Wittenberger Schloss
Wer Wittenberg als Tagestourist besucht, muss vorerst keine Sonderabgabe zahlen. Bildrechte: IMAGO / Steffen Schellhorn

Entscheidung im Stadtrat Geplante Gebühr für Tagestouristen in Wittenberg vorerst gestoppt

15. Februar 2024, 09:29 Uhr

Die geplante Abgabe für Tagestouristen in Wittenberg wird es vorerst nicht geben. Das hat der Stadtrat am Mittwochabend beschlossen. Die Begründung: organisatorische Mängel.

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Tagestouristen müssen in Lutherstadt Wittenberg vorerst weiter keine Abgabe zahlen. Das hat der Stadtrat am Mittwochabend beschlossen. Als Grund wurden organisatorische Mängel genannt. Neuer Starttermin soll April 2026 sein. Der Kompromiss, den Start zu verschieben, hatte sich bereits im Vorfeld abgezeichnet. Die Stadtverwaltung Wittenberg kündigte an, die Zeit nutzen zu wollen, um das Projekt entsprechend vorzubereiten.

Pläne sorgten für Protest

Der bisherige Plan sah vor, dass Tagestouristen zwei Euro zahlen müssen, wenn sie touristische Einrichtungen besuchen. Doch dagegen regte sich massiver Widerstand. Reiseveranstalter kündigten an, um Wittenberg einen Bogen machen zu wollen. Mehrere Fraktionen des Stadtrates kritisierten, dass die Erhebung der Abgabe zu kompliziert und zu aufwändig sei und sich nicht kontrollieren lasse.

Übernachtungsgäste zahlen Abgabe bereits

Übernachtungsgäste zahlen in Wittenberg bereits seit gut einem Jahr zwei Euro pro Nacht als sogenannte "Bettensteuer". Eine solche Abgabe gibt es auch in Halberstadt oder Naumburg. Kurorte wie Bad Kösen, Bad Schmiedeberg und Bad Salzelmen erheben Kurtaxe. In Burg bei Magdeburg heißt die Abgabe Beherbergungssteuer.

Der Stadtrat in Wittenberg hatte im Oktober 2022 die stufenweise Einführung der Abgaben für Touristen beschlossen. Seit 2023 wird die "Bettensteuer" fällig. 2024 sollte eigentlich die Abgabe für Tagesgäste hinzukommen. Die Verwaltung rechnet mit zusätzlichen Einnahmen von bis zu 400.000 Euro pro Jahr. Das Geld soll zu 100 Prozent in den Tourismus fließen.

MDR (André Damm, Mario Köhne)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 15. Februar 2024 | 06:30 Uhr

8 Kommentare

Pfiffig vor 8 Wochen

„Oberbürgermeister Torsten Zugehör (parteilos) ist im Stadtrat sichtlich verärgert über die Schlappe bei der Einführung des Beitrags“ … „Wenn Menschen „erlebnis-gemanaged durch unsere Altstadt geschleust“ werden, dann noch schnell eine Bockwurst und zurück in den Bus oder auf das Schiff gehen. Sind das dann unsere Gäste oder Kunden der Tourismusanbieter?“, fragte der Oberbürgermeister. Diese Besucher kosteten Geld, brächten Stadt und Gewerbetreibenden aber nichts ein“ (MZ, 16.02.2024). Auch dem OB Zugehör sollte man mal erklären was Umwegrentabilität bedeutet und welche Bereiche davon alle positiv profitieren. Und ja, es sind Gäste der Lutherstadt. Aber eben nicht nur Gäste sondern auch Multiplikatoren. Die Haltung der VERWALTUNGSspitze (Zugehör, Seidig) der Stadtverwaltung von Wittenberg in Bezug auf Gäste und Touristen scheint durchweg negativ geprägt zu sein. Unterm Strich ist es dann auch kein Wunder, dass sich Hotelbetreiber von der Stadt abwenden (MZ,06.02.2024). Traurig!

astrodon vor 8 Wochen

Welche "touristischen Einrichtungen" sollen das denn sein, die ich nutze, aber nicht bezahle? Schloss und Schlosskirche, Augusteum, Luther- und auch Melanchtonhaus sind doch Museen, für die ich Eintritt zahle. Auch das Asisi-Panorama. Was bleibt dann noch? Marktplatz, Stadtkirche, Stadtmauer? Gibt es in Wittenberg nur kostenfreie (Bus-)Parkplätze? Damit wäre doch das Problem zu lösen ...

Pfiffig vor 8 Wochen

„Dabei gehe es vor allem um die touristischen Anbieter, die „ihre Gäste mit dem Bus schnell an der Thesentür auskippen, dann schnell noch das Luthermuseum besuchen und weiterfahren“, betonte Bürgermeister André Seidig bei der Sitzung am Dienstag. Diese Gäste konsumierten die Stadt und verursachten damit Kosten, ließen aber kaum einen Gegenwert da, besuchten kein Café oder einen Laden. Dabei stecke aber das Steuergeld der Wittenberger in den Attraktionen der Lutherstadt“ (Mitteldeutsche Zeitung, 14.02.2024). Herrn Seidig sollte man mal erklären was Umwegrentabilität bedeutet und welche Bereiche davon alle positiv profitieren. Und sind es nicht in erster Linie Fördergelder, die in den Attraktionen der Lutherstadt stecken? Tja, mit dieser Haltung wird das wohl weiter nichts in Wittenberg! Die Internetseiten der Marketing GmbH sind noch immer veraltet, nach wie vor werden dort die Highlights 2023 angepriesen. Auch die „aktuellen“ Pressmeldungen sind vom letzten Jahr. Peinlich!

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