Sterne beobachten Blick auf den Sternenhimmel: Warum die Altmark weltweites "Star"-Potenzial hat

04. März 2024, 20:09 Uhr

Gemeinsam mit dem Wendland könnte die Altmark als länderübergreifender Sternenpark das größte zusammenhängende Lichtschutzgebiet Deutschlands werden. Der Titel "Sternenpark" soll Astro-Fans und Touristen aus der ganzen Welt anlocken. Und die Chancen stehen gut.

Eine blonde Frau mit Brille
Bildrechte: Carina Emig

Wenn andere zur Ruhe kommen, wird Astrofotograf Helmut Schnieder aktiv. Heute ist er zu Gast im altmärkischen Dahrendorf, um mit einem speziellen Gerät, dem Dark-Sky-Meter, die Dunkelheit zu messen.

"Ab 21 Magnituden reden wir von Sternenpark-Silberlevel", sagt Schnieder. "Aber ich erwarte hier sogar Werte um die 21,7." Tatsächlich zeigt sein Dark-Sky-Meter sogar 21,84 und damit höchste Sternenparkqualität an. Diese Nachtdunkelheit überrascht selbst Schneider. Denn das Maximum liegt bei 22 Magnituden.

"Bestes Gebiet Deutschlands"

Wer die Sterne liebt, hat fast überall in Deutschland ein Problem: Er kann sie nicht richtig sehen. Wohl aber in Altmark und Wendland.

Beide Regionen hätten aus Schnieders Sicht hervorragende Voraussetzungen für die Auszeichnung "Sternenpark", denn: "Maximal zwei Prozent von Deutschland sind ähnlich dunkel. Altmark und Wendland zusammengelegt sind das beste Gebiet Deutschlands." Gemeinsam mit dem angrenzenden Wendland könnte der Norden Sachsen-Anhalts folglich länderübergreifender Sternenpark und damit größtes, zusammenhängendes Lichtschutzgebiet Deutschlands werden.

#hinreisend: Atemberaubend – Sternegucken im Harz 22 min
#hinreisend: Atemberaubend – Sternegucken im Harz Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die Ziele eines Sternenparks sind dabei: der Schutz der menschlichen Gesundheit durch besseren Schlaf, der Schutz der nachtaktiven Tier- und Pflanzenwelt, die Einsparung von Energie, Ressourcen und Geld, ein Beitrag zum Klimaschutz, der Erhalt des dunklen Sternenhimmels als ältestes Kulturgut der Menschheit, die Vorbildfunktion für andere Städte und Gemeinden, die Aufklärung zum Problem der Lichtverschmutzung und die Förderung eines nachhaltigen Naturtourismus.

Was ist ein Sternenpark?

Sternenparks gibt es bislang nur vier in Deutschland. Das sind Gebiete mit einer besonders schützenswerten und nahezu intakten Nachtlandschaft. Die US-amerikanische Organisation "DarkSky International" verleiht diese Auszeichnung und damit wissen Sternenfans und -Profis weltweit, dort ist ein Dunkelheits-Hotspot, der sich hervorragend für Sternenbeobachtung eignet.

Doch um Sternenpark zu werden, erwartet "DarkSky International" umweltfreundliche Beleuchtungspläne, Kooperationen mit Hochschulen und Bildungseinrichtungen sowie ein permanentes Messprogramm der Lichtverschmutzung.

In Deutschland sind bislang vier Sternenparks von der amerikanischen Nichtregierungsorganisation "DarkSky International" ausgewiesen. Das sind: das Westhavelland in Brandenburg, in dessen Bereich auch der Ort Schollene in Sachsen-Anhalt zählt, der Nationalpark Eifel in Nordrhein-Westfalen, die Winklmoos-Alm bei Reit im Winkl und das Biosphärenreservat Rhön im Dreiländereck Thüringen, Hessen und Bayern.

