Lars Falke, Der Vorsitzender der Jägerschaft Osterburg 4 min
Lars Falke, der Vorsitzender der Jägerschaft Osterburg macht sich Sorgen: die Tiere im Wald seien durch die Wilderer schreckhafter geworden. Bildrechte: Lars Falke

Illegale Waffen Jäger warnen vor Wilderern in Osterburg

30. Mai 2024, 13:39 Uhr

Die Jägerschaft Osterburg ruft zu mehr Wachsamkeit gegen Wilderer auf. Die Zahl der Fälle, in denen Kadaver von Rehen und Wildschweinen eindeutige Spuren aufweisen, steige, mahnt der Vorsitzende der Jägerschaft, Lars Falke. Helfen könnten nur mehr Aufmerksamkeit und das konsequente Anzeigen von Fällen und Verdachtsmomenten bei der Polizei.

Lars Falke ist in einer Jägerfamilie groß geworden, sein Revier ist der Wald bei Ziegenhagen. Schon als Kind ist er mit seinem Großvater zur Jagd gegangen, hat von ihm vor allem ethische Grundsätze gelernt: die Achtung vor dem Wild, die Verantwortung, die Jäger tragen. Nun ist er Vorsitzender der Jägerschaft Osterburg.

Wilderei, illegaler Waffenbesitz und Verstoß gegen das Tierwohl

Jetzt beunruhigt ihn, dass in Osterburg Leute durch die Gegend führen, die keine Jäger sind, die im Besitz von illegalen Waffen sind. "Wir reden nicht von einer Schreckschusspistole, sondern einer Waffe, die am Ende tötet", sagt Falke. Das seien Leute, die man nicht einschätzen könne, bei denen man nicht wisse, wie sie reagieren, wenn man sie auf frischer Tat ertappen würde.

Gerade hat Falke die nächste Anzeige bei der Polizei erstattet. Es gehe um mindestens drei Straftatbestände: Wilderei, illegalen Waffenbesitz und Verstoß gegen das Tierwohl. Die Funde getöteter Tiere, die Wilderer-Spuren aufweisen, häufen sich, sagt Falke.

Die Täter seien keine Laien; die wüssten, was sie tun. Das erlegte Wild werde "fachmännisch aus der Decke oder der Schwarte geschlagen, je nachdem, ob es ein Reh oder ein Wildschwein ist", so Falke. Dann würden ebenso fachmännisch die hinteren Keulen ausgelöst, teilweise der ganze Rücken. Bei einem Tier haben die Täter den ganzen Kopf mitgenommen – Falke vermutet, es sei ein Rehbock mit Trophäe gewesen.

Angst vor Wilderern steigt nach Polizistenmord in Rheinland-Pfalz

Selbstverständlich ärgern sich die ostaltmärkischen Jäger über das illegale Vorgehen der Wilderer, über die toten Tiere und darüber, dass auch Rehe und Wildschweine angeschossen, aber nicht versorgt werden. Selbst vor tragenden Tieren würden die Täter nicht Halt machen, sagt Falke empört.

Was ihn aber besonders umtreibt, ist die Angst vor Eskalation. Immer öfter denkt er zwei Jahre zurück, als Wilderer in Rheinland-Pfalz zwei Polizisten erschossen. Die Beamten hatten nachts ein Auto kontrollieren wollen. Weil die Wilderer ihre Tat vertuschen wollten, töteten sie die Polizisten.

Vielleicht fährt ja jemand zur Nachtschicht und ihm kommt auf einem Plattenweg ein Auto mit fremdem Kennzeichen entgegen.

Wolf Last, Landesjagdverband

Wilderer seien skrupellos und hätten eine niedrige Hemmschwelle bei der Begehung von Straftaten, sagte Wolf Last vom Landesjagdverband Sachsen-Anhalt. Davon ist auch Falke überzeugt. Er möchte in jedem Fall verhindern, dass neben Wild auch Menschen zu Schaden kommen. "Ich möchte, dass bei der Bevölkerung ein bisschen der Sinn geschärft wird. Vielleicht fährt ja jemand zur Nachtschicht und ihm kommt auf einem Plattenweg ein Auto mit fremdem Kennzeichen entgegen. Da könnten die Menschen mehr Feingefühl entwickeln."

