Ein Bombardier Challenger 300 von Premium Jet wird von Sky Tanking mit Kerosin betankt.
Bisher muss in der Flugbranche keine Kerosinsteuer gezahlt werden. Bildrechte: IMAGO/Andreas Haas

Klimaschutz Wieso Kerosin und Flugreisen bisher nicht versteuert werden

03. Januar 2023, 13:41 Uhr

Da Autofahren der Umwelt schadet ist, gibt es zum Ausgleich eine Energiesteuer und CO2-Abgabe. Flugzeuge sind hingegen die klimaschädlichsten Verkehrsmittel, steuerliche Abgaben gibt es beim Flugbenzin aber nicht. Ein MDR-AKTUELL-Nutzer möchte deshalb wissen: "Wieso werden Kerosin und Flugreisen nicht besteuert im Gegensatz zu Benzin, Diesel und Elektroenergie?"

Wie schwer es ist, eine Kerosinsteuer einzuführen, zeigt sich zurzeit in der EU: Die EU-Kommission hat nämlich einen Klimaplan für den Luftverkehr ausgearbeitet. In dem ist eine Steuer auf umweltschädliches Kerosin vorgesehen, und zwar für innereuropäische Flüge. 

Kerosinsteuer als Anreiz zu Emissionseinsparung

Denn Flugzeuge sind das umweltschädlichste Verkehrsmittel. Sie sind für fast ein Zehntel der CO2-Emissionen weltweit verantwortlich, berücksichtigt man, dass die hohe Flughöhe besonders klimaschädigend wirkt, erklärt Martin Schmied vom Umweltbundesamt in Dessau.

Er befürwortet eine Kerosinsteuer: "Wir denken beim Klimaschutz immer, wir haben ewig Zeit und können irgendwie noch zehn Jahre verhandeln, bis irgendwas eingeführt wird. Aber wir stehen enorm unter Druck. Und das gilt auch für den Luftverkehr. Und daher müssen wir die Schritte gehen, die am schnellsten gehen."

Die Flugbranche müsse beim Klimaschutz stärker zur Verantwortung gezogen werden, erklärt Schmied. Dazu gehörten auch eine deutlich höhere Ticketsteuer und Abgaben auf den CO2-Ausstoß. Doch zurück zur Kerosinsteuer. Wäre diese zum Beispiel EU-weit fällig, hätten Fluggesellschaften einen Anreiz, ihre Emissionen zu verringern – so die Theorie.

Gefahr: große Drehkreuze außerhalb Europas verlagert

Doch es gibt Probleme: Wird Kerosin nur in der EU besteuert, könnte das dazu führen, dass hiesige Fluggesellschaften lieber woanders zu tanken. Ein Flug von Leipzig nach Lissabon könnte dann für eine Airline billiger werden, wenn sie in London zum Tanken zwischenlandet.

Passagiere würden unsinnige Umwege fliegen. Und hiesige Fluggesellschaften hätten einen Wettbewerbsnachteil, kritisiert Dorothee Martin, verkehrspolitische Sprecherin der SPD im Bundestag: "Da wären die außereuropäischen Fluggesellschaften mit ihren großen Hubs in der Türkei oder am Persischen Golf im Vorteil. Da stellt sich die Frage, ob dies dann zu einer Verlagerung zu den großen Drehkreuzen außerhalb Europas führen würde, wo eben keine solchen strengen Anforderungen an Klimaschutz herrschen."

Politik bei Klimamaßnahmen uneins

Die SPD plädiert stattdessen für eine höhere Flugticketsteuer. Die FDP und die Luftverkehrsbranche setzen sich dafür ein, dass Airlines zumindest teilweise synthetisches E-Kerosin tanken müssen. Das ist zwar CO2-neutral, doch noch recht teuer.