Altmark Atemberaubende Aufnahmen des Sternenhimmels

Sternenhimmel Altmark
Mit diesem Foto hat es Astro-Fotograf Helmut Schnieder in den ewigen Astronomiekalender der NASA geschafft. Bildrechte: MDR/Helmut Schnieder
Sternenhimmel Altmark
Mit diesem Foto hat es Astro-Fotograf Helmut Schnieder in den ewigen Astronomiekalender der NASA geschafft. Bildrechte: MDR/Helmut Schnieder
Sternenhimmel Altmark
Sterne über dem Grenzturm Dahrendorf. Bildrechte: MDR/Helmut Schnieder
Sternenhimmel Altmark
Wahrenberg im Landkreis Stendal mit dem Sternbild Orion als Spiegelung. Bildrechte: MDR/Helmut Schnieder
Sternenhimmel Altmark
Ein besonderes Motiv: Die Gedenkstätte Stresow im Landkreis Stendal zur Stunde der Grenzöffnung am 9. November. Bildrechte: MDR/Helmut Schnieder
Sternenhimmel Altmark
Das Sternbild Orion über dem Stresower See im Landkreis Stendal. Bildrechte: MDR/Helmut Schnieder
Sternenhimmel Altmark
Das März-Zodikallicht kann im März, zwei Stunden nach Sonnenuntergang, nur an besonders dunklen Orten beobachtet werden – wie hier bei Cumlosen. Bildrechte: MDR/Helmut Schnieder
Sternenhimmel Altmark
Die Andromeda Galaxie ist das weiteste Objekt, das mit dem menschlichen Auge erkennbar ist. 2,5 Mill. Lichtjahre ist sie von unserer Erde entfernt und in der Altmark mit bloßem Auge erkennbar. Bildrechte: MDR/Helmut Schnieder
Sternenhimmel Altmark
Lässt Astrofan-Herzen höher schlagen: In der Altmark ist das Zodiakallicht im März gut erkennbar. Bildrechte: MDR/Helmut Schnieder
Sternenhimmel Altmark
Der Titel als Sternenpark würde wohl zahlreiche Astro-Fotografen in die Altmark locken. Bildrechte: MDR/Helmut Schnieder
Sternenhimmel Altmark
Kein Wunder bei solch atemberaubenden Motiven ... Bildrechte: MDR/Helmut Schnieder
Sternenhimmel Altmark
Bildrechte: MDR/Helmut Schnieder
Sternenhimmel Altmark
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Sternenhimmel Altmark
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Sternenhimmel Altmark
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Sternenhimmel Altmark
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Sternenhimmel Altmark
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Bis 2030 sollen zehn Prozent der Fläche Deutschlands Lichtschutzgebiete sein

Zudem hat das Bundesumweltministerium im Rahmen der Nationalen Strategie zur Biologischen Vielfalt (NBS 2030) festgelegt, dass bis 2030 insgesamt zehn Prozent der Fläche Deutschlands Lichtschutzgebiete sein sollen. Altmark und Wendland als riesiges Lichtschutzgebiet in der Mitte Deutschlands könnten diese Bestrebungen ein enormes Stück voranbringen.

Amanda Hasenfusz vom Verein "AltmarkMacher" blickt daher zunächst Richtung Sternenhimmel, dann nach Berlin und Magdeburg. "Wenn man Tourismus und Regionalentwicklung Richtung Sternenpark fördern will, dann sollten wir in Sachsen-Anhalt den Zug nicht verpassen, sondern zeitnah zusehen, dass man Fördergeld beantragen kann", appelliert Hasenfusz an die Landesregierung Sachsen-Anhalts.

Sachsen-Anhalt als Sternen-Land?

Denn Amanda Hasenfusz ist sich sicher, die Auszeichnung als "Sternenpark" würde Astronomie-Touristen aus der ganzen Welt anlocken und damit Geld in die Region spülen. Für sie bietet das Sternen-Thema in Sachsen-Anhalt ein starkes Gesamtpaket der Regionalentwicklung.

"Zum dunklen, altmärkischen Nachthimmel passen hervorragend die Himmelsschreibe von Nebra, die Himmelswege Sachsen-Anhalt, das Ringheiligtum Pömmelte sowie die Megalithanlagen der Altmark", erklärt Hasenfusz.

Über "DarkSky International"

"DarkSky International" ist eine internationale Organisation, die sich dem Kampf gegen die Lichtverschmutzung widmet. Sie wurde 1988 in den USA als eine Vereinigung von Astronomen gegründet. "DarkSky International" arbeitet weltweit mit Gemeinden, Parks, Kommunen und der Öffentlichkeit zusammen, um dunkle Orte für Menschen und Wildtiere zu zertifizieren und zu schützen.

Sternenhimmel in der Altmark  Amanda Hasenfusz, Helmut Schnieder und Ines Agte
Amanda Hasenfusz, Helmut Schnieder und Ines Agte (v.l.n.r.) schauen sich im altmärkischen Dahrendorf einige Aufnahmen des Sternenhimmels an. Bildrechte: MDR/Carina Emig

Der Atlas der weltweiten Lichtverschmutzung, der "light pollution map", zeigt die Lichtverschmutzung an jedem Ort der Erde. Scrollt man in Richtung Altmark und Wendland, erkennt selbst der Laie, das es dort besonders dunkel ist.

