drei Biergläser, unterschiedlich gefüllt
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Bierkonsum in Mitteldeutschland Eine Flasche am Tag: Hoher Bierverbrauch im Osten

24. Februar 2024, 05:00 Uhr

In Deutschland wird seit Jahrzehnten immer weniger Bier verkauft. Trotzdem ist der Konsum nach wie vor hoch. In Sachsen wird besonders viel getrunken – durchschnittlich eine große Flasche pro Tag. Dabei können schon geringe Mengen schädlich sein. Alkoholfreies Bier wird immer wichtiger, bewegt sich aber vergleichsweise noch in einer Nische.

Etwa eine große Flasche Bier – das trinkt in etwa jede Sächsin und jeder Sachse pro Tag, das ganze Jahr hindurch. Damit liegt der Freistaat deutlich über den Nachbarländern Thüringen mit 0,7 Flaschen und Sachsen-Anhalt mit rund einer halben Flasche. Das zeigen MDR-Berechnungen und Zahlen zum Bierverbrauch der Statistischen Ämter für das Jahr 2023. Auch im bundesdeutschen Vergleich trinken die Sachsen demnach ganz weit vorne mit. Zusammen mit Mecklenburg-Vorpommern ist der geschätzte Konsum pro Kopf hier am höchsten.

Über die Zahlen

Das Statistische Bundesamt fasst unter dem Verbrauch von Bier den versteuerten Bierabsatz, den Haustrunk (steuerfreie Abgabe an Brauerei-Mitarbeiter) und den Bierimport aus Drittstaaten zusammen. Alkoholfreies Bier und Malzbiere zählen nicht dazu.

Die vom MDR errechneten Zahlen zum Bierverbrauch beziehen sich auf eine 0,5-Liter-Flasche Bier. Die Einfuhr von Bier aus Drittländern in die einzelnen Bundesländer wird statistisch nicht extra erfasst. Sie gehen daher nicht in die Berechnung ein, machen aber weniger als ein Prozent der Gesamtmenge aus. Der Pro-Kopf-Verbrauch bezieht sich auf die Bevölkerung ab 16 Jahren.

Der Bierverbrauch lässt nur bedingt Rückschlüsse auf den tatsächlichen Konsum zu.

Vier Biergläser mit unterschiedlichem Füllstand stellen die Biermenge dar, die pro Kopf pro Tag getrunken wird.
Ungefährer Bierverbrauch pro Kopf ab 16 Jahren. Grundlage ist ein 0,5 Liter Glas pro Tag. Bildrechte: MDR/Maximilian Schörm, Fabian Frenzel

Alkoholkonsum sinkt seit Jahrzehnten

Was nach viel klingt, nimmt insgesamt aber seit Jahrzehnten ab. Seit der Jahrtausendwende verringerte sich der Bierverbrauch nicht nur in Mitteldeutschland, sondern im gesamten Bundesgebiet. Dem Statistischen Bundesamt zufolge ist er seitdem um rund 30 Prozent gesunken.

Gründe dafür gibt es einige. Laut Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung trinken jüngere Menschen seit den Neunzigern immer weniger. Zum anderen gibt es immer mehr ältere Menschen, die im Schnitt weniger trinken als jüngere. Eine hohe Inflation und alkoholfreie Alternativen sind weitere Gründe dafür, warum es immer weniger Biertrinker in Mitteldeutschland gibt.

Was schlecht für die Bierwirtschaft ist, ist gut für die Gesundheit der Bevölkerung. Lange hielt sich der Glaube, dass sehr geringe Mengen an Alkohol bei gesunden Menschen nicht schädlich seien. Maximal 24 Gramm Reinalkohol pro Trinktag bei Männern und 12 Gramm bei Frauen hieß es bei vielen Fachgremien. Das wären umgerechnet zwei kleine beziehungsweise ein kleines Bier pro Tag.

Auch kleines Glas Bier kann gefährlich sein

Die Ärztin Katharina Schoett schätzt die Situation strenger ein. Die ärztliche Direktorin des Ökumenischen Hainich Klinikums in Mühlhausen berichtigt, dass bereits jeder Tropfen Alkohol dem Körper schade. Einen gesunden Alkoholkonsum gibt es demnach nicht. Auch das Gläschen Rotwein am Abend stelle keine Ausnahme dar: "Es gibt viele Mythen im Zusammenhang mit Alkohol. Zum Beispiel auch, dass er gesundheitsfördernd ist. Davon sind die Fachgremien mittlerweile ein ganzes Stück abgerückt. (…) Einen völlig risikolosen Alkoholkonsum gibt es nicht."