Eine Steuer auf herkömmliches Kerosin hat also keine politische Mehrheit. Dennoch macht Martin Schmied vom Umweltbundesamt weiter Druck: "Es muss halt auch mal jemand beginnen. Und das ist schon auch der Grund, warum wir uns zum Beispiel für die Einführung einer nationalen Kerosinsteuer aussprechen. Weil man dann zumindest mal beginnt, Klimaschutz zu betreiben. Und man kann dann eben auch dafür werben, dass mehr und mehr europäische Länder dem gleichen Gedanken folgen."

Martin Schmied glaubt dennoch nicht daran, dass eine Kerosinsteuer in der EU kommen wird. Das hat auch mit einem weiteren Umsetzungsproblem zu tun. Denn in Steuerfragen herrscht in der EU das Prinzip der Einstimmigkeit, es müssten also alle 27 Mitgliedsstaaten überzeugt werden, mitzumachen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | Das Nachrichtenradio | 03. Januar 2023 | 06:00 Uhr

13 Kommentare

Dorfmensch am 03.01.2023

Der Flugwahn (und damit der Kerosinverbrauch) muss im Interesse des Klimaschutzes kurzfristig begrenzt werden!
Bei allen anderen wird jedes Gramm CO2-Emission penibel aufgerechnet, wenn ich da nur an die Kuh als "Klimakiller" denke (die schon vor der industriellen Entwicklung da war, Teil des globalen C-Kreislaufs ist, da aus dem emittierten CH4 dann CO2 wird und daraus wieder Biomasse gebildet wird und schon deshalb nicht zur Erhöhung des CO2-Gehaltes in der Atmosphäre beitragen kann). Viele Flüge sind doch gar nicht notwendig und können eingespart werden. Aber wenn es um eine Einschränkung des Spassgesellschaft geht, gibt es 1.000 Argumente dagegen. Wie wäre es mit einer Beschränkung der Flug-km auf 50% von 2019 (vor der Coronapandemie) oder max. 3000 Flug-km pro Jahr. Das würde dem Planeten durchaus helfen. Hier wird mit zweierlei Maß gemessen! Dabei sind die CO2-Emissionen der Flugverkehrsinfrastuktur wie z. B. der Bau und Betrieb von Flughäfen noch gar nicht berücksichtigt!

Niemand am 03.01.2023

Ich habe gerade mal geschaut, was die Reise kosten würde, wenn ich am Samstag reisen möchte. Da gibt es eine durchgehende ICE Verbindung für ca. 40 € ohne BahnCard und es dauert etwas mehr als 3 Stunden. Mit BahnCard ist es nochmal deutlich günstiger. Mit dem Auto sind es minimum 4:15 Stunden und kostet bei 1,80 € pro l mal 8 l/100 km mal 400 km ca. 57 € (nur Spritkosten). Aber ich gebe zu, spontan zu reisen mit der Bahn kostet deutlich mehr und auch falls man mindestens zu zweit reist. Ich mache solche längeren Reisen allerdings fast nie spontaner als eine Woche. Außerdem, ich fahre gerne Auto, aber ich empfinde auf längeren Strecken (>200 km) das Reisen mit dem ICE als viel bequemer, da ich mich während der Reisezeit mit sinnvollen Dingen beschäftigen kann und mich lange Autobahnfahrten langweilen. Umweltfreundlicher als ein Verbrennerfahrzeug ist es auch. Ich halte die Bahn in vielen Fällen für konkurrenzfähig und sonst würden ja auch nicht immer mehr Menschen mit der Bahn fahren.

Niemand am 03.01.2023

Könnte nicht einfach der per Flugzeug zurückgelegte Weg im EU-Luftraum besteuert werden, statt direkt die Kerosinmenge zu besteuern? Dann wäre doch ausgeschlossen, dass unnötige Umwege geflogen werden, um billiger zu tanken. Jedes Flugzeug wird ja getrackt, sodass sich die zurückgelegte Strecke im EU-Luftraum gut berechnen lässt.

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