Weiterbetrieb der Kernkraftwerke Verein Kerntechnik Deutschland: Atomgesetz muss verlängert werden

Angesichts wachsender Energieprobleme in Deutschland gibt es eine Debatte darüber, ob die drei noch verbliebenen Kernkraftwerke weiterlaufen sollten. Auch der Verein Kerntechnik Deutschland diskutierte auf seiner Jahrestagung in Leipzig darüber.

Atomkraftwerk Ohu bei Landshut
Das Atomkraftwerk Isar/Ohu ist eines der drei in Deutschland, die noch in Betrieb sind. Bildrechte: IMAGO / blickwinkel

Fachpublikum und Unternehmen aus ganz Deutschland sind nach Leipzig gekommen. Der Verein Kerntechnik Deutschland repräsentiert die kerntechnische Branche und setzt sich für den Weiterbetrieb der drei noch am Netz befindlichen Nuklearkraftwerke ein. Ralf Güldner, Mitglied im Vorstand, sagt: "Die Fakten sind eindeutig: Wir werden Engpässe haben in der Energie- und Stromversorgung. Wenn ich dann unsere Bundesregierung höre, die sagt, jede Kilowattstunde zählt. Da kann ich nur sagen, die drei Kraftwerke, die Ende des Jahres abgeschaltet werden, stellen vier Gigawatt installierte Grundlastleistung dar."

Verein fordert Verlängerung des Atomgesetzes

Doch bevor die Politik überhaupt darüber diskutiere, die Kraftwerke am Netz zu lassen, müsse sie zuerst bestimmte Hürden beseitigen, so Güldner: "Sie müssen das Atomgesetz ändern. Im Atomgesetz ist festgelegt: Ende der kommerziellen Stromerzeugung 31.12. diesen Jahres. Das ist ein Punkt, den man ändern kann. Man müsste eine Atomgesetz-Änderung machen. Die müsste durch den Bundestag und Bundesrat. Das wäre für uns die Voraussetzung, mit der Planung beginnen."

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Doch eine Gesetzesänderung ist derzeit nicht in Sicht. Und im Prinzip sei es fast zu spät, so Güldner. Denn es müssten Brennelemente beschafft und die Personalstrukturen in den Kernkraftwerken müsste angepasst werden.

Brennelemente würden Weiterbetrieb ermöglichen

Der Physiker und Unternehmer Björn Peters ist etwas optimistischer. Er arbeitet im Bereich von Kraftwerksfinanzierungen. Technisch sei es kein Problem, die drei deutschen Kernkraftwerke zunächst weiterlaufen lassen: "Die Brennelemente selber sind nicht wie Kerzen, die runterbrennen, und dann sind sie weg. Sondern man kann sie im sogenannten Streckbetrieb drei bis sechs Monate weiter betreiben. Nicht bei Voll-Last. Man hat dann noch zeitliche Flexibilität."

Würde der sogenannte Streckbetrieb bis zum nächsten Sommer dauern und würden jetzt neue Brennelemente bestellt, könnte es mit dem Weiterbetrieb klappen, so Peters. Eine US-Firma habe signalisiert, kurzfristig liefern zu können: "Westinghouse hat angeboten, innerhalb von sechs bis neun Monaten neue Brennelemente zu liefern. Mit Uran das aus Kanada und Australien kommt."

Es sei technisch sogar möglich, die drei schon im Vorjahr vom Netz genommenen Kernkraftwerke unter bestimmten Bedingungen wieder hochzufahren, so Peters. Die Kraftwerke seien in einem einwandfreien technischen Zustand. Das Hochfahren ginge aber nur, wenn die Politik es wolle.

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Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 22. Juni 2022 | 06:13 Uhr

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