Zwei junge Mädchen verbinden sich gegenseitig den Kopf.
Bildrechte: Carsten Reuß/MDR

Leben retten Bei einem Schulprojekt lernen Grundschulkinder aus Halberstadt Erste Hilfe

28. Februar 2024, 05:04 Uhr

Die Kenntnisse in Erster Hilfe dürften bei den meisten hierzulande eher mangelhaft sein. Oftmals stammen sie noch von dem Pflichtlehrgang für die Fahrerlaubnisprüfung. Das frühe Interesse am Helfen wecken will ein Projekt in Halberstadt. Hier lernen bereits Grundschüler, wie man nach einem Unfall richtig hilft – im Rahmen eines Projekts mit dem Deutschen Roten Kreuz.

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Donnerstags ist Erste-Hilfe-Tag im Hort der Miriam-Lundner-Grundschule in Halberstadt. Aliya, Mia und zahlreiche ihrer Mitschülerinnen und Mitschüler sitzen im ersten Obergeschoss mit Erzieher Torsten Volkmann in einem Kreis um eine große rote Decke. Mia liegt jetzt in der Mitte auf der Decke. Sie stellt sich reglos. Ihr Freundin Aliya spricht sie an, rüttelt leicht an ihr. Die beiden Mädchen üben und führen vor, was zu tun ist, wenn man eine reglose Person findet. Die anderen Kinder schauen interessiert zu, geben selbst Tipps.

Kurz darauf herrscht große Aufregung. Es werden Kopfverbände geübt. Das macht viel Spaß. Auch Schulleiter Sebastian Lütgert bekommt einen Kopfverband von einer seiner Schülerinnen verpasst, was für große Erheiterung sorgt.

Vierzehn Kinder sind diesmal gekommen, ein paar sind krank. "Es werden immer mehr" freut sich Torsten Volkmann über das zunehmende Interesse. Der Horterzieher leitet den ersten Erste-Hilfe-Kurs an der Grundschule in Halberstadt. Solche Projekte laufen sonst nur an Gymnasien und Sekundarschulen. Im Harzkreis sind die Halberstädter die ersten, die es an einer Grundschule umsetzen.

Kinder sitzen im Kreis auf dem Boden. Im Kreis zeigt ein Mitarbeiter des Roten Kreuzes an einem Kind, wie man einen Verband anlegt.
In dem Kurs lernen die Grundschüler unter anderem, Wunden zu verbinden. Bildrechte: Carsten Reuß/MDR

DRK unterstützt mit Verbänden und Technik

Der Kurs findet seit Jahresanfang einmal in der Woche statt. Dann treffen sich Kinder der dritten und vierten Klassen zur Sanitätsausbildung. Hort und Schule haben dafür extra einen Kooperationsvertrag mit dem Kreisverband Quedlinburg/Halberstadt des Deutschen Roten Kreuzes geschlossen. Das Projekt haben die Beteiligten "Kinder helfen Kindern" getauft. Als Folge stehen DRK-Mitarbeiter helfend zur Seite. Das DRK unterstützt das Projekt zum Beispiel mit Verbandsmaterial oder, wie diesmal, mit Technik zum Anfassen.

DRK-Mitarbeiter Martin Schüller ist mit einem Rettungswagen vorgefahren. Der ist der Hit des Nachmitttags. Die Kinder erkunden das Innere des Fahrzeugs und lauschen Schüllers Erklärungen. Der ist ganz begeistert vom Interesse der Kinder. "Wen man so sieht, mit welcher Begeisterung die dabei sind, das macht richtig Spaß", so der 24-jährige. Er findet es gut, Kinder so früh wie möglich mit Wissen zur Ersten Hilfe vertraut zu machen.

Die Kinder sind mit großem Eifer dabei. Aliya, neun Jahre alt und in der 3. Klasse, findet es gut, dass man nicht nur rumspielt, sondern in dem Kurs richtig etwas lernen würde. Das mache ihr richtigen Spaß. Das findet auch die ebenfalls neunjährige Mia. Sie findet es toll, dass sie am Ende Erste Hilfe leisten könne. Hanna, 10 Jahre alt und in der 4. Klasse, meint, dass es viel besser sei, wenn man mit Erster Hilfe vertraut sei. Sie fände das alles sehr interessant.

Kinder sollen selbst zum Einsatz kommen

Im Kurs werden die Grundlagen für die Erste Hilfe vermittelt. Die Kinder lernen, Wunden zu verbinden, bei Unfällen besonnen zu bleiben und überhaupt erst einmal sich zu trauen, jemandem zu helfen. Auch das Thema Unfallverhütung soll den Kindern nähergebracht werden. Nach dem Kurs sollen die Kinder "Dienst" in Kleingruppen leisten und in den Pausen zum Einsatz kommen.

Kinder sitzen im Kreis auf dem Boden. Im Kreis zeigt ein Erwachsener an einem Kind, wie man bei Verletzungen hilft.
Das Projekt findet in Zusammenarbeit mit dem Roten Kreuz statt. Bildrechte: Carsten Reuß/MDR

Auch bei Sportveranstaltungen, an Wandertagen und bei Schulfesten sollen sie eingesetzt werden. Das Projekt solle helfen, Ängste abzubauen und praktische Erfahrungen zu vermitteln, die die Kinder ermutigen, im Notfall zu helfen, heißt es im Kooperationsvertrag.

Der Kurs läuft erst einmal bis zum Ende des Schuljahres. Nach den Erfolgen ist aber eine Erweiterung bereits im Gespräch. Im Herbst sollen dann auch die zweiten Klassen mit dabei sein.

MDR (Carsten Reuß, Sebastian Gall)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 27. Februar 2024 | 13:00 Uhr

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