Anbieter verlässt Halle Darum werden E-Scooter aus einigen Städten Sachsen-Anhalts zurückgezogen

22. Februar 2024, 20:37 Uhr

Aus Staßfurt und Bernburg hat sich ein E-Scooter-Anbieter schon zurückgezogen. Nun will ab März der nächste Anbieter seine elektrischen Flitzer auch aus Halle abziehen. Die Gründe dafür sind stagnierende Nutzerzahlen und von Städten gewünschte Parkzonen. Neue Städte für weitere Scooter-Flotten haben von MDR SACHSEN-ANHALT befragte Anbieter nicht in Sicht.

MDR San Mitarbeiter Maximilian Fürstenberg
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In einigen Städten Sachsen-Anhalts sind E-Scooter mittlerweile Teil des Stadtbilds. Ob ordentlich in Parkzonen abgestellt oder mitten auf der Straße liegend – irgendwann begegnet jedem einmal ein solch elektrischer Roller. Doch so schnell die E-Scooter manchmal eine Stadt erobern, so schnell können sie auch wieder weg sein.

In Bernburg und Staßfurt haben sich Miet-E-Roller nicht rentiert

Jüngstes Beispiel ist Bernburg: Seit 2021 hatte der Anbieter "Bolt" in der Stadt im Salzlandkreis E-Scooter zum Verleih angeboten. Im Januar zog sich der Anbieter dann überraschend aus Bernburg zurück. Wie die Mitteldeutsche Zeitung (€) zuerst berichtete, hatte dies wirtschaftliche Gründe. Laut Anbieter haben sich die E-Scooter in der Stadt schlicht nicht rentiert.

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"Bolt": Zu hohe Gebühren für E-Scooter in Staßfurt

Bernburg ist aber nicht die erste Stadt in Sachsen-Anhalt, in der die Roller wieder verschwunden sind. Auch Staßfurt hat seit 2022 keine E-Scooter mehr. Der Grund für den Rückzug: "Die von der Stadt eingeführten Gebühren hätten einen wirtschaftlichen Betrieb drastisch erschwert", heißt es auf Nachfrage von MDR SACHSEN-ANHALT.

Die von der Stadt eingeführten Gebühren hätten einen wirtschaftlichen Betrieb drastisch erschwert.

Sprecher Anbieter "Bolt"

Staßfurt hatte seinerzeit eine Sondernutzungsgebühr in Höhe von zwei Euro pro Roller und Monat erhoben, erklärt eine Sprecherin der Stadt. Die Kosten waren dem Anbieter offenbar zu hoch: "Das Ziel von 'Bolt' ist es, ein qualitativ hochwertiges Angebot bereitzustellen, das durch einen effizienten Betrieb gekennzeichnet ist. Das bedeutet, dass wir manchmal schwierige Entscheidungen treffen müssen, um unsere Rentabilität und damit ein hochwertiges Angebot sicherzustellen", so das Unternehmen zu MDR SACHSEN-ANHALT. Das treffe auch auf Bernburg zu. Also keine Roller mehr für die beiden Städte im Salzlandkreis. Und woanders – geht das jetzt so weiter?

Hier werden in Sachsen-Anhalt E-Scooter angeboten

Auch wenn "Bolt" sich aus zwei Städten Sachsen-Anhalts zurückgezogen hat, ist der Anbieter trotzdem noch vertreten – in Halle und Merseburg. Wie groß die Flotte der Scooter in den beiden sachsen-anhaltischen Städten ist, darauf hat MDR SACHSEN-ANHALT keine Antwort erhalten. "Über die Flottengröße in den jeweiligen Städten geben wir öffentlich keine Auskunft, teilen diese Information aber vertraulich mit den jeweiligen Städten", heißt es.

