Eierbetteln Leißling Rechtsextreme Parolen bei Volksfest: Ortschaftsrat und Heimatverein distanzieren sich

29. Mai 2024, 16:34 Uhr

Rassistische Gesänge zu einem Song von Gigi D’Agostino sorgen seit Tagen bundesweit für Schlagzeilen. Beim traditionellen "Eierbetteln" in Leißling bei Weißenfels im Burgenlandkreis sind am vergangenen Wochendende ebenfalls rechtsextreme Parolen gegrölt worden – ähnlich wie auf Sylt. Weißenfels' Oberbürgermeister verurteilt den Vorfall – genauso wie Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff. Bisher liegen zwei Anzeigen vor.

In Sachsen-Anhalt sind am vergangenen Wochenende auf Partys zu Musik ausländerfeindliche Parolen gegrölt worden. Wie das Polizeirevier Burgenlandkreis MDR SACHSEN-ANHALT mitteilte, liegen nach den rassistischen Gesängen in Leißling im Burgenlandkreis derzeit zwei Anzeigen vor. Einer Sprecherin zufolge werden die vorliegenden Videos gesichtet und danach weitere Anzeigen von Amts wegen gestellt.

Auf einem Video, das MDR SACHSEN-ANHALT vorliegt, ist zu sehen, wie in einem Festzelt in Leißling mehrere Partygäste im Chor rassistische Texte singen. Ein Mann zeigte auch den Hitlergruß.

Männer halten Biergläser in der Hand. 1 min
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Nach den rassistischen Gesängen bei einer Feier in Leißling im Burgenlandkreis gibt es zwei Anzeigen. Zuvor hatte ein ähnlicher Fall auf Sylt für Empörung gesorgt.

MDR SACHSEN-ANHALT Mi 29.05.2024 05:30Uhr 00:25 min

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Hit von Gigi D'Agostino umgetextet

In dem Weißenfelser Ortsteil war das traditionelle "Eierbetteln" gefeiert worden, ein Brauch, bei dem böse Wintergeister ausgetrieben werden sollen. Bei der Party am Samstagabend lief ein Hit von Gigi D'Agostino, zu dessen Musik die ausländerfeindlichen Parolen gegrölt wurden. Die Polizei wurde gerufen.

Ein junger Mann, der sein Missfallen über das ausgedrückt hatte, was auf der Party passierte, soll nach MDR-Informationen verprügelt worden sein. Nach den Worten einer Sprecherin der Polizei hatte der Mann danach aus Angst keine Anzeige gestellt.

Der Ortschaftsrat und der Heimatverein von Leißling haben sich von rassistischen Gesängen in ihrem Dorf distanziert. Das teilte am Mittwoch die Stadt Weißenfels mit, zu der Leißling gehört. Man verurteile den Vorfall. In Leißling gebe es keinen Platz für Nazis, hieß es.

Haseloff ruft zu Engagement gegen rechtsextremes Gedankengut auf

Reiner Haseloff
Ministerpräsident Reiner Haseloff ruft zu mehr Engagement gegen Rechtsextremismus auf. Bildrechte: IMAGO / Political-Moments

Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff rief mit Blick auf den Vorfall zu Engagement gegen rechtsextremes Gedankengut auf. "Das ist generell ein Unding. Sylt darf nicht an anderer Stelle multipliziert werden. Da müssen die Konsequenzen gezogen werden und Nachahmer müssen mit dem gesellschaftlichen Widerstand aller Bürger rechnen", sagt er MDR SACHSEN-ANHALT.

Kritik kam auch vom Landrat des Burgenlandkreises, Götz Ulrich (CDU). Er sagte MDR SACHSEN-ANHALT: "Für mich ist das widerwärtig und inakzeptabel und es bedarf der Aufarbeitung." Ein traditionsreiches Fest, bei dem die ganze Dorfgemeinschaft mitmache, werde dadurch diskreditiert.

Oberbürgermeister verurteilt rassistischen Vorfall

Auch der Oberbürgermeister von Weißenfels, Martin Papke (CDU), hat den rassistischen Vorfall beim Leißlinger Eierbetteln scharf verurteilt. Dass Rassisten das Traditionsfest in ein schlechtes Licht rücken, sei entsetzlich, sagte Papke am Montag. "Wer ausländerfeindliche Parolen von sich gibt und einen Hitlergruß macht, der muss Konsequenzen tragen. Ich hoffe, dass die Ermittlungsbehörden hier scharf durchgreifen."

Rassistische Gesänge: Innenministerium kennt bisher sechs Fälle

Seit November sind insgesamt sechs solcher Fälle, wo zur Melodie bekannter Songs volksverhetzende Parolen gegrölt wurden in Sachsen-Anhalt registriert worden, teilte das Innenministerium auf Nachfrage von MDR SACHSEN-ANHALT mit. Demnach wurde der erste Fall in Magdeburg vom 15.11.2023 über die sozialen Netzwerke bekannt. Elf Tage später geschah das den Angaben nach auf einer Tanzveranstaltung in Zerbst im Landkreis Anhalt-Bitterfeld. Am Neujahrstag wurden Parolen auf einer privaten Feier in Brücken-Hackpfüffel im Landkreis Mansfeld-Südharz mitgesungen.

Zuletzt war in Halle ein solcher Vorfall bekannt geworden. Wie eine Polizeisprecherin MDR SACHSEN-ANHALT sagte, waren am Samstag in der Galgenbergschlucht fünf junge Männer zwischen 18 und 19 Jahren mit einer Musikbox unterwegs. Laut Sprecherin spielten sie ebenfalls das Lied ab und sangen dazu. Von den Heranwachsenden wurden die Personalien aufgenommen. Der Staatsschutz ermittelt wegen des Verdachts der Volksverhetzung. Wie die Polizei am Donnerstag mitteilte, liegen Anzeigen wegen Volksverhetzung vor.

Polizei ermittelt in weiteren Fällen wegen Verdacht auf Volksverhetzung

Auch in Magdeburg ermittelt die Polizei in diesem Zusammenhang. Dort sollen zwei Männer die Parolen in der Nähe des Doms aus einem Auto heraus gerufen haben. Die Polizei habe das Fahrzeug daraufhin ermittelt und nach möglichen Tonträgern durchsucht. Dabei seien die Mobiltelefone sichergestellt worden, hieß es. Gegen die 22 und 27 Jahre alten Männer sei ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der Volksverhetzung eingeleitet worden.

Am Pfingstwochenende hatten zahlreiche junge Leute mit einer Party auf der Nordseeinsel Sylt bundesweit für Aufregung gesorgt. Sie hatten zu dem D'Agostino-Pophit "L'Amour toujours" lautstark die Parole "Deutschland den Deutschen, Ausländer raus" gesungen.

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MDR (T. Ries, D. Jacobs, T. Schwarz, N. Düsekow, Julia Heundorf, Maximilian Fürstenberg, Kalina Bunk) | Erstmals veröffentlicht am 27.05.2024

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 29. Mai 2024 | 05:30 Uhr

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