Junge Wissenschaftler Jütting 2024 auf der Bühne
Seit 30 Jahren unterstützt die Jütting-Stiftung aus Stendal junge Musiker im Norden Sachsen-Anhalts. Bildrechte: MDR/Aud Merkel

Seit 30 Jahren Jütting-Stiftung: Ehepaar fördert junge Musik-Talente in der Altmark

27. März 2024, 14:02 Uhr

Schon zu Lebzeiten förderten Hans und Eugenia Jütting junge Musiker und Wissenschaftler in der Altmark. Ihren Nachlass überließen sie einer Stiftung. Die vergibt seit 30 Jahren Förderstipendien. Aber nicht nur die Stipendiaten profitieren davon.

Ein Portrait von Aud Merkel.
Bildrechte: Aud Merkel

Der Konzertsaal im Musikforum Katharinenkirche ist jedes Mal gut gefüllt. Bis zu 150 Menschen lauschen den Vorträgen der jungen Musiker. Sie kommen von Hochschulen und Meisterklassen aus ganz Deutschland und Polen nach Stendal. Hier bedanken sie sich für ihr Stipendium der "Hans und Eugenia Jütting Stiftung" mit einem Konzertprogramm.

Auch Igor Levit war Stipendiat der Stiftung in Stendal

Nicht nur ältere Menschen besuchen bis zu acht Mal im Jahr diese hochwertigen Kammerkonzerte. Bewusst wurde der Eintrittspreis niedrig gehalten. Fünf Euro kostet eine Konzertkarte. Schüler, Rentner und Menschen mit geringem Einkommen zahlen die Hälfte.

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Prinzregrententhater 2011 Igor Levit 11 min
Bildrechte: imago images / Michel Neumeister

Ulf Drewes, Vorsitzender der Jütting-Stiftung, meint, so könne man niedrigschwellig Klassik zu den Bürgern in die ländliche Region bringen: "Wir fördern ja Stipendiaten, die dann teilweise national und international bekannte Musiker werden, wie zum Beispiel Igor Levit." Der weltberühmte Pianist ist inzwischen Professor und Mitglied im Musikbeirat der Jütting-Stiftung.

Hans und Eugenia Jütting: Ein außergewöhnliches Ehepaar

Ehepaar Jütting (Archiv Stiftung)
Mit dem Nachlass des Ehepaars Jütting fördert die Stiftung die Stipendiaten. Bildrechte: Archiv Jütting--Stiftung

Igor Levit setzt sich immer wieder für Friedensprojekte und Verständigung ein, genau wie das Stifterehepaar Hans und Eugenia Jütting. Hans Jütting verließ in den 30er-Jahren seine Heimatstadt Stendal. In Kanada lernte er die polnische Pianistin Eugenia Czerny kennen. Zu DDR-Zeiten besuchten sie immer wieder Stendal und entwickelten den Wunsch, hier Nachwuchstalente zu fördern.

Im März 1994, fünf Jahre vor dem Tod von Hans Jütting, konnte dann eine Stiftung gegründet werden. Aus dem Stiftungsvermögen erhalten junge deutsche und polnische Musiker Förderstipendien. Laut Satzung soll damit die "Versöhnung und Völkerverständigung zwischen Deutschland und Polen" befördert werden.

Gelder der Jüttings ermöglichen modernen Konzertsaal

Der heute 80-jährige Stadtmusikdirektor Michael Hentschel half dem Ehepaar in ihren letzten Lebensjahren, ihr Vorhaben umzusetzen. Michael Hentschel arbeitete von Anfang an im Vorstand der Stiftung mit. Er ist den Jüttings heute dankbar, für die Stipendien, aber auch für den Bau des "Musikforums". Die ehemalige Katharinenkirche wurde mit Geldern des Ehepaares zu einem modernen Konzertsaal umgebaut.

Mit Podium und einem Konzertflügel bietet der Saal 200 Zuhörern Platz. Es sei etwas ganz Besonderes so einen akustisch gut gestalteten Konzertsaal in Stendal nutzen zu können: "Wenn in diesem Saal 150 Leute zu einem Jütting-Konzert gehen, dann ist das für diese kleine Stadt ein ungewöhnlich hoher Besuch eines klassischen Konzerts."

Talente brauchen Unterstützung

Jütting Clarissa Schmitt 2017 AM
Auch Klarinettistin Clarissa Schmitt wurde gefördert. Bildrechte: MDR/Aud Merkel

Für die Stipendiaten kann eine Förderung wegweisend sein. Musiker können einmalig 5.000 oder 8.000 Euro erhalten. Als im Jahr 2017 die Klarinettistin Clarissa Schmitt ein Stipendium in Höhe von 5.000 Euro bekam, erklärte sie den Stendaler Zuhörern beim Danke-Schön-Konzert: "Davon habe ich mir eine neue Klarinette gekauft." Andere nutzen das Geld für weiterführenden Unterricht, Fahrtkosten zu Vorspielen oder ein Auto zum Transport ihres Instrumentes.

Förderung für junge Wissenschaftler: Das sind die Voraussetzungen

Auch junge Wissenschaftler freuen sich über die Fördergelder. Absolventen einer Fachhochschule oder Universität erhalten ein Jahr lang eine monatliche Unterstützung von 550 bis 750 Euro. Demnächst werden diese Stipendien sogar erhöht.

Voraussetzung ist, dass sie mehr als die Hälfte ihrer Schulzeit in Stendal absolviert haben. Desweiteren müssen sie in ihrem Fachgebiet besondere Studien- oder Forschungsleistungen aufweisen. Im letzten Jahr wurde eingeführt, dass sie in Stendaler Schulen gehen und ihre Studiengänge und Forschungsgebiete vorstellen.

Die Jütting-Stiftung vergibt auch Fördergelder bei einem Musikschulpreis und einen Sonderpreis bei "Jugend musiziert". So sollen auch Kinder schon früh motiviert werden, sich weiterhin auf ihrem Instrument oder beim Gesang zu verbessern. Seit Kurzem werden auch junge Talente im Bereich Pop- und Jazz-Musik gefördert.

MDR (Aud Merkel, Mario Köhne)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 26. März 2024 | 06:30 Uhr

2 Kommentare

Denkschnecke vor 7 Wochen

Man muss Menschen wie dem Ehepaar Jütting wirklich unglaublich dankbar sein, dass sie ihr Vermögen so konsequent für die Förderung von musizierenden Jugendlichen eingesetzt haben. Auch weil dieser Wettbewerb so gut mit "Jugend musiziert" zusammenpasst, ist er für den künstlerischen Nachwuchs eine großartige Gelegenheit.

Maria A. vor 7 Wochen

Bei den vielen Bad News, die es tagtäglich zu verarbeiten gilt, freut man sich, auch mal was Positives aufzunehmen.

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