Füllstand Warum in manche Gasspeicher mehr als 100 Prozent passen

Seit dem Frühjahr werden die Gasspeicher in Deutschland befüllt. Nun sind die meisten von ihnen voll. Bei einigen von ihnen - beispielsweise einem in Thüringen - wird der Füllstand mit mehr als 100 Prozent ausgewiesen. MDR AKTUELL hat nachgefagt, wie das sein kann.

Die Sonne geht hinter technischen Anlagen des Erdgasspeichers Katharina auf.
Gute Nachricht: Die Gasspeicher in Deutschland sind fast vollständig gefüllt. (Symbolbild) Bildrechte: dpa

Die Gasspeicher in Deutschland sind inzwischen nahezu vollständig befüllt. Laut Bundesnetzagentur liegt der Gesamtspeicherstand in Deutschland bei 99,94 Prozent. Kurios: Manche Gasspeicher sind sogar zu über 100 Prozent gefüllt, so zum Beispiel der in Allmenhausen im Kyffhäuserkreis in Thüringen. Hier wird der Füllstand mit 106,44 Prozent angegeben.

Einige Gasspeicher speichern mehr als 100 Prozent

Dass in einige Gasspeicher vermeintlich mehr als 100 Prozent hineinpassen, liege daran, dass das ausgewiesene Arbeitsvolumen der Speicher lediglich die gesicherte Kapazität angebe, erklärte eine Sprecherin der Bundesnetzagentur dem MDR auf Anfrage. "Diese entspricht nicht immer den physikalischen Möglichkeiten, die auch von Füllverhalten, Brennwert des Gases, geologischen Besonderheiten und weiteren Rahmenbedingungen abhängen." Deshalb könne bei einigen Speichern auch bei einem Füllstand von 100 Prozent weiter eingespeichert werden.

Gas hat unterschiedlichen Energiegehalt

Der Speicher im thüringischen Allmenhausen ist vom Volumen her mit 62 Kubikmetern zu 100 Prozent gefüllt. Dass über sechs Prozent mehr Füllstand angegeben werden, habe damit zu tun, dass Gas einen unterschiedlichen Energiegehalt habe, sagt Martin Schreiber, der Sprecher bei der Thüringer Energie (Teag) ist, dem MDR. Es wird also nicht das Volumen des Gases, sondern der Energiegehalt angezeigt.

L-Gas und H-Gas

Der Hintergrund: In Deutschland gibt es zwei Gasarten: H-Gas (High calorific gas) und L-Gas (Low calorific gas). "Sie werden durch den Energiegehalt pro Kubikmeter unterschieden", sagt Martin Schreiber. So liege der Energiegehalt bei L-Gas zwischen acht und neun Kilowattstunden pro Kubikmeter, bei H-Gas zwischen zehn und 13.

Eine Gasflamme wird auf einem Küchenherd mit einem Streichholz entzündet.
Ob ein Gasherd mit H- oder L-Gas betrieben wird, ist egal, er muss nur auf die richtige Gasart eingestellt sein. (Symbolbild) Bildrechte: dpa

Martin Schreiber: "Ganz Thüringen wird so wie die anderen ostdeutschen Länder auch mit H-Gas versorgt. Deshalb sind alle Heizungen und Geräte auf H-Gas eingestellt." Auf den Betrieb habe es keine Auswirkungen, ob H- oder L-Gas (wie in einigen westdeutschen Ländern) geliefert wird, für den Kunden macht das also keinen Unterschied.

Wir haben kein russisches Gas mehr.

Martin Schreiber Sprecher der Thüringer Energie (Teag)

Auch der Gasspeicher in Allmenhausen ist mit H-Gas gefüllt, und zwar mit Gas, das vorwiegend aus Norwegen und den Niederlanden kommt, so Schreiber. "Wir haben kein russisches Gas mehr." Das Gas aus Norwegen habe aber einen etwas höheren Energiegehalt als das aus Russland vorher: Er liege nun bei 12,5 statt 11,89 Kilowattstunden pro Kubikmeter. Der höhere Energiegehalt des Gases führe zu einem höheren "Füllstand". Martin Schreiber: "Wir müssen das genau erfassen, weil wir unseren Kunden den genauen Energiewert abrechnen müssen."

Gasspeicher Allmenhausen beliefert Nordthüringen

Der Gasspeicher in Allmenhausen ist ein sogenannter Porenspeicher, erzählt Martin Schreiber, ein "alter Salzstein- und Sandsteinblock", der einst Erdgasquelle war und nun als unterirdischer Speicher dient. Hier wird Gas von Frühling bis Herbst eingespeist, um es dann "für die Winterspitzen" zu verbrauchen. Freilich sei der Speicher mit 62 Kubikmeter Volumen klein, er beliefere nur Nordthüringen und sei nicht in die deutschlandweiten Gasspeichernetze eingebunden. Zum Vergleich: Der größte Gasspeicher Deutschlands in Rehden, Niedersachsen, kann vier Milliarden Kubikmeter Gas fassen.

Gasspeicher
Der größte Gasspeicher Deutschlands in Rehden, Niedersachsen, kann vier Milliarden Kubikmeter Gas fassen. (Archivbild) Bildrechte: dpa

In oberirdischen Gasbehältern lasse sich das Gas noch zusätzlich stark verdichten. "Dadurch kann man das Volumen maximal reduzieren", sagt Martin Schreiber. Das habe auch zur Folge, dass der Energiegehalt ansteige und so einen Füllstand von mehr als 100 Prozent erreichen könne. "Der Druck in unserem Speicher ist nicht ganz so hoch", fügt er hinzu.

Das ist das Beste, was wir erreichen konnten.

Martin Schreiber Sprecher der Thüringer Energie (Teag)

Alles in allem: Dass die Gasspeicher in Deutschland so gut gefüllt sind, sei eine gute Nachricht, sagt der Teag-Sprecher. "Noch im Frühjahr gab es ja die Befürchtung, dass wir die großen Gasspeicher nicht vollkriegen." Dass sie jetzt fast vollständig befüllt sind, so Martin Schreiber, "das ist das Beste, was wir erreichen konnten".

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MDR (caf)

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | Nachrichten | 18. November 2022 | 13:30 Uhr

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