Energiespar-Verordnung ab 1. September Nicht alle Denkmäler stehen nun im Dunkeln

Ab 1. September gilt die Energiespar-Verordnung der Bundesregierung. Ein Punkt darin: Schmuck-Licht an öffentlichen Gebäuden soll nachts ausbleiben. Der Erfurter Dom wird weiter angestrahlt. Und in Mitteldeutschland nicht nur der.

Der Domplatz in Erfurt, 2009
Der Erfurter Dom soll auch nach dem 1. September nachts in seiner Pracht erstrahlen. Bildrechte: imago images / Sylvio Dittrich

Energiesparverordnung lässt Spielraum für Ausnahmen

Ab 1. September treten die "Licht aus!"-Regelungen der Energiespar-Verordnung der Bundesregierung für öffentliche Gebäude in Kraft. Doch nicht überall werden nun die Stecker der Schmuckstrahler gezogen. Der Deutsche Städte- und Gemeindebund sieht hier Spielräume. Hauptgeschäftsführer Gerd Landsberg sagt: "In der Verordnung ist verbindlich nur geregelt, dass grundsätzlich Geschäfte nach 22 Uhr nicht mehr beleuchtet sein sollen. Aber auch mit der Ausnahme, dass man das aus Sicherheitsgründen anders handhaben kann. Also ist das eine Entscheidung der Städte: Was soll an bleiben?"

Dabei spiele besonders die Frage der gefühlten Sicherheit eine Rolle, so Knut Bernsen vom Mitteldeutschen Handelsverband: "Wir haben durchaus in den Innenstädten noch Menschen, die sich in diesen Zeitfenstern noch bewegen und die sich dann vielleicht wohler fühlen, wenn es noch eine Lichtquelle mehr gibt." In Mitteldeutschland geht man unterschiedlich mit den neuen Vorgaben um.

Erfurt: Dom bleibt an, gespart wird dennoch viel

An Erfurter Dom, Severikirche, Krämerbrücke, Kaufmannskirche und alter Angerbrunnen werden die Strahler nach Angaben des Erfurter Bürgermeister Bausewein nicht ausgehen, damit sich die Passanten weiter sicher fühlen und um Vandalismus zu verhindern. Dunkel werde es gemäß der Energiesparordnung jedoch an der Burg Gleichen, dem Angermuseum, dem Museum für Thüringer Volkskunde, der Bastion Franz ( Petersberg ) und dem Theaterplatz sein. Damit ließen sich laut Bausewein 35.000 Euro einsparen. Man spare, "aber nicht auf Teufel komm raus!".

Der Erfurter Weihnachtsmarkt werde mit Beleuchtung kommen. Auf die "herrlichen Leuchtelemente" zu verzichten, sei nicht vermittelbar, so das Stadtoberhaupt. Mit 5.000 Euro lägen die Stromkosten im vertretbaren Rahmen.

Der Erfurter Dom und ein Riesenrad sind weihnachtlich beleuchtet (2017).
Der Erfurter Weihnachtsmarkt mit dem beleuchteten Dom im Hintergrund, so soll es auch 2022 sein. (Archivbild) Bildrechte: MDR/Jana Münkel

Magdeburg nutzt LED-Beleuchtung – die soll anbleiben

Die Landeshauptstadt Sachsen-Anhalts hat sich dazu entschieden, ihre Denkmäler weiterhin wie gehabt zu beleuchten. Laut Angaben der Stadt Magdeburg werden sowohl die Straßenlaternen als auch die Denkmalstrahler seit Jahren modernisiert und mit energiesparenden LEDs ausgestattet. Daher könne man die Beleuchtung weiterhin voll nutzen. Dennoch sei die Stadt dabei, in einer Arbeitsgruppe weitere Maßnahmen zum Energiesparen zu entwickeln.

Weimar lässt Straßenlaternen eine Stunde weniger leuchten

In Weimar sind die Straßenlaternen schon seit 2016 auf LED-Beleuchtung umgestellt. Das habe schon viel Strom gespart, erklärte Peter Kleine, der Oberbürgermeister von Weimar im Juni MDR AKTUELL: "Wir haben bislang ungefähr 2,5 Millionen Kilowatt Strom verbraucht für die Straßenbeleuchtung und verbrauchen nach der Umstellung auf LED noch 1,5 Millionen. Also ist eine Million Kilowattstunden pro Jahr eingespart. Das ist schon eine ganze Menge."

