Kabelsketal Star Park II: Bürgerinitiative übergibt Unterschriften gegen Gewerbegebiet

Aus Furcht vor mehr Lärm und Verkehr wehrt sich in Kabelsketal im Saalekreis eine Bürgerinitiative gegen die geplante Ansiedlung des Star Park II. Der würde in direkter Nachbarschaft zu A9, A14 und dem Flughafen Halle-Leipzig liegen und hätte daher beste Standortvoraussetzungen. Für das Projekt macht sich unter anderen auch Ministerpräsident Reiner Haseloff stark.

Schkeuditzer Kreuz aus der Luft
Mit A9, A14 und dem Flughafen Halle-Leipzig vor der Tür hat Kabelsketal beste Standortvoraussetzungen für ein neues Gewerbegebiet. Bildrechte: Imago-Stock

Die Bürgerinitiative Kabelsketal im Saalekreis hat mehr als 1.600 Unterschriften gegen den Star Park II gesammelt. Der umstrittene Gewerbepark soll an der Autobahn 14 östlich der Ortsteile Dölbau und Naundorf entstehen.

Die Unterschriften dagegen wurden am Montagnachmittag dem Gemeinderat übergeben. Marc Beyer von der Bürgerinitiative sagte MDR SACHSEN-ANHALT vorab, er hoffe, dass sich nun ernsthaft mit den Bedenken der Bürger auseinandergesetzt werde. Denn das Begehren habe mehr als doppelt so viele Unterstützer gefunden, wie nötig gewesen wären.

Beim Star Park II könnte es nun zum Bürgerentscheid kommen

Die Gemeindeverwaltung hat nun sechs Wochen Zeit, um zu prüfen, ob das Bürgerbegehren zulässig ist. Sollte das der Fall sein, dann wird es binnen drei Monaten einen Bürgerentscheid zu dem 200-Millionen-Euro-Investitions-Projekt geben. Der Gemeinderat stimmt Ende November ab.

Bewohner der Ortsteile Osmünde, Dölbau und Naundorf sind gegen den geplanten Gewerbepark. Sie befürchten noch mehr Lärm und Verkehr sowie den Verlust von Ackerflächen. Außerdem unterstellt die Bürgerinitiative, dass Begriffe wie "klimaneutral" und "innovativ" im Konzept für den Industriepark leere Marketingaussagen seien.

3.000 Jobs könnten im Star Park II in Kabelsketal entstehen

Auf der anderen Seite würde der Bau des Industriegebiets der Gemeinde wachsende Einnahmen bringen – und neue Arbeitsplätze. Die Rede ist von bis zu 3.000 Jobs. Das 200 Hektar große Gebiet soll den Plänen zufolge für Hunderte Millionen Euro erschlossen und bis zu 90 Prozent mit Fördermitteln für den Kohleausstieg finanziert werden, der Rest mit Krediten der Entwicklungsgesellschaft EVG.

Politischer Druck für den Gewerbepark kommt aus dem Halleschen Rathaus sowie aus der Staatskanzlei in Magdeburg. Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) hatte jüngst erklärt, es gebe keine Alternative zur Ansiedlung in Kabelsketal.

Alternativer Standort? Teutschenthal hat Interesse am Star Park II

Ein Alternativvorschlag kam unterdessen aus der Gemeinde Teutschenthal, südwestlich von Halle. Hier hätte man den neuen Gewerbepark sogar sehr gerne vor der Haustür. Teutschenthals Bürgermeister Tilo Eigendorf (UBV) hatte betont, dass es in seiner Stadt keinen Gegenwind für das Projekt geben werde.

Obwohl Teutschenthal an der A38 liegt, kann die Gemeinde mit dem Wunschstandort in Sachen Anbindung wohl kaum mithalten. Immerhin liegt Kabelsketal nicht nur an A14 und A9, sondern auch fast unmittelbar am Flughafen Halle-Leipzig.

MDR (Matthias Schliesing, Daniel Salpius)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 07. November 2022 | 16:30 Uhr

12 Kommentare

steka vor 19 Wochen

Wollen wir die Arbeitsplätze in Deutschland haben ? ja, aber ertsmal die freien Arbeitsplätze Lehrer, Pflegekräfte, Lokführer, Handwerker, .... besetzen, dann können wir über neue Arbeitplätze nachdenken. Achso, da ist ja mehr Arbeit als nur am Bildschirm sitzen und knöpfchen drücken ? Unregelmäßige Arbeitszeiten, körperlich und auch seelisch anstrengend ? Nee nicht mit mir, dann lieber gut bezahleten arbeitszeitgeregelten neuen Arbeitsplatz im Gewerbegebiet

ElBuffo vor 19 Wochen

Die Unternehmen sind ja weder an den lokalen Grundversorger noch an diesen Tarif gebunden. Und wer heute solche Investitionen plant, wird auch die Größe berücksichtigen. Bei 5Cent war die Entscheidungsfindung sicher noch anders ausgegangen. Heute wird da möglicherweise gleich mit PVA auf dem Dach oder Außenwände kalkuliert.

ElBuffo vor 19 Wochen

Da die Einspeisevergütungen für neue Anlagen schrittweise gesenkt wurden, kann man sagen, dass gelernt wurde.
Ansonsten korrekt. Wenn die Andiedlung in Kabelsketal erfolgreich verhindert wurde, wird sie woanders stattfinden. Ich kann mich an eine Stadt erinnern, die in der Vergangenheit erfolgreich Industrieansiedlungen abgewehrt hatte. Man träumte stattdessen von einem Freizeitpark. Der entstand aber inzwischen auch an anderer Stelle.

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