Andere Anbieter sind da offener: Der Anbieter "Moin" ist in Sachsen-Anhalt – sowie in ganz Mitteldeutschland – lediglich in Magdeburg vertreten, mit 100 Scootern. Der nach eigenen Angaben größte E-Scooter-Anbieter Deutschlands "Tier" ist aktuell mit 500 Scootern nur in Halle zu finden. Zum Vergleich: In Sachsen und Thüringen ist der Anbieter jeweils drei mal zu finden – in Chemnitz (500 Scooter), Leipzig (400) und Zwickau (100) sowie in Erfurt (60), Gera (150) und Jena (400). Zusätzlich stehen in Magdeburg rund 150 Scooter des Anbieters "Yoio", der sonst in Mitteldeutschland nur in Erfurt vertreten ist.

Der Anbieter "Voi" ist in Sachsen-Anhalt dagegen gar nicht vertreten. In Mitteldeutschland bietet er momentan nur in Leipzig E-Scooter zum Verleih an. "Ein Versuchsbetrieb in Erfurt in 2019 erwies sich als nicht vielversprechend, hauptsächlich aufgrund wirtschaftlicher Überlegungen", so ein Sprecher von "Voi". Weitere E-Scooter-Anbieter haben MDR SACHSEN-ANHALT nicht geantwortet.

Wenige Nutzerzahlen führen zu Rückzug

Wirtschaftlich heißt hier vor allem: schlechte Nutzerzahlen. So war der Anbieter "Tier" von August 2022 bis Juli 2023 mit einer Flotte von 150 E-Scootern kurzzeitig in Merseburg aktiv. "Leider waren die Nutzungszahlen nicht so, wie wir uns das erhofft hatten. Daher hatten wir uns dazu entschlossen, uns wieder zurückzuziehen", heißt es. Auch in der sächsischen Stadt Mittweida war "Tier" kurzzeitig vertreten. Zwischen Juli und Dezember 2022 gab es dort eine Flotte von 100 E-Scootern. Auch hier waren die Gründe, wie ein Sprecher sagt, zu wenige Nutzer.

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Problem Parkzone: Anbieter "Tier" zieht sich ab März aus Halle zurück

Ein Grund für die wenigen Nutzerzahlen sind laut den Anbietern "Bolt" und "Tier" von den Städten vorgegebene Parkzonen. Deshalb wird der Anbieter "Tier" auch seine E-Scooter ab März aus Halle zurückziehen, wie er MDR SACHSEN-ANHALT mitteilt. So heißt es: "Das Problem lag vor allem bei der im Juli 2022 sehr geringen Anzahl von lediglich 17 Parkflächen, die uns die Stadt zur Verfügung gestellt hatte. Seitens der Stadt wurden uns immer wieder wesentlich mehr Parkflächen versprochen."

Das Problem lag vor allem bei der im Juli 2022 sehr geringen Anzahl von lediglich 17 Parkflächen, die uns die Stadt zur Verfügung gestellt hatte. Seitens der Stadt wurden uns immer wieder wesentlich mehr Parkflächen versprochen.

Sprecher Anbieter Tier

Nach Angaben von Tier war zwischen Dezember 2019 und Juni 2022 Halle eine der Städte mit den besten Nutzerzahlen des Anbieters. Ab Juli 2022 führte Halle für die Scooter festgelegte Parkzonen in der Stadt ein. So war die Anzahl der täglichen Fahrten von 1.200 auf 600 gesunken, heißt es. "Mit den seitdem vorherrschenden Bedingungen ist es uns weder möglich, die Nachfrage in der Stadt zu bedienen, noch wirtschaftlich zu arbeiten. Nutzer müssen mitunter lange Wege zurücklegen, um den nächsten E-Scooter zu finden", so das Unternehmen weiter.

Auch der Anbieter "Bolt" sieht Parkzonen als ein Hauptgrund für eine geringe Nutzung der elektrischen Flitzer. Für ihn wäre ein hybrides System aus Parkzonen und sogenanntes "Freefloating" sinnvoll. "Feste Stellflächen sollten dort eingerichtet werden, wo es ein besonders hohes Verkehrsaufkommen unterschiedlicher Verkehrsteilnehmender gibt (Fußverkehr, Radverkehr, motorisierter Individualverkehr), um das Konfliktpotential durch eine klare Trennung des Verkehrsraumes zu minimieren", so ein Sprecher von "Bolt".

