Kreis Wittenberg Waldbrände werden in Annaburg über Sensoren "erschnüffelt"

Bis Waldbrände erkannt werden, vergeht Zeit. Sie beginnen meist als Schwelbrände, die anfangs schwer auszumachen sind. Eine neue Sensor-Technik soll nun bereits in dieser frühen Phase Feuer erkennen und der Feuerwehr einen zeitlichen Vorteil verschaffen. Im Landkreis Wittenberg werden sie getestet.

Ein Feuerwehrmann in Uniform steht auf einem niedergebrannten Waldstück.
Waldbrandsensoren sollen Szenerien wie aktuell in der Sächsischen Schweiz künftig verhindern. Bildrechte: dpa

Über neuentwickelte Sensoren sollen Waldbrände bei Annaburg im Landkreis Wittenberg künftig frühzeitig "erschnüffelt" werden. Die Technik ist hier seit Kurzem testweise im Einsatz. Verläuft der Test erfolgreich, sollen die Waldbrandsensoren auch in anderen gefährdeten Gebieten in Sachsen-Anhalt zum Einsatz kommen, also etwa im Harz.

Entwickelt wurden die Waldbrandsensoren von der Firma Dryad Networks. Die Geräte werden an Bäumen angebracht und funktionieren laut Geschäftsführer Carsten Brinkschulte wie elektronische Nasen, die Brände "riechen" können und daraufhin einen Alarm aussenden. Brinkschulte spricht hierbei von einer "Ultra-Früherkennung", die auf Brände bereits in ihrer Entstehungsphase, also in den ersten 60 Minuten, anschlägt.

Wie die Rauchmelder für den Wald funktionieren

Kleine, blattförmige, solarbetriebene Sensoren, die in drei Meter Höhe an Bäumen angebracht werden. Die Sensoren messen die Konzentration von Wasserstoff, Kohlenmonoxid und anderen Gasen, aber auch Temperatur, Feuchtigkeit und Luftdruck. Der Waldbrandsensor ist Teil eines größeren Systems: Über ein Mesh-Gateway (Mesh steht für Netzwerk) sendet er Informationen an ein Border-Gateway, dass sich, wie der Name Border/Grenze bereits sagt, am Waldrand befindet. Dieses wiederum sendet die Informationen von dort ins Netz. Dann könne beispielsweise per E-Mail eine Warnung verschickt werden, sagt Carsten Brinkschulte. Damit sein System funktioniert, müsste etwa alle hundert Meter ein Sensor im Wald positioniert werden. Vorerst empfiehlt er die Sensoren aber verstärkt für Gebiete, in denen sich Menschen im Wald aufhalten – dort brenne es nämlich am häufigsten.

"Entscheidender Vorteil für die Feuerwehr"

Das sei der entscheidende Vorteil der Sensoren gegenüber Kameras, Drohnen oder Satellit, sagte der Unternehmer dem MDR. Wenn Brände entstünden, etwa durch eine weggeworfene Zigarette, komme es zunächst zu Schwelbränden. "Erst nach mehreren Stunden entstehen offene Flammen", so Brinkschulte. Während andere Systeme erst dann auslösen würden, könnten die Sensoren bereits den Schwelbrand ausmachen. "Das gibt der Feuerwehr einen entscheidenden Vorteil."

Die Geräte könnten Feuer kilometerweit registrieren, das hänge allerdings von der Größe der Brände ab. Optimal funktioniere das System, wenn auf jedem Hektar Wald ein Gerät im Einsatz sei. Bei laut Landeszentrum Wald über 500.000 Hektar Waldflächen in Sachsen-Anhalt müsste daher eine große Anzahl von Geräten angeschafft werden.

Waldbrandsensoren tief im Wald weniger notwendig

Die Anzahl der Sensoren reduziere sich jedoch, da sie nur an Stellen gebraucht würden, an denen Menschen Zugang haben, sagte Brinkschulte. Brände hätten in Sachsen-Anhalt überwiegend menschliche Ursachen, daher brauche es tief im Wald auch nicht unbedingt Sensoren.

Die Technik wird laut Entwickler Brinkschulte schon in Griechenland, Spanien, Portugal, den USA und Südkorea getestet. Erkenntnisse über die Reaktionsgeschwindigkeit der Sensoren erhofft sich der Unternehmer nun namentlich vom Testlauf bei Annaburg.

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MDR (Klaus Becker, Martin Krause, Daniel Salpius)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 03. August 2022 | 06:30 Uhr

1 Kommentar

Bernd_wb vor 8 Wochen

interessante Technik, wenn sie nun bestehen kann. Und vielen Dank an alle die in dieser Situation helfen und auch trotz der Gefahren. Denn die meisten Buerger wollen NICHT das Bundeslaender abbrennen.

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