Eine mittelalte Frau mit schulterlangem braunen Haar schaut in die Kamera
Ärztin Katharina Schoett Bildrechte: Ökumenisches Hainich Klinikum

Es gibt viele Mythen im Zusammenhang mit Alkohol. Zum Beispiel auch, dass er gesundheitsfördernd ist. Davon sind die Fachgremien mittlerweile ein ganzes Stück abgerückt. (…) Einen völlig risikolosen Alkoholkonsum gibt es nicht.

Katharina Schoett Ärztliche Direktorin Ökumenisches Hainich Klinikum Mühlhausen

Nach Angaben des Deutschen Krebsforschungsinstituts werden mehr als 200 Krankheiten mit Bierkonsum in Verbindung gebracht. Dazu gehören verschiedene Krebsarten, Herz-Kreislauferkrankungen, Typ-2-Diabetes sowie Schäden am Gehirn und im Nervensystem. Dabei gilt: Je mehr Alkohol, desto mehr Schaden für den Körper. Neben den Schäden am eigenen Körper besteht außerdem die Gefahr, psychisch alkoholabhängig zu werden.

Nach Schätzungen des Instituts sterben im Jahr rund 40.000 Menschen vorzeitig im Zusammenhang mit Alkohol. Der gesellige Abend mit Weinglas und der süffige Besuch in der Kneipe – all das kein Kavaliersdelikt für den Körper.

Ein Mann trinkt aus einer Getränkebüchse. 35 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Besonders viele Alkoholabhängige in Sachsen

In den mitteldeutschen Bundesländern gibt es überdurchschnittlich viele Alkoholkranke. Das geht aus einer im Januar veröffentlichten Studie der Barmer Krankenkasse für das Jahr 2022 hervor.

In Sachsen waren mit 2,13 Prozent besonders viele Menschen wegen Alkoholabhängigkeit in Behandlung, der Anteil in Thüringen lag bei 1,96 Prozent, in Sachsen-Anhalt bei 1,95 Prozent. Damit liegen diese und die anderen ostdeutschen Länder über dem Bundesschnitt von 1,71 Prozent. Die Mehrheit der Betroffenen sind Männer. Die Dunkelziffer dürfte höher sein: Viele Alkoholkranke lassen sich laut der Barmer nicht behandeln und tauchen deshalb in der Statistik nicht auf.

Der generell sinkende Bierkonsum allein dürfte der örtliche Bierwirtschaft wenig Sorge bereiten: Laut dem Brauereiverband Brewers of Europe hat Deutschland europaweit einen der höchsten Bierverbräuche pro Kopf. Immer mehr gefragt: alkoholfreies Bier. Hier scheint sich der Wandel im Gesundheitsbewusstsein und des gleichzeitigen Biergenusses am meisten auszuspielen. Die Produktion der alkoholfreien Variante hat sich laut Statistischem Bundesamt in den vergangen zehn Jahren etwa verdoppelt. Brauereien beklagen stattdessen steigende Kosten bei der Herstellung.

MDR (Bobo Markus Mertens, Luise Scheermesser, Leonhard Eckwert)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 24. Februar 2024 | 09:00 Uhr

180 Kommentare

pepe79 vor 7 Wochen

Übrigens durfte wenigstens bis vor einigen Jahren (ob es noch so ist kann ich nicht sagen) jeder Patient in der Kardiologie des Uniklinikums Jena ein Glas Rotwein zum Mitagessen haben wenn er denn wollte und zwar täglich!
Quelle: eigene Erfahrung beim Praktikum dort!

pepe79 vor 7 Wochen

""ein Gläschen Sekt zu Opas Geburtstag " zeigt also dass das Gefühl für die Dosis völlig abhabden gekommen ist? Alles klar, gerade in dem Beispiel ist das Gefühl vollkomnen intakt!

Wer sagt übrigens das Biwrtrinkwr überhaupt noch zusätzlich Schnapps trinken? Ich trinke felefentlich Bier ubd extrem selten Schnapps die Gläser pro Jahr kann ich an einer Hand abzählen einfach weil ich das brennen gar nicht mag!

pepe79 vor 7 Wochen

Es redet ja gar keiner davob das ein täglicher Konsum für eine Schwangere Inordnung ist, das ist definitiv nicht! Genau das ist der Punkt, es geht um MAL und wenig und vor allem nach dem 1. Trimenon ubd nicht um täglich abdr Fanaruker wolln oder können halt den Unterschied nicht verstehen. Irgendwann hört aber keiner mehr Fanatikern zu...genauso wie den Grünen...die werden auch aufgrund des Fanatismus bald keinen Einfluss megr haben.

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