Symbolbild - Insolvenz 10 min
Video: Die Zahl insolventer Betriebe steigt deutschlandweit. Metallverarbeitende Betriebe, Speditionen und Bäckereien stehen unter Druck. Die "Umschau" berichtet über Firmen aus dem Raum Chemnitz. Bildrechte: picture-alliance/ ZB | Stefan Sauer

Unternehmen in der Krise Corona-"Nachholeffekt" trägt zu Insolvenzen bei

20. Februar 2024, 12:43 Uhr

Im Januar sind den achten Monat in Folge etwa 1.000 Unternehmen in Deutschland insolvent gegangen. Ein Grund dafür ist, laut Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH), ein "Nachholeffekt" der Corona-Pandemie. Die aktuelle wirtschaftliche Lage verschärft das Problem.

Seit Sommer 2023 steigt die Zahl der Firmen-Insolvenzen in Deutschland. Auch im Januar 2024 setzt sich der Trend fort: Laut Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) waren 1.077 Unternehmen betroffen. Das sei auch eine Folge der Corona-Pandemie. Firmen konnten damals eine Soforthilfe vom Staat erhalten. Das Geld sei dann häufig auch an Betriebe gezahlt worden, die bereits zuvor Schwierigkeiten hatten. Dadurch gingen die Insolvenzzahlen zurück. Firmen, die die Hilfen zurückzahlen müssen, sehen sich mit dieser finanziellen Belastung nun in einer weiterhin angespannten Situation konfrontiert und das überfordere viele schwächere Unternehmen, heißt es in einer Mitteilung des IWH.

«Wir schliessen» steht im Schaufenster eines Geschäfts. 4 min
Bildrechte: picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Jens Kalaene

Corona-Hilfen nicht nur Mittel, um Insolvenzen zu verzögern

"Es handelt sich um eine Mischung aus Nachholeffekt aus der Pandemie und derzeitigen wirtschaftlichen Problemen", sagt Professor Steffen Müller, Leiter der Insolvenzforschung am IWH. Der Januar war der achte Monat in Folge, in dem etwa 1.000 Firmen in Deutschland betroffen waren. Allerdings: "Wie wichtig der Nachholeffekt genau ist und wie lange er andauert, lässt sich nicht seriös beantworten", führt er weiter aus.

Insolvenzen in Mitteldeutschland von November 2023 bis Januar 2024 (Quelle: IWH)
  November Dezember Januar
Sachsen 30 46 36
Sachsen-Anhalt 17 20 14
Thüringen 9 14 13
Steffen Müller, ein Mann mit schwarzer Brille und Glatze, lächelt in die Kamera
Professor Steffen Müller ist Leiter der Insolvenzforschung am Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH). Bildrechte: IWH

Dabei könne nicht davon ausgegangen werden, dass die Corona-Hilfen lediglich ein Mittel waren, um die Insolvenz weiter hinauszuzögern. "Hier gibt es kein Schwarz oder Weiß. Die Corona-Hilfen haben zum einen geholfen, gesunde Unternehmen über die Krise zu retten. Da sie aber besonders häufig an schwächere Unternehmen gezahlt wurden, sind eben doch viele Insolvenzen nur verschoben wurden. Auch unter den schwächeren Unternehmen werden jedoch einige dabei sein, die aufgrund der Hilfen zunächst gerettet wurden, mittlerweile aber die Zeit nutzen konnten, um sich permanent besser aufzustellen. Das Bild ist also gemischt", erläutert Steffen Müller.

Wirtschaftliche Probleme dauern weiter an

Für die kommenden Monate ist eine Besserung der Situation schwer vorstellbar. Denn die derzeitigen wirtschaftlichen Probleme werden sich, laut Steffen Müller, in diesem Jahr nicht mehr grundlegend bessern. "Ein sehr wichtiger Grund für die hohen Insolvenzen dürften die Zinserhöhungen der EZB sein, die zur Inflationsbekämpfung vorgenommen wurden", sagt er. Das führe dazu, dass neue Kredite teurer werden. Weitere Kostentreiber wären steigende Löhne und für einige Betriebe auch Energiekosten. Die gestiegenen Kosten könnten die Unternehmen abfedern, die produktiv und profitabel sind oder die die höheren Kosten an Kunden weitergeben können.

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MDR (jvo)

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Umschau | 20. Februar 2024 | 20:15 Uhr

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