Premiere Weimar: Oper "Così fan tutte" am Studiotheater Belvedere

Die Oper "Così fan tutte" von Wolfgang Amadeus Mozart ist 1790 entstanden. Gemeinsam mit "Le nozze di Figaro" und "Don Giovanni" gehört sie zur Trilogie der "Da Ponte Opern". Denn damit hat Mozart gemeinsam mit Lorenzo Da Ponte das Porträt einer ganzen Generation entworfen. Das Studiotheater Belvedere bringt die turbulente Oper mit Studierenden der Musikhochschule aus Weimar auf die Bühne. Am 29. April ist Premiere. MDR KLASSIK hat die Proben vorab besucht.

Szenenfotos: Così fan tutte
"Così fan tutte" ist ein turbulentes Stück über Liebe, Vertrauen, Verwirrung und Verirrung! Immer wieder tauchen die Fragen auf: Was sagt das Herz? Was sagt die Vernunft? Bildrechte: HfM Weimar/ Maik Schuck

Eine Oper mit Tiefgang, nicht mit oberflächlichler Leichtigkeit, so beschreibt es Regisseur Michael Dissmeier, der in Weimar Mozarts Oper "Così fan tutte" inszeniert. Die Titel-Partien wurden dabei mit sechs Darstellenden besetzt, die an der Weimarer Hochschule für Musik Franz Liszt studieren. Die Doppelbesetzung soll möglichen Coronaausfällen vorbeugen.

"Mozart ist schwer zu lernen, aber gleichzeitig ist es hilfreich"

In der Inszenierung geht es für den Regisseur um das Ausloten der Gefühlswelten zwischen Jubel und Abgrund: "Was mich so sehr an diesem Stück berührt und interessiert ist, dass Mozart nicht eine ganz normale Comédie dell’arte des 18. Jahrhunderts geschrieben hat. Neben der scheinbar bescheuerten Handlung mit diesen albernen Verkleidungen schwingt in Mozarts Musik etwas viel Beunruhigenderes mit. Nämlich, dass zwei Paare sich über Kreuz ineinander verlieben. Das hat katastrophale Auswirkungen", sagt Dissmeier.

Szenenfotos: Così fan tutte
Lotta Bagge (hier rechts im Bild) singt die Rolle der Dorabella. Links ist Luisa Pimenta als Fiordiligi zu sehen. Bildrechte: HfM Weimar/ Maik Schuck

In der Weimarer Inszenierung singt auch Lotta Bagge aus Schweden mit. Seit fast drei Jahren studiert sie dort Gesang. Mit Mozart ist sie quasi groß geworden. Der Vater ist in Schweden Dirigent und die Mutter Klarinettistin: "Mozart hat mir immer Freude gemacht", sagt sie und das nicht, weil er so berühmt, sondern weil er für sie schlicht der beste Komponist sei. Die junge Sängerin beschreibt ihre Rolle so: "Ein Traum! Eine Traumrolle."

Auch Hyunwoo Park gehört zu den Sängern. Seinen Bachelor hat er in Südkorea absolviert. Der 28-Jährige studiert nun in Weimar und singt die Partie des Don Alfonso: "Mozart ist schwer zu lernen, aber gleichzeitig ist es hilfreich."

Moderne Inszenierung

Die Inszenierung ist durchaus modern mit vielen Rollenwechseln und Kostümwechseln der Männer. Das Männlichkeitsbild wird dabei parodiert: Mal tragen sie Kleider und Perücke, mal langes Haar und Anzug. Die Frauen sind in schwarz-weiss gehüllt. Sie haben tugendhafte Silhouetten und sind mit Charme in Korsetts gepackt.

Mozart ist immer dann unglaublich lustig, wenn er zugleich tieftragisch ist. Das hört man besonders in den drei Da Ponte-Opern.

Michael Dissmeier, Regisseur

Neue Blickwinkel

Gespielt wird im Orchestergraben, das Publikum sitzt drumherum. Dafür ist das Orchester auf der Bühne platziert. Regisseur Dissmeier möchte damit neue Akzente setzen und weg von der Oberfläche des Stückes. Denn auch Mozart hat den Tiefgang gewagt: "Was ich bei Mozart nicht ausstehen kann, ist die 'Mozart-Kugel'. Ich meine damit, wenn der Dirigent dieses beseelte Lächeln hat beim Auftakt zu einem Werk von Mozart. Denn für mich ist die Musik mit das Traurigste und Abgründigste, was je geschrieben worden ist."

Szenenfotos: Così fan tutte
Es geht um Liebe und um tiefe Abgründe in "Così fan tutte". Bildrechte: HfM Weimar/ Maik Schuck

Und so ertastet der Dirigent Ekhart Wycik, Professor für Orchesterdirigieren an der Weimarer Musikhochschule, die Feinheiten zwischen Tragik, Melancholie und stürmischen Höhenflügen.

Die nächsten Vorstellungen 1. Mai 2022 um 16 Uhr
6. Mai 2022 um 18:30 Uhr
8. Mai 2022 um 16 Uhr

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Dieses Thema im Programm: MDR KLASSIK | MDR KLASSIK am Morgen | 29. April 2022 | 09:10 Uhr

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