Ausnahmen bilden lediglich Städte wie Salzwedel, Lüchow und Dannenberg, Arendsee und Seehausen, die Sicht von Hasenfusz ganz klar von dem Astro-Touristen-Ansturm profitieren würden. Sie ist froh, Helmut Schnieder als Unterstützer zu haben, denn er ist Mitglied der US-amerikanischen Nichtregierungsorganisation "Dark Sky International", kurz IDA, die den Titel "Sternenpark" verleiht.

Doch um Sternenpark zu werden, erwartet "DarkSky International" umweltfreundliche Beleuchtungspläne, Kooperationen mit Hochschulen und Bildungseinrichtungen sowie ein permanentes Messprogramm der Lichtverschmutzung.

Sternenhimmel in der Altmark  Helmut Schnieder mit dem Gerät zur Messung der Dunkelheit
Mit seinem "Dark Sky Meter" misst Helmut Schnieder die Nachtdunkelheit. Bildrechte: MDR/Carina Emig

Sternen-Fotos von der Terrasse aus

Begeistert vom altmärkischen Sternenhimmel ist auch Ines Agte aus Reddigau bei Diesdorf, die regelmäßig mit ihrem Mann von ihrer Terrasse aus Sterne, Kometen, Planeten und Satelliten beobachtet. Mit ihrem Handy fotografiert das Ehepaar, was es sieht.

Und so entstehen Aufnahmen, für die Sternen-Fans um den halben Planeten reisen würden. Da sind sie sich sicher. Deshalb unterstützen Ines und ihr Mann Torsten die Idee, die Schönheit der Nacht für die Zukunft mit einem "Sternenpark" zu bewahren. Nicht nur sie erkennen schließlich das weltweite "Star"-Potenzial ihrer Region.

Sternenparks in Deutschland

Sternenhimmel Altmark
Auch in Cumlosen im Landkreis Prignitz in Brandenburg lassen sich tolle Aufnahmen im Dunklen festhalten. Cumlose liegt zwar nicht im Westhavelland aber nahe der Landesgrenze zu Niedersachsen und Sachsen-Anhalt. Bildrechte: MDR/Helmut Schnieder

In Deutschland, insbesondere in Norddeutschland, gibt es bereits Sternenparks bzw. Sterneninseln. Der Sternenpark Westhavelland umfasst zum Beispiel das Gebiet des Naturparks Westhavelland in Brandenburg, sowie die Gemeinde Schollene in Sachsen-Anhalt. 

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MDR (Carina Emig, Daniel George) | Erstmals veröffentlicht am 02.03.2024

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 02. März 2024 | 19:00 Uhr

3 Kommentare

Rainer Kirmse vor 6 Wochen

Seit Menschen sind auf der Welt,
geht ihr Blick zum Himmelszelt.
Festbeleuchtung runterdreh'n,
da oben gibt's viel zu seh'n.😉

STERNENFREUNDE

Sie blicken zu Mond und Sternen,
sind den Planeten auf der Spur;
reisen zu des Weltalls Fernen,
wenn auch mit Teleskopen nur.

Unterwegs in finsterer Nacht,
im Banne der himmlischen Pracht.
Licht aus, Sterne an, klare Sicht;
viel mehr brauchen sie dazu nicht.

Der Mond über Haus und Wiese,
zeigt sich heut' als wahrer Riese.
Als ob er uns in der Krise
hier unten nicht allein ließe.

Wenn man so auf Mars schaut,
rostrot schimmert seine Haut.
Ist's dort auch ziemlich kalt,
man will ihn besuchen bald.

Wir sehen Sterne blau und rot,
neugeboren, auch kurz vorm Tod;
oder uns'rer Sonne ähnlich,
mittelalt und leuchtend gelblich.

Die Sterne sind bis zum Ende
Geburtsort der Elemente.
Für Elemente superschwer
muss eine Supernova her.
Der Mensch, ein Kind der Sterne,
betrachtet's aus der Ferne.

Rainer Kirmse , Altenburg

Herzliche Grüße aus Thüringen

steka vor 6 Wochen

Dabei ginge es so einfach, die Straßenlaternen mit Bewegungsmelder ausrüsten. Die leuchten dann eben nur noch, wenn sich dort Leute aufhalten.
Würde auch ne Menge Strom sparen.

Maria A. vor 6 Wochen

Es ist angenehm, mal einen Beitrag zu sehen, der einen positiven Nachhall erzeugt...
Erholsames Restwochenende noch allerseits.

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