Kemferts Klima-Podcast 54 min
Podcast: Die neuen Lügen der Ölkonzerne. Bildrechte: MDR / Oliver Betke

Öko-Sprit Kemfert: Klimadiesel HVO100 wird Verbrenner nicht retten

30. Mai 2024, 06:45 Uhr

Beim Verbrennen von Öko-Diesel HVO100 wird weniger Feinstaub freigesetzt als bei herkömmlichem – fossilem – Diesel. Eine Chance für Verbrenner-Motoren? Wohl kaum, sagt Energie-Ökonomin Claudia Kemfert.

Energie-Ökonomin Claudia Kemfert sieht im neuen klimaschonenden HVO100-Diesel ein Nischenprodukt. Sie sagte MDR AKTUELL, so viel altes Speiseöl gebe es gar nicht, um den Kraftstoff in ausreichenden Mengen herzustellen. Außerdem sei der klimaschonende Diesel bis zu 20 Cent teurer an den Tankstellen. "Das machen die Verbraucher nicht mit", erklärte Kemfert. Es sei absehbar, dass die Kunden weiterhin auf die günstigeren Alternativen zurückgriffen.

Verbrenner werden so oder so aus dem Markt gedrängt

Kemfert zufolge wird der HVO100-Diesel "den Verbrenner nicht retten können". Bei den Elektrofahrzeugen werde es Preisreduktionen geben.

Die chinesischen Anbieter hätten den europäischen Markt im Visier, so dass mit einem Überangebot zu rechnen sei. "Dann purzeln die Preise", erklärte die Wirtschaftswissenschaftlerin. Die Verkehrswende werde mit Elektromobilität und einem üppigen Öffentlichen Personennahverkehr gelingen. "Aber die Verbrenner werden Schritt für Schritt aus dem Markt gedrängt, allein schon aus Kostengründen", führte Kemfert aus.

Diesel aus Pflanzenöl und tierischen Fetten

Der neue Kraftstoff darf in Deutschland seit Mittwoch verkauft werden. Er wird an der Tankstelle mit dem Zusatz XTL vermarktet und ist für viele Dieselfahrzeuge geeignet. HVO-Diesel kann etwa aus Pflanzenölen, pflanzlichen und tierischen Fetten oder daraus bestehenden Abfallstoffen hergestellt werden. Der Ausstoß von Feinstaub, Partikeln und Stickoxid ist dadurch bedeutend geringer. Dabei steht HVO für Hydrotreated Vegetable Oil – hydriertes, also wasserstoffbehandeltes Pflanzenöl. XTL steht für die Umwandlung von Biomasse, Gas und anderen Energieträgern ("X") "to liquid", also zu flüssigem Kraftstoff.

MDR (mcs)

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Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | Das Nachrichtenradio | 29. Mai 2024 | 09:00 Uhr

11 Kommentare

kleinerfrontkaempfer vor 2 Wochen

Technisch ist heute viel machbar. Es ist in diesem System aber alles eine Frage des Preise.
Z.B. Schifffahrt: Alternativer "grüner" Treibstoff um das mind. 7 fache teuer.
Die Unternehmen können umschwenken, tun sie aber nicht.
Als börsennotierte, gewinnorientierte Gesellschaften ist da nix (freiwillig) möglich.

Pragmatisch vor 2 Wochen

Frau Kemfert kann sich ja bei ihren politischen Tendenzparteien auch dafür einsetzen, dass der private PKW-Verkehr in Städten ab 40000 Einwohnern verpflichtend auf öffentlichen Nahverkehr und Elektrotaxis umgestellt wird.

Gleichwohl werden wir hierzulande kaum langfristig mit einer Insellösung bestehen können, da es wohl nicht wahrscheinlich sein wird, dass sich ein Großteil der Weltbevölkerung dem unterwerfen wird.

Bitte nicht falsch verstehen: Die Lösungssuche ist wichtig, aber Realitätsnähe ist zu beachten/wiederzufinden!

AlexLeipzig vor 2 Wochen

HVO-Diesel ist vielleicht ein Versuch, die alte Technologie nochmal zu reanimieren und kurzfristig eine kleine Verbesserung herzustellen, langfristig gibt's aber mit der E-Mobilität bessere Lösungen.

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