieben Jahre. Jungbäume müssen anfangs jährlich und später in größeren Abständen geschnitten werden.

Tipp Wenn Sie eine Streuobstwiese übernehmen, die lange vernachlässigt worden ist, sollten Sie sich unter Umständen von Profis beim Baumschnitt helfen lassen, um die Zahl der zu schneidenden Bäume zu bewältigen. Je nach Bundesland kann es dafür sogar Fördermöglichkeiten geben - auch für Privatleute. Außerdem können Sie einen Obstbaumschnittkurs besuchen, um sicher im Baumschnitt zu werden beziehungsweise vorhandene Kenntnisse zu vertiefen.

Über Johannes Köhler Der studierte Biobauer bewirtschaftet insgesamt circa zehn Hektar Streuobstwiesen in Thüringen. Die Ernte verkauft er als Tafelobst, lässt Säfte daraus pressen und Obstschnaps herstellen. Neben der Obstwirtschaft hält er auch Rinder, Schweine und Schafe, baut verschiedene Feldfrüchte an und betreibt eine Baumschule. Seine Produkte vertreibt er sowohl über den Direktverkauf als auch über den Großhandel.

Obstbauer und Biolandwirt Johannes Köhler auf einer seiner Streuobstwiesen bei Kleinromstedt (Apolda).
Biobauer Johannes Köhler neben einem neugepflanzten Baum. Bildrechte: MDR/Dörthe Gromes

Quelle: Johannes Köhler, Biolandwirt aus Kleinromstedt

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR Garten | 23. April 2023 | 08:30 Uhr