Frage der Woche zur Landtagswahl Große Mehrheit will wählen – Vorbehalte gegen die Briefwahl

In gut drei Wochen ist Landtagswahl in Sachsen-Anhalt. Expertinnen und Experten gehen davon aus, dass wegen der Corona-Pandemie mehr Menschen per Brief wählen werden. MDRfragt und MDR SACHSEN-ANHALT haben nachgefragt. Ein Ergebnis: Obwohl die Skepsis der Briefwahl gegenüber groß scheint, wollen viele ihre Stimme trotzdem schon vor dem 6. Juni abgeben.

Stimmzettel werden am 11.09.2016 bei der Auszählung der Briefwahl für die Kommunalwahl in Niedersachsen im neuen Rathaus in Hannover (Niedersachsen) für die Zählung sortiert.
In Sachsen-Anhalt wollen viele Menschen am 6. Juni wählen gehen – oder haben das per Briefwahl schon getan. Bildrechte: dpa

Bei einer Befragung zur Beteiligung an der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt haben mehr als 90 Prozent der Teilnehmerinnen und Teilnehmer bekräftigt, ihre Stimme abgeben zu wollen. An der nicht-repräsentativen Befragung des Meinungsbarometers MDRfragt hatten sich zwischen Mittwoch und Freitag dieser Woche 6.340 Menschen aus Sachsen-Anhalt beteiligt.

Fast die Hälfte von ihnen erklärte dabei, am 6. Juni im Wahllokal die Stimme abgeben zu wollen. Nahezu ebenso viele – 44 Prozent der Teilnehmerinnen und Teilnehmer – betonten, sie hätten bereits per Briefwahl gewählt oder genau das vor. Den Ergebnissen zufolge haben sich fünf Prozent der Teilnehmerinnen und Teilnehmer noch nicht entschieden, ob sie wählen gehen. Drei Prozent erklärten, sich weder per Briefwahl noch vor Ort beteiligen zu wollen.

MDRfragt-Community: Große Skepsis in Sachen Briefwahl

In den Zuschriften Hunderter Nutzerinnen und Nutzer von MDRfragt zeigt sich, dass die Skepsis der Briefwahl gegenüber groß ist. Anlass in vielen Fällen ist die Erinnerung an die Stendaler Wahlfälschung bei der Kommunalwahl 2014:

Briefwahl? Da müsste es strengere Regeln geben. Missbrauch kann vorprogrammiert sein, siehe Stendal.

Teilnehmer *1957 Landkreis Börde

Ich habe aus gegebenem Anlass Vorbehalte gegen eine Briefwahl in Sachsen-Anhalt, obwohl auch im Wahllokal manipuliert werden kann. Allerdings sitzen dort mehr Wahlhelfer, die aufpassen werden, hoffe ich zumindest.

Teilnehmerin *1950 Magdeburg

Briefwahl ist stärker manipulierbar, deshalb immer vor Ort.

Teilnehmer *1980 Stendal

Die so viel beworbene Briefwahl halte ich für ein Einfallstor zur Manipulation und Wahlfälschung. Die CDU in Stendal hat bewiesen, dass dies auch so bereits in der Vergangenheit genutzt wurde. Briefwahl sollte einzig nur den Personen erlaubt sein, die einen triftigen Grund (Krankheit, Urlaub zum Wahltag, Arbeit) dazu haben. Die Stimmabgabe im Wahlbüro und Auszählung unter Aufsicht ist nun einmal die sicherste Methode der Wahl, sollte daher die Wahlform schlechthin sein und bleiben.

Teilnehmer *1968 Landkreis Börde

Wer nicht wählt, darf auch nicht meckern, aber es ist wie immer: Die Nichtwähler schreien hinterher am lautesten. Und das ist schon 30 Jahre so!

Teilnehmer *1955 Landkreis Mansfeld-Südharz

Experten halten Fälle von Wahlfälschung bei der Briefwahl für sehr selten. Aber Stichwort Modernität: Eine Teilnehmerin hat uns geschrieben, sie halte den Urnengang im Wahllokal für ohnehin nicht mehr zeitgemäß.

Ich finde die Wahl im Wahllokal nicht mehr zeitgemäß. Online oder per Brief ist für mich vernünftig. Ein Wahllokal für 10 Stunden zu besetzen und dann noch für die Zeit der Auszählung, ist auf die Dauer nicht zu leisten.

