Teilnehmer eines Warnstreiks im öffentlichen Dienst schwenken Gewerkschaftsfahnen von GEW und Verdi.
20.000 Lehrkräfte sind deutschlandweit einem Streikaufruf der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft gefolgt. Bildrechte: dpa

Gehaltserhöhung gefordert Streik an Schulen und Hochschulen, Tausende demonstrieren in Leipzig

28. November 2023, 15:49 Uhr

Um den Druck auf die laufenden Tarifverhandlungen zu erhöhen, hat die Gewerkschaft Bildung und Erziehung die Beschäftigten von Schulen und Hochschulen bundesweit zum Streik aufgerufen. Gefordert werden eine Gehaltserhöhung sowie einjährige Tarifverträge für studentische Mitarbeiter. Für Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen fand eine gemeinsame Kundgebung in Leipzig statt. Sachsens Kultusminister Christian Piwarz und Thüringens Bildungsminister Helmut Holter äußerten Verständnis für den Streik.

Im Tarifstreit des öffentlichen Dienstes der Länder haben am Dienstag deutschlandweit fast 20.000 Mitarbeitende der Bildungseinrichtungen ihre Arbeit niedergelegt. Wie die zuständige Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) mitteilte, gingen allein in Leipzig rund 7.000 Beschäftigte aus Schulen, Kitas und Hochschulen sowie Sozialarbeiter in Jugend-, Gesundheits- und Sozialämtern auf die Straße. In Berlin waren 6.000 Streikende am Warnstreik beteiligt.

Auch in anderen Städten legten Tausende ihre Arbeit nieder. "Wenn die Arbeitgeber jetzt nicht wach werden und die Kolleginnen und Kollegen im öffentlichen Dienst anständig und fair bezahlen, dann verschärft sich der Fachkräftemangel weiter", sagte GEW-Vorstand Doreen Siebernik in Leipzig.

Warnstreiks im öffentlichen Dienst in Mitteldeutschland

In Sachsen hat der Beamtenbund (dbb) alle tarifbeschäftigten Lehrkräfte zu weiteren ganztägigen Arbeitsniederlegungen aufgerufen. So ist am 6. Dezember ein Warnstreik in Dresden geplant. Am Vormittag soll eine zentrale Kundgebung vor dem Finanzministerium in Dresden stattfinden.

Verbeamtete Lehrer dürfen außerhalb ihrer Unterrichtsverpflichtung an Warnstreik-Kundgebungen teilnehmen. In Sachsen sind etwa zwei Drittel der Lehrkräfte angestellt, ein Drittel ist verbeamtet.

In Sachsen-Anhalt rief die GEW ihre Mitglieder im Geltungsbereich des Tarifvertrags der Länder sowie die studentischen Beschäftigten an den Hochschulen und Forschungseinrichtungen in Halle und Dessau-Roßlau sowie in den Landkreisen Anhalt-Bitterfeld, Burgenlandkreis, Mansfeld-Südharz, Saalekreis und Wittenberg zur ganztägigen Arbeitsniederlegung auf.

Hunderte angestellte Lehrerinnen und Lehrer sowie Hochschulbeschäftigte protestieren mit einem Warnstreik vor dem Bundesverwaltungsgericht.
Laut Landesvorsitzenden der GEW Sachsen, Burkhard Naumann, war die Streikdemonstration in Leipzig die größte seit Jahren. Bildrechte: picture alliance/dpa | Hendrik Schmidt

Die Kundgebung in Leipzig wurde nach eigenen Angaben von der GEW Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen gemeinsam veranstaltet. Laut Landesvorsitzendem der GEW Sachsen, Burkhard Naumann, war die Streikdemonstration in Leipzig die größte seit Jahren. Das sei auch richtig so, denn gerade in der Bildung brauche es dringend mehr Investitionen und bessere Arbeitsbedingungen.

GEW-Vorstandsmitglied Doreen Siebernik, warnte in ihrer Rede in Leipzig vor einer Verschärfung des Fachkräftemangels, wenn es keine anständige und faire Bezahlung im Öffentlichen Dienst gebe. "Wir durchleben die größte Bildungskrise der Geschichte Deutschlands", so Siebernik.

Sachsens und Thüringens Minister äußern Verständnis

Sachsens Kultusminister Christian Piwarz (CDU) und Thüringens Bildungsminister Helmut Holter (Linke) äußerten bei MDR AKTUELL Verständnis für den Streik. Piwarz hofft nach eigener Aussage auf eine schnelle Einigung. Holter betonte am Morgen, dass die Beschäftigten eine Erhöhung ihrer Einkünfte bräuchten, weil es wichtig sei, dass man von seiner Arbeit auch leben könne. Sachsen-Anhalts Bildungsministerin Eva Feußner (CDU) wollte sich im Vorfeld des Streiks nicht äußern.

Tarifstreik: Gewerkschaften fordern eine Gehaltserhöhung

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) rief am Dienstag bei den Ländern beschäftigte Erzieher, Lehrkräfte, Sozialarbeiter und Mitarbeiter von Hochschulen zum "Streiktag Bildung" auf. Damit sollte der Druck bei den Verhandlungen für einen neuen Tarifvertrag erhöht werden.

Die nächste Verhandlungsrunde findet ab 7. Dezember in Potsdam statt. Die Gewerkschaften fordern eine Gehaltserhöhung von 10,5 Prozent, mindestens aber 500 Euro mehr pro Monat. Außerdem sollen alle studentischen Mitarbeiter einen Tarifvertrag mit einem Jahr Laufzeit bekommen.

dpa (akq, lmb)

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | Das Nachrichtenradio | 28. November 2023 | 06:00 Uhr

26 Kommentare

Frank 1 vor 12 Wochen

@ Daniel SBK: Die Tarifforderungen sind völlig berechtigt. Ich kann in Ihrer Sozialneiddiskussion keinerlei Sinn erkennen. Vielleicht können Sie das mal plausibel erklären, denn aus dem was ich bisher von Ihnen diesbezüglich lesen konnte, ist bei mir der feste Eindruck entstanden, Sie bringen da eine ganze Menge durcheinander.

Anita L. vor 12 Wochen

Bei einem durchschnittlichen Monatsverdienst von 4100 Euro Brutto pro Monat bzw. 24,77 Euro Brutto pro Stunde empfinde ich Ihre Beispiele nicht gerade als überbezahlt. Aldi zahlt auch nicht erst seit gestern im Vergleich zu anderen Dienstleistern überdurchschnittlich.
Aber sagt Ihre Quelle auch etwas darüber, welche Verträge den Angestellten angeboten werden? Wie viele Voll- und Teilzeit arbeiten? Wie viele befristet und unbefristet? Wie viele überhaupt fest angestellt sind?

nicht vergessen vor 12 Wochen

Warum der "böse Bismark " die Verbeamtung einführte Wissen Sie hoffentlich.das der Beamte weniger verdiente und unkündbar war,ist ihnen dann auch bekannt. Jetzt finden Sie den Fehler?

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