Claudia Kemfert
Energieökonomin Claudia Kemfert macht sich Sorgen, umd asiatische Dominanz im Solarmarkt. Bildrechte: picture alliance/dpa/Carla Benkö

Solarenergie Energieökonomin: Regierung darf Meyer Burger nicht ziehen lassen

06. März 2024, 21:12 Uhr

Energieökonomin Claudia Kemfert betont die Bedeutung von Unternehmen wie Meyer Burger für Deutschland. Sie forderte die Bundesregierung auf, einen sogenannten Resilienzbonus einzuführen. Dieser soll einen Kaufanreiz darstellen – ist in der Regierung aber umstritten.

Die Bundesregierung darf den Solarhersteller Meyer Burger nach Ansicht von Energieökonomin Claudia Kemfert nicht ziehen lassen. Sie sagte MDR AKTUELL, es handle sich um ein gutes Unternehmen, das für Deutschland wichtig sei. Die Solarmodule hätten eine sehr gute Qualität und einen hohen Wirkungsgrad.

Außerdem brauche Deutschland Unternehmen wie Meyer Burger, um sich vor den Gefahren einer geopolitischen Krise zu schützen. "Die hohe asiatische Dominanz im Solarmarkt macht mir Sorgen", sagte Kemfert. Wenn die Chinesen aus irgendeinem Grund nicht mehr lieferten, "stehen wir dumm da". Das könnten auch Importe aus den USA nicht vollständig ausgleichen.

Kemfert fordert Resilienzbonus

Kemfert forderte die Bundesregierung auf, einen sogenannten Resilienzbonus einzuführen. Kunden, die Solaranlagen aus Deutschland oder der EU kaufen, würden dann über mehrere Jahre eine höhere Einspeisevergütung bekommen. Kemfert sagte, mit so einem Bonus ließen sich Unternehmen wie Meyer Burger vor der chinesischen Modulschwemme aus China schützen. Zwar gehe sie davon aus, dass die meisten Kunden weiterhin auf billige chinesische Produkte setzten. Einigen sei die Herkunft der Module aber auch wichtig und diese würden mit einem Resilienzbonus ermutigt, heimische Unternehmen zu unterstützen.

Der Ausbau der Erneuerbaren Energien werde sich durch diesen Eingriff in den Markt nicht verlangsamen. Bisher ist die Regierung beim Resilienzbonus uneins. Grüne und SPD befürworten den Bonus, die FDP ist dagegen.

Skeptisch gegenüber Übernahme durch Startups

Zu einer möglichen Übernahme von Meyer Burger durch Startups äußerte sich die Energieökonomin skeptisch. Die verwendete Technologie in Freiberg sei patentgeschützt. "Da kann man nicht einfach mal eben eine Übernahme machen", so Kemfert. Zuletzt hatten das Hamburger Startup 1Komma5° und das Berliner Startup Enpal ihr Interesse an dem sächsischen Werk bekundet. 

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Audio: Energieökonomin Claudia Kemfert macht sich Sorgen, um die asiatische Dominanz im Solarmarkt. Bildrechte: picture alliance/dpa/Carla Benkö

Werk in Freiberg wird geschlossen

Meyer Burger hatte im Februar angekündigt, die Schließung des Werks in Freiberg vorzubereiten. Der Schweizer Produzent erklärte, die Schließung solle schrittweise erfolgen. In der ersten Märzhälfte werde zunächst die Produktion eingestellt. Die endgültige Schließung solle Ende April in Kraft treten. Zur Begründung hieß es, es gebe in Deutschland noch immer keine Entscheidung über politische Hilfen wegen des Überangebots an billigen Solarmodulen.

Meyer Burger besitzt in Freiberg nach eigenen Angaben den größten Betrieb für Solarmodulproduktion in Europa. 500 Arbeitskräfte sind am Standort beschäftigt.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL - Das Nachrichtenradio | 06. März 2024 | 20:00 Uhr

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