LAV bittet um Mithilfe Fall von Hasenpest im Burgenlandkreis nachgewiesen

Für Feldhasen und Wildkaninchen verläuft die sogenannte Hasenpest meist tödlich. Werden die Erreger auf den Menschen übertragen, kann die Krankheit unbehandelt in seltenen Fällen sehr gefährlich werden. Ansteckungen passieren jedoch in der Regel nur bei Kontakt mit erkrankten Tieren. Um mehr über die Verbreitung zu erfahren, bittet das Landesamt für Verbraucherschutz um Mithilfe von Jägern und Behörden.

Ein Hase auf einem Feldweg.
Im Burgenlandkreis wurde ein Fall von Hasenpest nachgewiesen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

  • Anders als bei der Afrikanischen Schweinepest können sich bei der Hasenpest auch Menschen mit den Erregern anstecken.
  • Menschen können sich bei Haut- und Schleimhautkontakt sowie beim Verzehr von infizierten Feldhasen oder Wildkaninchen anstecken.
  • Die Symptome reichen vom grippalen Infekt, Lymphknotenschwellungen bis hin zu Hautgeschwüren.

Bei einem Feldhasen aus dem Burgenlandkreis ist die Hasenpest nachgewiesen worden. Die Tularämie – so die korrekte Bezeichnung der Krankheit – wird durch ein Bakterium ausgelöst. Anders als beispielsweise bei der Afrikanischen Schweinepest können sich auch Menschen mit den Erregern der Hasenpest anstecken und daran erkranken. Sie gehört daher zu den meldepflichtigen Tierkrankheiten.

Aufgrund des Funds hat das Landesamt für Verbraucherschutz Sachsen-Anhalt (LAV) eingehend vor einem Kontakt vor allem zu verendeten Feldhasen oder Wildkaninchen gewarnt. Gefährdet sind demnach in erster Linie Jäger oder Forstmitarbeiter, die häufig verendete Tiere beseitigen müssen.

Übertragung bei Kontakt mit toten Tieren möglich

Bei Feldhasen und Wildkaninchen verläuft die Tularämie laut LAV häufig in wenigen Tagen bis Wochen tödlich. Typisch sind eine deutliche Milzvergrößerung, Lymphknotenschwellungen und Abszesse (Eiteransammlung). Der Feldhase aus dem Burgenlandkreis mit dem positiven Nachweis wurde als Totfund zum Ausschluss einer Infektion eingesandt. Im Labor wurde die Hasenpest nachgewiesen.

Menschen können sich durch Haut- und Schleimhautkontakt mit infektiösem Tiermaterial anstecken, zum Beispiel beim Enthäuten und Zerlegen von Tierkörpern. Auch beim Zubereiten von Hasenfleisch sowie dem Verzehr von unzureichend erhitztem Fleisch kann der Erreger übertragen werden. Seltener sind nach Angaben des LAV Infektionen über Wasser oder Stiche von infizierten blutsaugenden Insekten. Insbesondere Zecken könnten Überträger sein.

Am häufigsten verläuft die Krankheit bei Menschen wie ein grippaler Infekt mit Fieber, Schüttelfrost, Unwohlsein, Kopf- und Gliederschmerzen. "In sehr seltenen Fällen kann es allerdings auch zu deutlichen Lymphknotenschwellungen bis hin zu Hautgeschwüren kommen", informiert das LAV. In Deutschland würden die meisten menschlichen Infektionen aus dem Südwesten berichtet.

Einschätzung der Gefahr für den Menschen Die Hasenpest kann beim Menschen mitunter zu schweren Komplikationen führen und vor allem unbehandelt auch tödlich enden. Werden die Erreger über die Atemwege aufgenommen, führt die Tularämie ohne medizinische Gegenmaßnahmen sogar in 30 bis 60 Prozent der Fälle zum Tode. Laut RKI sind Todesfälle aber auch ohne Behandlung sehr selten und betroffen sind vorrangig Jäger. Verbraucher können sich schützen, indem sie Kaninchen- oder Hasenfleisch ausreichend kochen.

Das Robert Koch-Institut zählte laut LAV seit 2017 zwischen 50 und 70 Fällen beim Menschen pro Jahr in Deutschland, davon seien nur neun Fälle in Sachsen-Anhalt gemeldet worden. Da die Erkrankung in der Regel klinisch unauffällig bis mild verläuft, sei jedoch von mehr Fällen auszugehen.

Jäger, die Kontakt zu Feldhasen hatten und mit Fieber und Lymphknotenschwellung oder Hautveränderungen erkranken, sollten unbedingt den Hausarzt auf den Kontakt hinweisen, bittet das LAV.

Größe des Problems unbekannt

Aufgrund des gesundheitlichen Risikos rät das LAV Jägern und Forstarbeitern beim Umgang mit Tierkörpern und Organteilen von Feldhasen und Wildkaninchen unbedingt grundlegende Hygienemaßnahmen einzuhalten. Dazu gehörten mindestens das Tragen von Handschuhen und Mundschutzmaske sowie das anschließende Desinfizieren der Hände. "Jeder nicht notwendige Kontakt mit solchen Tierkörpern sollte vermieden werden."

Dass die Tularämie in Sachsen-Anhalts Hasenpopulation vorhanden ist, zeige auch eine nachgewiesene Erkrankung eines Feldhasen im Saalekreis aus dem Jahr 2021. Wie groß das Problem ist, können die zuständigen Behörden allerdings nicht genau sagen. Denn es würden dafür zu wenige Körper zur Untersuchung durch das LAV eingesendet.

Für eine geeignete Einschätzung, wie verbreitet der Erreger in den Feldhasen und Wildkaninchen in Sachsen-Anhalt ist, bittet das LAV daher um die Einsendung von tot aufgefundenen Feldhasen und bei durch Jäger erlegten Tieren um mindestens ein Stück Milz, Leber oder Lunge zum Ausschluss von Tularämie. Auch kommunale Behörden, die mit der Entsorgung von Unfallwild von Straßen beauftragt sind, werden gebeten tote Feldhasen zur Untersuchung einzusenden.

MDR (Daniel Salpius)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 02. August 2022 | 07:30 Uhr

1 Kommentar

hilflos vor 2 Wochen

Endlich mal eine frische Katastrophe

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