Frauen im Landtag Christina Buchheim: "Widerstand in CDU und AfD ist nur mit Frauenquote zu brechen"

19 von 87: Die Zahl der Frauen im aktuellen Landtag ist überschaubar. Wie kann sich das nach der Landtagswahl am 6. Juni ändern? Die Linken-Abgeordnete Christina Buchheim pocht auf die Einführung einer Frauenquote – weil der Widerstand der konservativen Kräfte anders nicht zu brechen sei. Der Fragebogen.

Christina Buchheim, Die Linke
Gewann 2016 ein Direktmandat und kam so in den Landtag: Christina Buchheim Bildrechte: imago/Christian Schroedter

In keinem anderen deutschen Landesparlament sind so wenige Frauen vertreten wie in Sachsen-Anhalt. Woran liegt das? Und was muss sich tun, damit sich der Frauenanteil erhöht? MDR SACHSEN-ANHALT hat alle 19 weiblichen Landtagsabgeordneten gefragt. Hier antwortet die Linken-Abgeordnete Christina Buchheim.

Wo und durch wen wurden Sie politisch sozialisiert?

Mich hat die Wende (1970 geboren) politisch sozialisiert. Meine Eltern waren in der DDR im Staatsapparat beruflich tätig und Mitglied der SED. Beide blieben ihren Idealen und ihrer politischen Orientierung treu. Dadurch wurden ihnen sehr viele Steine in den Weg gelegt. Die vielen "Wendehälse" waren eine einschneidende Erfahrung. 1992 wurde ich erstmals als Parteilose für die PDS Mitglied im Stadtrat von Köthen. Die Anfeindungen und Diffamierungen nach der Wende gegenüber Mitgliedern der PDS haben mich sehr geprägt.

Wer hat Sie auf dem Weg in die Landespolitik unterstützt? Wie wurden Sie gefördert?

Gefördert wurde ich durch ältere Genoss*innen meiner Partei, die mir nach und nach mehr Verantwortung in den kommunalpolitischen Gremien übertragen haben. Insbesondere eine ehemalige Lehrerin meiner Abiturzeit wurde für mich ein persönliches und politisches Vorbild und hat mich gefördert und geprägt. Große Unterstützung habe ich auch durch Jan Korte (MdB) erhalten, der seit 2005 im Wahlkreis Anhalt-Bitterfeld antritt. Wir stehen nach wie vor im regen Austausch und sind gemeinsam im Wahlkreis unterwegs.

Wann sind Sie zum ersten Mal in den Landtag von Sachsen-Anhalt eingezogen und wie haben Sie nach Ihrem Einzug das Klima Ihnen gegenüber als Frau wahrgenommen – fraktionsintern und insgesamt?

2016, durch den Gewinn des Direktmandats. Fraktionsintern ist das Klima gegenüber Frauen sehr harmonisch. Allerdings merkt man an Vertretern der CDU und AfD, dass sie Frauen wenig zutrauen und die Quote dafür verantwortlich machen, dass es uns im Landtag gibt, da ja Frauen in ihren Augen sonst nicht gewählt werden würden. Ärgern tue ich mich über Äußerungen, mit denen ein Erfolg auf das äußere Erscheinungsbild von Frauen reduziert wird.

Was sehen Sie als größtes Hindernis für eine Frau?

Frauen stehen oftmals vor der Herausforderung, Beruf, Familie und politisches Engagement in Einklang zu bringen. Hier bedarf es Unterstützung des Partners/Familie. Und aus persönlicher Erfahrung weiß ich, dass man oft schmerzliche Erfahrungen macht. Das politische Engagement erfordert Zeit und man muss zumeist persönlich zurückstecken. Dies muss man wissen und mit sich vereinbaren können.

Welche politischen Prozesse/Strukturen müssten in Ihrer Partei/Fraktion, aber auch insgesamt verändert werden, damit der Landtag weiblicher wird?

Ich denke, dass die Einführung einer Frauenquote tatsächlich erforderlich ist, um die Geschlechtergerechtigkeit, die bei LINKE, SPD, GRÜNE funktioniert, insgesamt durchzusetzen. Der Widerstand in CDU und AfD ist anders nicht zu brechen.

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MDR/Marie Kristin-Landes, Luca Deutschländer

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 07. März 2021 | 19:00 Uhr

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