Eröffungszeremonie für die neue Werkshalle
Bei der Eröffnung der neuen Fertigungshalle des Autozulieferers LMG in Hoym. Bildrechte: MDR/Tom Gräbe

E-Mobilität Wie sich ein Autozulieferer im Salzlandkreis für die Zukunft aufstellt

von Tom Gräbe, MDR SACHSEN-ANHALT

12. Januar 2024, 18:23 Uhr

Die Wende in der Automobilindustrie – weg vom Verbrenner, hin zur Elektromobilität – ist auch Zulieferer eine Herausforderung. Die Nachfrage ändert sich. Ein Zulieferer aus Hoym im Salzlandkreis hat den Wechsel geschafft, obwohl das Werk in der Stadt Seeland noch vor wenigen Jahren insolvent war. Wie das geklappt hat.

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Auf der Bühne stehen Manager und Politiker, mit Blumenketten behängt. Daneben stehen wuchtige Elektroautos eines bayerischen Konzerns. Aus den Lautsprechern tönt indische Musik. Kerzendochte werden angezündet. Ein paar Meter weiter stehen hochmoderne Maschinen in einer hochmodernen Werkhalle des Autozulieferers LMG Manufacturing GmbH, am Ortsrand von Hoym in der Stadt Seeland im Salzlandkreis.

Mittendrin: Werksleiter Ralph Juschkat. Er sagt, dass eine neue Produktionsstätte errichtet worden sei, mit Maschinen, die zum Teil schon automatisiert sind. "Wir wissen, wir schließen dieses Jahr noch die Automatisierung ab", so Juschkat.

Werksleiter Ralph Juschkat
Werksleiter Ralph Juschkat und seine Kollegen sind stolz auf die neue Produktionsstätte. Bildrechte: MDR / Tom Gräbe

Kraftakt für das Unternehmen

Ein Kraftakt dürfte das gewesen sein. Für das Management, aber vor allem für die Beschäftigten: Innerhalb von neun Monaten ist die Mitarbeiterzahl von LMG von 140 auf 240 angestiegen. Es wird mit einem Produktionsverfahren gearbeitet, das Aluminium-Druckguss und Kunststoffspritzguss kombiniert.

Ralph Juschkat ist schon lange im Unternehmen. Die Großinvestition, die neue Werkhalle mit den modernen Maschinen, wurde in weniger als einem Jahr gebaut.

Vor Jahren stand das Werk vor dem Aus

Und das alles an einem Werksstandort, der vor wenigen Jahren noch von der Schließung bedroht war. Damals hieß die Firma Pressmetall und war ein Alu-Druckguss-Spezialist für Autoteile. Die Firma war in Schieflage geraten. 2020 hatten die Mitarbeiter vor dem Werkstor für ihre Arbeitsplätze demonstriert. Die Kündigungen für die Angestellten sollen damals schon geschrieben worden sein. Ein anderer Firmenstandort von Pressmetall, im fränkischen Gunzenhausen, musste tatsächlich schließen.

In der neuen Fertigungshalle in Hoym hat die Produktion begonnen. Bildrechte: MDR / Tom Gräbe

Doch für Hoym fand sich ein Investor, das Unternehmen LMG Manufacturing. Die Firma hat das Werk saniert. LMG wiederum wurde von der indischen Unternehmensgruppe Jaya Hind Industries aufgekauft, die mehr als 50 Millionen Euro investiert hat. Die indische Unternehmensgruppe produziert nach eigenen Angaben für mehrere Unternehmen aus der Automobilbranche.

Teile für Elektromotoren von BMW aus Hoym

Nun werden in Hoym Bauteile für Elektromotoren für BMW gefertigt: Sternscheiben und Stützringe. "Das Herzstück des Elektromotors", erklärt Ralph Juschkat. Und so beliefert ein Werk aus Sachsen-Anhalt, das zu einem indischen Konzern gehört, einen bayerischen Autohersteller.

Ein Aluminiumteil für einen Elektromotor
In Hoym werden Bauteile für Elektromotoren gefertigt. Bildrechte: MDR / Tom Gräbe

IG Metall: Weiter Wachstum am Standort Hoym

Axel Weber, erster Bevollmächtigter der IG Metall Magdeburg-Schönebeck
Axel Weber, erster Bevollmächtigter der IG Metall Magdeburg-Schönebeck Bildrechte: MDR/Axel Weber

Über die Jahre begleitet hat die Firma Axel Weber, Gewerkschaftsbevollmächtiger bei der IG Metall. Dem neuen Eigentümer LMG Manufacturing sei es nach Übernahme des Standorts gelungen, das Geschäft am E-Mobil auszubauen. Es habe nur die Finanzkraft gefehlt. Die sei dann durch den indischen Konzern hinzugekommen.

Mit Blick auf das Werk in Hoym sagt Axel Weber von der IG Metall: "So wie ich die Sache einschätze, wird es dort auch noch weiteres Wachstum am Standort geben."

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MDR (Tom Gräbe)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 12. Januar 2024 | 12:00 Uhr

4 Kommentare

DanielSBK vor 6 Wochen

Sachsen-Anhalt, Land der Billiglöhner Herr Axel Weber! Menschen die es für "ne Appel und Ei" machen ... aber er lebt in seiner IGM Blase ... thyssen zahlt nicht mal Gewerbesteuern in meiner Heimatstadt, die zahlen die nämlich nur am Firmensitz in Essen/NRW!
Von "Florida Eis" will ich mal lieber nicht anfangen... aber lügt Euch mal schön selber die Taschen voll.

DanielSBK vor 6 Wochen

Wo steht in dem Artikel, dass es dort die IGM Edelgehälter für die Creme de la Creme der oberen Zehntausend Facharbeiter gibt????

Haben Sie eine Quelle, dass dort nach Tarif bezahlt wird???

Es gibt so viele Buden, die fertigen Aluknetgußteile für z.B. Verdichtergehäuse T6, Crafter, BMW - nicht weit weg von Magdeburg die zahlen 12,41€ die Stunde bei 24 Tagen Urlaub.... nicht mal Nachtschichtzuschlag oder wenn denn nur ein paar Prozente max. 20 - natürlich immer nur in den Ost Betriebststätten, während in der West Mutterfirma alle Annehmlichkeiten vorhanden sind inkl. Anwesenheitsprämie und pipapo.

Das muss man sich mal vorstellen, alleine das Geld was in einer halben Schicht durch die Teile verdient wird, ist der Monatslohn eines Arbeiters dort - ich finde das zum kot....en diese Ausbeutung hier im Osten!

pwsksk vor 6 Wochen

@Daniel: Der neue Ostbeauftragte ist jetzt auch schon länger untergetaucht. Wahrscheinlich hat seine Parteichefin mal ein Machtwort gesprochen.

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