Ältere Handwerkerin an der Nähmaschine in der Werkstatt.
Immer mehr Rentner arbeiten weiter. Bildrechte: IMAGO/Westend61

Beschäftigung Mehr als 1,1 Millionen Rentner in Deutschland arbeiten, Tendenz steigend

17. September 2023, 17:28 Uhr

Aus einer Antwort auf eine parlamentarische Anfrage der Linksfraktion im Bundestag geht hervor, dass immer mehr Rentnerinnen und Rentner arbeiten. Für den Linke-Bundestagsabgeordneten Sören Pellmann ist klar: Sie tun das, weil sie finanziell darauf angewiesen sind. Das Arbeitsministerium sieht aber auch andere Gründe.

Die Zahl der Rentnerinnen und Rentner, die arbeiten gehen, ist gestiegen. Wie Evangelischer Pressedienst und Redaktionsnetzwerk Deutschland unter Berufung auf Erhebungen des Bundesarbeitsministeriums berichten, sind derzeit 1.123.000 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer über 67 Jahre alt und haben somit das reguläre Renteneintrittsalter überschritten. Das Arbeitsministerium stellte die Zahlen auf Anfrage der Linksfraktion im Bundestag zusammen.

Pellmann: "Das ist eine traurige Entwicklung"

Damit seien aktuell 56.105 Seniorinnen und Senioren mehr in Beschäftigung als noch Ende des vergangenen Jahres, hieß es. Von den über eine Million arbeitenden Rentnerinnen und Rentnern seien 251.000 sozialversicherungspflichtig und 872.000 ausschließlich geringfügig beschäftigt.

Dass die große Mehrheit ausschließlich geringfügig über sogenannte 520-Euro-Mini-Jobs beschäftigt ist, sieht die Linke als klares Indiz dafür, dass immer mehr Rentner arbeiten müssen, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. "Das ist eine traurige Entwicklung und ein Symptom eines kaputten Rentensystems", sagte der Ostbeauftragte der Linksfraktion, Sören Pellmann, dem Redaktionsnetzwerk. Schlechte Renten und hohe Preise würden faktisch immer mehr Rentner dazu zwingen weiterzuarbeiten.

Ministerium: Vielfältige Gründe für Weiterbeschäftigung

Das Ministerium erklärte in seiner Antwort, Erwerbsarbeit im Ruhestand habe vielfältige und nicht nur finanzielle Gründe. Es verwies in diesem Zusammenhang auf eine Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in Nürnberg aus dem August des vergangenen Jahres. Dort heißt es unter anderem, die meisten würden nicht aus finanziellen Gründen weiterarbeiten, sondern aus Spaß an der Arbeit, wegen der sozialen Kontakte und weil sie eine sinnvolle Beschäftigung suchen. Den Angaben zufolge arbeiten vor allem Menschen mit einem hohen Bildungsniveau im Ruhestand weiter.

epd(kar)

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | MDR AKTUELL RADIO | 17. September 2023 | 10:30 Uhr

67 Kommentare

astrodon vor 31 Wochen

@Mischka Nachtrag: "Sie scheinen es ja nun wirklich nicht lange irgendwo auszuhalten" Wie man's nimmt - man könnte auch sagen "nicht festgefahren sondern sehr flexibel einsetzbar". Das Umfeld muss stimmen, das ist (für mich) noch wichtiger als die Bezahlung.

astrodon vor 31 Wochen

@Mischka: Das dürften dann ca. 3800 brutto sein, ist doch ok. Hochgerechnet, und um wieder auf das thema Rente zu kommen , sind das 1,125 Entgeltpunkte - und das ist ein guter Wert. WENN das die 45 Arbeitsjahre auch so war, gibts doch 1900€ Rente. Das ist nahe dran an den empfohlenen 80% des letzten Nettos.

THOMAS H vor 31 Wochen

astrodon: Die 872.000 geringfügig Beschäftigten werden es mit Sicherheit nicht wegen den "Steuertricks" machen.

Bei den 251.000 werden es vielleicht welche tun, die brauchen dann aber nicht die höheren Abgaben ins Spiel bringen.

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