Feste Stellflächen sollten dort eingerichtet werden, wo es ein besonders hohes Verkehrsaufkommen unterschiedlicher Verkehrsteilnehmender gibt.

Sprecher Anbieter Bolt

Virtuelle Parkstationen, wie in Halle (Saale), sind für ein "reibungsloses Angebot von Sharing Angeboten wenig zielführend", so der Anbieter.

Aktuell keine Alternativen für E-Scooter geplant

Zurück nach Bernburg und Staßfurt: Alternativen haben beide Städte auf Nachfrage von MDR SACHSEN-ANHALT für die fehlenden E-Scooter aktuell keine. "Als die E-Scooter im Stadtgebiet unterwegs waren, gab es mehr Beschwerden als Lob. Dennoch war es ein zusätzliches klimafreundliches Mobilitätsangebot für die Bürger", so eine Sprecherin der Stadt Staßfurt.

Auch Bernburg bleibt vorerst ohne die elektrischen Flitzer. Auch hier werden die fehlenden E-Scooter als zusätzliches Verkehrsmittel bedauert. Doch es heißt auch von Seiten der Stadt: "Es gab auch viele Bürger, die sich darüber beschwert haben, weil die Roller die Fußwege versperrten, so dass Alternativen im Moment nicht im Gespräch sind."

Keine neuen E-Scooter in Sachsen-Anhalt geplant

Und die Anbieter selbst? Auch die haben aktuell keine Pläne, weitere E-Scooter in Sachsen-Anhalts Städten aufzustellen. "Für Mitteldeutschland sind aktuell keine konkreten Expansionen geplant", heißt es von "Voi". Laut "Tier" soll der Fokus in 2024 darauf liegen, ihr Unternehmen profitabel zu machen, weshalb "voraussichtlich keine weiteren Städte hinzukommen". Die Anbieter "Moin" und "Bolt" haben zu zukünftigen Plänen keine genauen Aussagen getroffen.

MDR (Maximilian Fürstenberg, André Plaul)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 23. Februar 2024 | 06:00 Uhr

24 Kommentare

Dermbacher vor 7 Wochen

Ich finde nur E-Scooter mit drei Rädern sinnvoll wie z. B. die von"Zeus", denn diese kommen mit schlechten Straßenverhältnissen besser zurecht, im übrigen haben viele erkannt, dass das Mieten von E-Scooter doch ein recht teurer Spaß ist und obendrein nicht umweltfreundlich ist!

J.B. vor 7 Wochen

Wie oberflächlich und unüberlegt...das mit diesen einseitigen Berichterstattungen auch Personen zu schaden kommen können, kommt niemanden in den Sinn...bisschen nach- und/oder weiter- denken...privat Nutzer schaffen sich ein e-roller an um wenigstens ein wenig mobil zu sein,damit sie z.B. zur arbeit kommen und ihren Arbeitsplatz nicht verlieren,wichtige Termine wahrnehmen können usw +++ sie haben nichts mit gewerblich vertriebenen e-roller und deren Nutzer gemein und werden doch über einen Kamm geschoren und somit bestraft, für das Verhalten und den Umgang der Verantwortlichen, die zur schlechten öffentlichen Meinung geführt haben

geradeaus vor 7 Wochen

Ich war von anfang an sehr angetan davon. Meine Hoffnung war das viele von ihren motorisierten Gefährten dahin wechseln. Nur leider werden die ausschließlich von der sehr jungen Bevölkerung benutzt. Also wenn ich 100 sehe dann stehen da max 5 drauf die älter als 18 sind.

Das sie öfter mal rumliegen auf Gehwegen ist an sich schon störend, ja. Jedoch hält es sich bei mir sehr in Grenzen, die Wut darüber.
Ich habe nie einen benutzt und habe es auch nicht vor. Meine Pedalen wollen kreisen ^^

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