Energiekrise Was Haushalte mit der Strompreisbremse sparen könnten

Die Bundesregierung hat eine Strompreisbremse angekündigt. Dadurch sollen Verbraucher bei den Stromkosten entlastet werden. Wie viel Euro Ersparnis drin sind, hat das Vergleichsportal Verivox geschätzt.

Der Stecker einer Mehrfachsteckleiste liegt auf Euro-Geldscheinen und Münzen
Verivox hat die zu erwartende Ersparnis anhand eines Strompreises von 52 Cent pro Kilowattstunde berechnet. Bildrechte: dpa

Preis einer Kilowattstunde soll bei 30 Cent gedeckelt werden

Eine Twitter-Meldung zum neuen Entlastungspaket von Bundesjustizminister Marco Buschmann sorgt für Aufmerksamkeit. Denn aus dieser lassen sich bereits wichtige Eckdaten zur geplanten Strompreisbremse erkennen. Demzufolge soll der Endverbraucher-Preis für eine Kilowattstunde Strom maximal 30 Cent betragen. Diese Preisobergrenze soll dann allerdings nur für Dreiviertel des durchschnittlichen Verbrauchs in einem Haushalt gelten. Der restliche Verbrauch soll zum aktuellen Marktpreis abgerechnet werden.

Familien- und Singlehaushalte würden ein Drittel Stromkosten einsparen

Auf Grundlage der Zahlen aus der Twitter-Nachricht von Bundesjustizminister Buschmann hat das Vergleichsportal Verivox ausgerechnet, wie viel Verbraucher durch die Strompreisdeckelung sparen könnten. Demnach würde eine Familie mit einem durchschnittlichen Verbrauch von etwas mehr als 4.100 Kilowattstunden rund 700 Euro im Jahr weniger zahlen.

Verivox zufolge belaufen sich bei einer Familie die Stromkosten vor der geplanten Entlastung auf rund 2.100 Euro pro Jahr. Durch die Einführung der Preisobergrenze inklusive der Absenkung der Netznutzerentgelte würden sich diese Kosten auf rund 1.400 Euro verringern. Dies entspricht einer Senkung von rund einem Drittel.

Ein Single-Haushalt zahlt laut Verivox vor der Entlastungsmaßnahme rund 960 Euro im Jahr für den Strombezug (nicht ganz 1.900 kWh/Jahr). Danach wären es rund 650 Euro und somit rund ein Drittel weniger.

Verivox-Beispielrechnungen für mögliche Ersparnis (Strompreis 52 Cent/kWh)
  Single Familie
Durchschnittlicher Verbrauch (kWh) 1.867 4.133
davon Basisbedarf (kWh) 1.400 3.100
davon kWh zum Marktpreis 467 1.033
Kosten vor Entlastungsmaßnahme (Euro) 963 2.132
Kosten mit Strompreisbremse (Euro) 650 1.438
Ersparnis (Euro) 313,22 693,56

Strompreisbremse gilt nur für einen Teil des Gesamtverbrauchs

Um den Anteil an Kilowattstunden zu bestimmen, für den die Strompreisbremse gilt, muss der jährliche Stromverbrauch eines Haushalts zugrunde gelegt werden. In der Meldung von Bundesjustitminister Buschmann wird von einem durchschnittlichen Jahresverbrauch von rund 4.100 Kilowattstunden für Familien und von rund 1.900 Kilowattstunden für Singles ausgegangen. Entsprechend würden im ersten Fall rund 3.100 Kilowattstunden, im zweiten Fall rund 1.400 Kilowattstunden zum reduzierten Preis abgerechnet.

Verivox-Sprecher Marcus Drost sagt: "Damit das funktionieren kann, muss jedem Haushalt ein bestimmter Basisverbrauch durch den Energieversorger zugeordnet werden – auf welcher Basis ist bisher allerdings noch unklar. Anschließend müssen die tatsächlichen Kosten des Stromversorgers für die Belieferung der Haushalte verrechnet werden – auch hier ist die Vorgehensweise noch unklar."

Schätzungen zu Einsparungen können sich unterscheiden

Eine ähnliche Schätzung der zur erwartenden Einsparungen durch die Strompreisbremse hatte auch das Vergleichsportal Check24 angestellt. Dort kommt man zu dem Ergebnis, dass eine Familie mit einem Jahresverbrauch von 5.000 Kilowattstunden rund 340 Euro pro Jahr einsparen könnte.

Auch in der von Marco Buschmann veröffentlichten Berechnung werden die jährlichen Einsparungen geringer eingeschätzt. Laut Verivox geht dies darauf zurück, dass hier ein niedrigerer Marktpreis zugrunde liegt. Die Verivox-Experten gehen in ihrer Beispielrechnung aktuell von einem höheren durchschnittlichen Marktpreis von rund 52 Cent pro Kilowattstunde aus. Zu Marktkonditionen würde dann auch der Anteil am Jahresverbrauch bepreist werden, der nicht von der Strompreisbremse profitiert.

MDR Wirtschaftsredaktion

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | Das Nachrichtenradio | 07. September 2022 | 06:11 Uhr

Mehr aus Wirtschaft

Ein Sarg auf einem Platz bei einer Protestaktion 1 min
Bildrechte: Telenewsnetwork
1 min 25.11.2022 | 12:17 Uhr

Im Kampf um bessere Löhne und Arbeitsbedingungen bei Amazon nutzt die Gewerkschaft Verdi den Rabattaktionstag "Black Friday" und hat die Beschäftigen zu Arbeitsniederlegungen aufgerufen – unter anderem in Leipzig.

Fr 25.11.2022 12:06Uhr 00:48 min

https://www.mdr.de/nachrichten/deutschland/wirtschaft/video-amazon-blackfriday-rabatt-tarifkonflikt-verdi-leipzig-schnaeppchen-hauptbahnhof100.html

Rechte: Telenewsnetwork

Video

Mehr aus Deutschland