Füße baumeln von einem Steg herunter.
Sommerzeit ist Urlaubszeit, auch in Sachsen-Anhalt. Bildrechte: IMAGO / Zoonar

Hohe Nachfrage bei Ferienzielen So entspannt Sachsen-Anhalt im Sommerurlaub 2023

07. Juli 2023, 07:35 Uhr

Die Tourismuswirtschaft blickt positiv auf die Sommer-Reisesaison. Die Buchungs-Lage sei gut, heißt es. Vor allem Reisen nach Südeuropa werden gesucht. Was auffällt: Viele Sachsen-Anhalter lassen sich auch angesichts gestiegener Preise nicht von einer Reise abhalten. Urlaub in Sachsen-Anhalt ist im Bundesvergleich am günstigsten.

Von entspannten Sommermonaten kann Enrico Ufer nur träumen. "Wir haben das ganze Jahr Saison", sagt der gestandene Hallenser im Gespräch mit MDR SACHSEN-ANHALT. Ufer sitzt hinter einem Schreibtisch im Reisebüro Reuter in Halles Innenstadt. Neben der Organisation der Büroarbeit versucht Ufer die Reise-Wünsche seiner Kunden zu erfüllen.

"Wir konnten uns schon in den letzten Monaten vor Reise-Anfragen kaum retten", erzählt Ufer. "Da ist alles dabei, von A wie Azoren, über den Familien-Urlaub auf Mallorca oder die Auto-Rundreise in Kanada, es wird das komplette Spektrum abgefragt." Es scheint so, als ob sich die Menschen in Sachsen-Anhalt die Sommer-Wochen trotz hoher Inflation und Krieg in der Ukraine nicht ungeplant lassen wollen. Den Eindruck teilt auch Martin Schulze vom Tourismusverband Sachsen-Anhalt. "Mit Blick auf die Übernachtungszahlen gehen wir aktuell von einem guten touristischen Jahr und einem guten Sommer aus", teilt Schulze auf Nachfrage von MDR SACHSEN-ANHALT mit.

Vor allem Reisen nach Südeuropa gefragt

"Im Vergleich zum Vorjahr stellen wir eine erhöhte Nachfrage von mehr als 80 Prozent bei den Suchanfragen fest", bestätigt auch Friederike Burge vom "Flugsuch-Portal Skyscanner". Für MDR SACHSEN-ANHALT hat Burge Anfragen für Abflüge von den Flughäfen Leipzig/Halle und Magdeburg ausgewertet. Auffällig: Die Menschen wollen sich derzeit offenbar vor allem in sonnigen Gefilden erholen. Unter den fünf beliebtesten Zielen, für die Menschen mit dem Abflugort Leipzig/Halle Flüge suchen, sind Spanien, Türkei, Italien und Griechenland.

"Im letzten Jahr im März und April, kurz nach dem Kriegsausbruch in der Ukraine, haben die Kunden ihre Reisepläne überdacht. Da standen selbst Urlaube in Bulgarien oder der Türkei auf der Kippe", so Ufer. Aber inzwischen habe sich die Situation der Buchungen wieder normalisiert. "Klar, der Preis spielt eine Rolle. Aber meistens gilt: Wir machen den Urlaub jetzt, wer weiß, was morgen kommt", sagt Ufer aus dem Reisebüro. "Die Menschen sparen nicht am Jahresurlaub, was für uns sehr positiv ist. Dieser ist weiterhin das wichtigste im Jahr", bestätigt auch Schulze vom Tourismusverband. Fest steht aber auch, die höheren Preise müssen auch für den Sommerurlaub 2023 bezahlt werden.