Teilnehmerin *1966 Stendal

Andere Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Umfrage argumentieren mit den Vorzügen einer Briefwahl – ohnehin und auch jetzt in Corona-Zeiten:

Briefwahl ist besser, so kann man in Ruhe alles studieren und sich noch informieren, um die richtige Entscheidung zu treffen.

Teilnehmerin *1966 Landkreis Mansfeld-Südharz

Da ich noch nicht geimpft bin, werde ich Kontakte, so weit es geht, meiden.

Teilnehmer *1956 Saalekreis

Wegen der Pandemie ist nur die Briefwahl für uns das Richtige. Überall braucht man einen negativen Test, im Wahllokal nicht. Ist schon witzig.

Teilnehmerin *1963 Landkreis Anhalt-Bitterfeld

Doch, klar: Es gibt auch Nachteile, wenn man seine Stimme schon einige Zeit vor dem Wahltag abgibt. Auch darauf haben mehrere Teilnehmerinnen und Teilnehmer verwiesen.

Bis zu meiner Stimmabgabe im Wahllokal habe ich noch die Chance, meine Wahlentscheidung zu beeinflussen. Deshalb ist Briefwahl für mich keine Option.

Teilnehmer *1950 Magdeburg

Eine Stimmabgabe im Wahllokal hat den Vorteil, dass der Wahlkampf bis zum Schluss verfolgt werden kann.

Teilnehmer *1947 Burgenlandkreis

MDRfragt geht auf Tour – und will mit Ihnen sprechen!

Die Kolleginnen und Kollegen von MDRfragt gehen in den kommenden Wochen und Monaten vor der Landtagswahl auf Tour durch Sachsen-Anhalt. MDRfragt-Reporterin Claudia Reiser wird am am 26. Mai in Naumburg und am 2. Juni in Stendal sein – und möchte mit Ihnen ins Gespräch kommen. Infos dazu hier.

"Frage der Woche zur Landtagswahl" geht weiter

Die Befragung ist Teil unseres Formats der "Frage der Woche zur Landtagswahl", die wir Ihnen wöchentlich stellen. Wenn Sie an den nächsten Befragungen teilnehmen möchten, müssen Sie nur Teil der MDRfragt-Community werden. Die Anmeldung geht einfach und schnell unter www.mdrfragt.de. Dort finden Sie auch weitere Infos. Die jeweilige "Frage der Woche zur Landtagswahl" bekommen Sie danach immer automatisch per Mail zugeschickt. Und über das Ergebnis berichten wir zuerst jeden Freitagabend in #LTWLSA – unserem Update zur Landtagswahl.

Die Spitzenkandidaten der sechs großen Parteien zur Landtagswahl, von links nach rechts: Eva von Angern (Die Linke), Cornelia Lüddemann (Grüne), Katja Pähle (SPD), Reiner Haseloff (CDU), Lydia Hüskens (FDP), Oliver Kirchner (AfD)
Die Spitzenkandidatinnen und -kandidaten der sechs großen Parteien zur Landtagswahl Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

MDR/Luca Deutschländer, Thomas Vorreyer, Kristin Hansen

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 14. Mai 2021 | 20:00 Uhr

1 Kommentar

Elbbewohner vor 4 Wochen

Ich sehe das anders als die von Ihnen zitierten Wähler/-innen: Ich habe sofort meine Briefwahlunterlagen bestellt und habe bereits gewählt. Der Grund ist denkbar einfach: Wer mich in vier Jahren nicht überzeugen konnte, der bekommt meine Stimme nicht. Leider ist es Brauch geworden, in den letzten Wochen vor der Wahl das Blaue vom Himmel zu versprechen - wie das dann weitergeht, kennen wir hinlänglich.
Deshalb ist die Briefwahl für mich stets die erste Wahl. Der Wahlkampf ist für mich vorbei.
Bedenken gegenüber der Briefwahl habe ich nicht - die bislang bekannt gewordenen Probleme (Stendal) betreffen wenige Einzelfälle, und seit Bestehen der Bundesrepublik ist keine Wahl bekannt geworden, die auf Grund von Manipulation der Briefwahl zu einem falschen Ergebnis geführt hätte. Aus meiner Sicht werden die Bedenken unnötig aufgebauscht.

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