Helmholtz-Zentrum lobt Wasserentnahmeverbote mehr als Symbolpolitik

Aufgrund von Trockenheit wurden in Sachsen-Anhalt Wasserentnahmeverbote für Flüsse und Seen eingeführt. Das Helmholtz-Zentrum aus Magdeburg meint, dieser Schritt sei weit mehr als Symbolpolitik. Sie könnten einen wichtigen Beitrag zum Schutz der Gewässer und Lebewesen leisten.

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Die Trockenheit lässt die Pegel vieler Seen und Flüsse in Sachsen-Anhalt sinken. Bildrechte: IMAGO/Steffen Unger

Das Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung in Magdeburg bewertet die Wasserentnahmeverbote, die derzeit in einigen Orten in Sachsen-Anhalt gelten, als sinnvollen Schritt zum Schutz der Gewässer. Am Donnerstag war neben anderen Landkreisen auch im Kreis Anhalt-Bitterfeld wegen der anhaltenden Trockenheit verboten worden, Wasser aus Flüssen und Seen zu pumpen.

Der Bereichsleiter "Wasserressourcen und Umwelt", Dietrich Borchardt, sagte MDR SACHSEN-ANHALT am Freitag, die Maßnahme könne dazu beitragen, zu verhindern, dass Gewässer trocken fallen oder Abflüsse so gering werden, dass dort beispielsweise Fisch-Farmer nicht mehr arbeiten könnten. Außerdem würden Wasserlebewesen geschützt.

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Dietrich Borchardt räumte zwar ein, dass die Wassermengen, die Privatleute zum Beispiel zum Bewässern ihres Gartens mit einem Eimer oder einer Gießkanne abschöpfen, vergleichsweise gering seien und sich nicht bemerkbar machten. Die Behörden könnten jedoch nicht überprüfen, wer wie viel Wasser entnehme. Daher könne er die Verbote verstehen.

Auch das Verbot, Wasser zwischen 12 und 18 Uhr aus Brunnen zu entnehmen, um damit Grünflächen zu bewässern, sei sinnvoll. Das mittagliche Gießen sei ohnehin eine höchst ineffiziente Bewässerung, weil zu viel Wasser verdunste.

Verbote zur Wasserentnahme in immer mehr Landkreisen

Am Donnerstag war neben dem Altmarkkreis Salzwedel und weiteren Landkreisen auch im Landkreis Anhalt-Bitterfeld ein Wasserentnahmeverbot ausgesprochen worden. Dort darf kein Wasser mehr zum Gießen aus Seen und Flüssen gepumpt werden. Als Grund wurde die Trockenheit der vergangenen Jahre genannt, die den Grundwasserspiegel absenkte. Untersagt wurde zudem das Bewässern öffentlicher und privater Grünflächen täglich in der Zeit von 12 bis 18 Uhr.

Von dem Verbot sind laut Kreisverwaltung nur "Oberflächengewässer" wie Flüsse und Seen betroffen. Verboten sei zudem nur eine Entnahme mit Pumpen. "Handschöpfen" – etwa mit Gießkanne oder Eimer – ist demnach weiterhin erlaubt. Die Allgemeinverfügung des Landkreises gilt vorerst bis auf Widerruf.

Trockenheit in Sachsen-Anhalt

Dass der Frühling 2022 in ganz Sachsen-Anhalt zu warm und zu trocken war, zeigen auch die Daten des Deutschen Wetterdienstes. Danach fielen zwischen Arendsee und Zeitz zwischen März und Mai gut 70 Liter Regen pro Quadratmeter. Zum Vergleich: Der statistisch für die Vergangenheit ausgerechnete langjährige Durchschnittswert von 135 Litern Regen pro Quadratmeter wurde in Sachsen-Anhalt damit klar verfehlt.

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MDR (Julien Bremer, Christoph Dziedo, Daniel Salpius, Leonard Schubert)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 08. Juni 2022 | 13:00 Uhr

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