Lächelndes Mädchen steht mit Kreide in der Hand vor einer Tafel.
Ein privater Schulträger will das Unterrichtsfach "Glück" an seinen Einrichtungen ausbauen. Bildrechte: IMAGO / Westend61

Lehrangebot an Privatschulen Magdeburg: Evangelische Jugendhilfe will Unterrichtsfach "Glück" ausweiten

16. November 2022, 16:26 Uhr

Das Unterrichtsfach "Glück" soll das Leben erleichtern, aber auch Scheitern, Selbstreflexion und Mut lehren. Deshalb bildet die Stiftung Evangelische Jugendhilfe in Sachsen-Anhalt weitere Lehrer in dem Fach aus.

Die Stiftung Evangelische Jugendhilfe in Sachsen-Anhalt will Glück als Unterrichtsfach weiter voranbringen. Am Dienstag ist dafür die dritte Fortbildung für Lehrkräfte zu Ende gegangen. Die zertifizierten Pädagoginnen und Pädagogen unterrichten bereits am Magdeburger Stiftungsgymnasium. Wie Sprecherin Saskia Lotz MDR SACHSEN-ANHALT erklärte, sollen auch andere Schulen in Trägerschaft der Stiftung mit dem Glücksunterricht nachziehen. Von der Dreisprachigen Internationalen Grundschule seien bereits Lehrer ausgebildet worden.

Am Stiftungsgymnasium ist das Fach Glück bereits seit dem Schuljahr 2021/22 Teil der Stundenpläne der Klassen 5 bis 9. Noten gibt es in dem Fach nicht. Auch in der Oberstufe wird versucht, das Thema im Lehrplan einzuflechten. Das sei einzigartig im Raum Magdeburg, so die Stiftungsakademie. Lehrerin Susanne Marth sagte MDR SACHSEN-ANHALT, es gehe darum, Kindern zu vermitteln, was gut für sie ist. "Wir wollen die Kinder in den Schulen auf das Leben vorbereiten", erklärt Ausbilderin Anette Berger.

Uns geht es nicht darum, immer nur zu strahlen und zu sagen: 'Du musst glücklich sein'.

Anette Berger, Ausbilderin im Fach Glück

Neben Glück seien auch Scheitern, Selbstreflexion und Mut Bestandteile des Fachs. Die Ausbilderin des Faches sagte: "Uns geht es nicht darum, immer nur zu strahlen und zu sagen: 'Du musst glücklich sein'. Das funktioniert sowieso nicht, sondern wir wollen wirklich gemeinsam üben und einen Weg finden. Wie schaffen wir das alle zusammen?"

MDR (Sören Thümler, André Plaul)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 16. November 2022 | 09:30 Uhr

8 Kommentare

Scheusal0815 am 17.11.2022

Wann haben sie zuletzt den Satz des Pythagoras benötigt oder das Periodensystem der Elemente herbeten müssen, ganz zu schweigen von quadratischen Formeln oder Infinitesimalrechnung? Da ist es mir denn doch sinnvoller, den Kindern einen gesunden Umgang mit Gefühlen und Empathie beizubringen. Ich weiß, "eine Ohrfeige hat noch niemanden geschadet", aber leider ist es genau anders!

geradeaus am 17.11.2022

-Reuter4774- hat es schon erwähnt. Alle Verfasser der vorherigen Kommentare haben den Sinn dieses Schulfachs nicht verstanden.

Das Fach erntete natürlich bei vielen Schülern anfangs Spott. Auch die Lehrer waren skeptisch.

Hier mal ein kleiner Auszug der Zusammenfassung einer Lehrerin nach 1 Jahr. "Die SchülerInnen haben sich weiterentwickelt und angenähert, können sich inzwischen verständnisvoller und klarer in Aus- und Ansichten ausdrücken". Nicht alle jedoch sehr viele.

Und hier eine Übung aus einer Schulstunde. Die Schüler sitzen im Klassenzimmer in Dreiergruppen zusammen. Jeder hat eine Postkarte ausgewählt - mit einem Motiv, das ihm gefällt. Die Betrachter versuchen, einen Zusammenhang zwischen Person und Bild herzustellen. Die Idee: Während sie sich in einen Menschen und seine Motive hineinversetzen, erhält der Mitschüler ein Bild von seiner Außenwirkung, das er vielleicht so noch gar nicht kennt.

Selbstreflektion. All solche Sachen werden dort behandelt.

ralf meier am 17.11.2022

Da lese ich: 'es gehe darum, Kindern zu vermitteln, was gut für sie ist. '

Da denke ich sofort an Herrn Scholz und seinen Jubel: 'Wir haben die Lufthoheit über den Kinderbetten gewonnen', als Frau Roth von der SPD 2002 mit der Devise 'Wir müssen lernen, was Liebe ist' das Bundesministerium für Familie übernahm. Nichts neues also, was nun weiter umgesetzt wird.

Damals warnte die Welt noch im Artikel 'Lufthoheit über Kinderbetten' vor einer 'weitgehend staatsdominierten Kinderbetreuung' und den damaligen Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann erinnerte dies an sozialistische Herrschaftsansprüche.

Diese Ansprüche sind heute weitestgehend umgesetzt worden. Der Staat sieht sich nicht mehr als Dienstleister des mündigen Bürgers, der diesem ein eigenständiges und damit auch eigenverantwortliches Leben ermöglichen soll. Er sieht sich als Vormund eines von ihm abhängigen Mündels und ist eifrig dabei, es nach seinen Vorstellungen zu formen.

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