Zusätzlich lässt die Stadt die Laternen jetzt eine Stunde weniger am Tag leuchten. eine halbe Stunde weniger am Morgen, eine halbe weniger am Abend. Die Dauer der Straßenbeleuchtung kann jede Kommune für sich selbst festlegen.

Leipziger Völkerschlachtdenkmal hat Lichter schon ausgeschaltet

Noch vor der bundesweiten Regelung hatte Leipzig wie viele andere deutsche Städte selbst damit begonnen, die Beleuchtung für Denkmäler einzustellen. Bereits seit Ende Juli wird hier dadurch Energie gespart. Ganz besonders auffällig ist das am Leipziger Völkerschlachtdenkmal. 124 Strahler bleiben aus. Das bedeutet eine Einsparung von 15 bis 20 Kilowatt pro Stunde und ein dunkles Denkmal.

Für Steffen Poser vom Förderverein Völkerschlachtdenkmal e.V. war das eine logische Konsequenz: "An uns alle wird jetzt appelliert. Da ist es richtig und wichtig, dass wir im öffentlichen Raum sehen, dass öffentliche Institutionen das ganz genau so tun und nicht immer nur an den einzelnen Bürger appelliert wird." Hier scheinen nur noch die Lichter der Park- und Treppenbeleuchtung, ab Dämmerung bis 24 Uhr.

Blick auf das unbeleuchtete Völkerschlachtdenkmal.
Am Völkerschlachtdenkmal sind die Schmuckstrahler aus. (Für die vollständige Großansicht bitte auf das Kreuzsymbol am unteren Bildrand rechts in der Ecke klicken.) Bildrechte: dpa

Stadt Leipzig: 238 Objekte nicht mehr angestrahlt – Einsparung von 150.000 Kilowattstunden

An vielen Plätzen der Stadt Leipzig sieht man, dass gespart wird – oder eben auch nicht. Das Gewandhaus, die Oper und der Augustusplatz stehen im Dunkeln. Insgesamt werden 238 Gebäude, Plätze und Brücken nicht mehr angestrahlt. Laut der Stadt entspricht das einer Einsparung von rund 150.000 Kilowattstunden bis zum 31. Dezember. Das wäre circa der Jahresverbrauch von 50 Zwei-Personen-Haushalten. Parkhauseingänge, Straßenlaternen und Haltestellen bleiben beleuchtet.

Jena: "Lichter aus" bringt Ersparnis von 30.000 Kilowattstunden Strom

In der Lichtstadt Jena ist es es dunkler. Die Stadtkirche erstrahlte für gewöhnlich im hellem Glanz. Seit rund einer Woche ist die Beleuchtung abgeklemmt. Denn auch Kirchen werden dazu aufgerufen, sich während der Energiekrise in Dunkel zu hüllen. "Alle öffentlichen Gebäude und Denkmäler in der Stadt, bis auf das Rathaus, das weiter in den ukrainischen Landesfarben angestrahlt wird, werden oder sind schon abgeschaltet. Wir sparen damit etwa 30.000 Kilowattstunden Strom", sagt Christian Gerlitz, Bürgermeister und Dezernent für Stadtentwicklung in Jena. Retten könne uns die Menge nicht, aber es sei ein Zeichen.

Stadtkirche St. Michael in Jena
Wer sich die Stadtkirche in Jena anschauen möchte, sollte dies nun bei Tageslicht tun. Bildrechte: IMAGO / Schöning

Doch nicht an allen Gebäuden ist die Frage leicht, ob die Schmuck-Lichter dort ausgehen. "Zum einen sind die auch nicht immer in öffentlicher Hand. Zum anderen sind die teilweise auch gekoppelt mit anderen elektrischen Anlagen. Oder: Es gibt auch tatsächlich ein Gebäude bei uns, ein Turm, wir glaubten, dass er beleuchtet werden muss aus Flugsicherungsgründen. Es hat sich dann herausgestellt, man kann das auch anders lösen", erklärt Christian Gerlitz, Bürgermeister und Dezernent für Stadtentwicklung Jena. "Es ist am Ende doch tatsächlich komplizierter, als man glaubt."

MDR Wirtschaftsredaktion

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Umschau | 30. August 2022 | 20:15 Uhr

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