Kaum Last-minute-Schnäppchen

"Die Durchschnitts-Reise-Preise sind schon stark gestiegen", bestätigt auch Reise-Verkäufer Ufer. "Griechenland hat extrem angezogen, Spanien ebenso." Preiserhöhungen fallen aber je nach Ziel sehr unterschiedlich aus. Nach der Skyscanner-Auswertung sind zum Beispiel Flüge von Leipzig nach Madeira sechs Prozent günstiger als 2019, also im Jahr vor der Pandemie. Tickets nach Dublin sind sogar 46 Prozent billiger als vor Corona. Eine Auswertung des Vergleichsportals Check24 zeigt: Im Schnitt der 30 am meisten gebuchten Ziele zahlten Pauschalreisende für eine Kombination aus Flug und Hotel bei Buchungen bis Ende Mai rund acht Prozent mehr als in den Sommerferien 2022.

Fakt ist auch: Angesichts der hohen Nachfrage gibt es kaum Möglichkeiten, Urlaubs-Schnäppchen zu finden. "Die klassischen Last-minute-Angebote gibt es ja schon eine Weile nicht mehr", sagt Ufer. "Und überall gilt: Je kurzfristiger ich einen Flug buche, umso teurer wird es." Auch Reiseziele, die in den vergangenen Jahren noch vergleichsweise günstig gewesen seien wie Tunesien oder Ägypten, hätten inzwischen stolze Preise, so Ufer.

Preiswert urlauben in Sachsen-Anhalt

"Viele Anbieter sind froh, dass es nach den coronabedingten Schließungen wieder 'brummt' und wollen die gute Gäste-Nachfrage nicht abwürgen", erläutert Schulze vom Tourismusverband Sachsen-Anhalt. Deshalb werde hier im Land auf große Preissteigerungen oft verzichtet, so Schulze. "Sachsen-Anhalt ist im Bundesvergleich das preisgünstigste Bundesland." Zwischen Januar und März 2023 kostete ein Zimmer in Sachsen-Anhalt durchschnittlich knapp 77 Euro pro Nacht. "Der Deutschland-Schnitt lag im gleichen Zeitraum bei 105 Euro", rechnet Schulze vor. Allerdings sparen die Urlauber in Sachsen-Anhalt an den kleinen Highlights, den Tagesausflügen, so Schulze. Das würden gerade Erlebnis-Einrichtungen, die Freizeit-Wirtschaft, aber auch der Einzelhandel zu spüren bekommen.

Probleme bereitet den Reise-Anbietern ein geändertes Buchungs-Verhalten ihrer Kunden. Buchungen würden immer kurzfristiger erfolgen, sodass Auslastungen schwerer eingeschätzt werden können, sagt Schulze vom Tourismusverband. "Am Anfang des Jahres kommen viele Familien. Jetzt kommen die Kunden, die doch auf den letzten Drücker etwas unternehmen wollen", antwortet Ufer. Im Herbst würden viele Menschen mit den Planungen von großen Reisen beginnen, wo beispielsweise Visa oder Impfungen benötigt werden.

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MDR (Hannes Leonard), dpa

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT | 06. Juli 2023 | 08:10 Uhr

2 Kommentare

Pollux vor 40 Wochen

Ich zitiere: "Für MDR SACHSEN-ANHALT hat Mikoleizik Anfragen für Abflüge von den Flughäfen Leipzig/Halle und Magdeburg ausgewertet." Mir ist nicht bekannt, dass Magdeburg einen Flughafen hat, zumindest nicht für internationale Flüge.

salzbrot vor 40 Wochen

""Wir konnten uns schon in den letzten Monaten vor Reiseanfragen kaum retten", erzählt Ufer. "Da ist alles dabei, von A wie Azoren, über den Familienurlaub auf Mallorca oder die Autorundreise in Kanada, es wird das komplette Spektrum abgefragt.""
Warum wählt man dann AfD oder will wählen, wenn sogar die Sachsen-Anhalter wirtschaftlich so gut gestellt sind? Laufend wird der Anschein erweckt, als wären 80% hierzulande auf Bürgergeld angewiesen und Deutschland beißt morgen ins Gras wegen Deindustrialisierung und eAuto oder Heizungsgesetz. Und dann Autorundreise nach Kanada.

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