Falke warnt davor, bei Beobachtungen in den altmärkischen Wäldern nachts den Helden zu spielen, verdächtige Personen womöglich anzusprechen. Aber er bittet schon darum, in solchen Fällen den Jagdpächter oder gleich die Polizei anzusprechen. Er ist davon überzeugt, dass die Dunkelziffer bei Wilderei deutlich höher ist als die bekannten Fallzahlen.

Wilderei in Sachsen-Anhalt: Auch Behörden warnen vor Wilddieben

Auf mehr Hinweise aus der Bevölkerung hofft auch die Polizei in Stendal. Revier-Sprecherin Kim-Marise Krumbach sagte MDR SACHSEN-ANHALT, in den Jahren 2022 und 2023 hätte es im Bereich der Polizeiinspektion Stendal 29 Anzeigen wegen Wilderei gegeben. Und das auf einer Fläche von knapp 6.300 Quadratmetern in den Landkreisen Stendal, Salzwedel und Jerichower Land. Im Bereich des Reviers Stendal seien es im selben Zeitraum sieben Anzeigen gewesen.

Man weiß nie, wo die Hemmschwelle liegt.

Kim-Marise Krumbach Polizeiinspektion Stendal

Auch Krumbach warnt, dass solche Situationen, wenn man in den Wäldern Fremde trifft, schwierig einzuschätzen seien. "Man weiß nie, wo die Hemmschwelle liegt", sagt Krumbach. "Ist es jemand, der ein Tier einfach nur verletzen möchte? Ist es jemand, der einen Gewinn aus dem Tier ziehen möchte? Oder ist es jemand, der einfach Frust hat, für den die Hauptsache ist, irgendjemanden zu verletzen?"

Fälle von Jagdwilderei in Sachsen-Anhalt Im vergangenen Jahr gab es in Sachsen-Anhalt 40 Fälle von Jagdwilderei. Das geht aus der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) hervor. Im Vorjahr wurden 63 Fälle registriert, 2021 waren es 31 Fälle. Über die Hälfte der Fälle (2021: 54,8 Prozent, 2022: 50,8 Prozent) konnten in den vergangenen zwei Jahren aufgeklärt werden. Im Jahr 2023 sank die Aufklärungsquote auf 37,5 Prozent.

Halberstadt: Prozess wegen Wilderei im Harz beginnt

Nur selten aber wird man der Wilderer habhaft. Am 3. Juni wird am Amtsgericht Halberstadt gegen einen jungen Mann verhandelt. Er soll bei Schwanebeck im Landkreis Harz in einer Nacht etwa 30 Tiere getötet haben. Die Klage lautet auf Wilderei und gewerbsmäßige Hehlerei.

Die in der Ost-Altmark gefundenen getöteten Tiere lagen alle in der Nähe von Plattenwegen. Falke vermutet, dass die Täter womöglich nicht mal aus ihren Autos aussteigen, sondern aus den Wagen schießen. Im Umfeld von Plattenwegen in Wäldern mahnt der Jäger deshalb zu besonderer Wachsamkeit.

Durch die Angriffe von Wilderern sei zudem das Wild viel panischer geworden. Das hätten Jägerkollegen dem Vorsitzenden der Jägerschaft Osterburg mitgeteilt. Schon beim kleinsten Knacken oder Licht in der Nacht würden Rehe und Wildschweine die Flucht antreten und um ihr Leben rennen. Das ist nicht typisch und deute auf tief sitzende Schrecken hin, sagt Falke. In seinem Bereich liegt die Bundesstraße 189. Panische Wildtiere kreuzen die Straßen dort noch öfter, dadurch käme es zu vermehrten Autounfällen.

MDR (Katharina Häckl, Cynthia Seidel)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 29. Mai 2024 | 07:30 Uhr

4 Kommentare

randdresdner vor 3 Wochen

Können Sie bitte für mich "Jäger oder Sportschützen deutscher Herkunft" definieren oder sagen, was Sie darunter verstehen. Im Moment kann ich mir keinen Reim darauf machen,was dies mit dem deutschen Pass zu tun hat.
Vielen lieben Dank!

NeuerHeip vor 3 Wochen

Die Bezeichnung von Angehörigen anderer Arten als "Wild" zeugt ja nun nicht gerade von Respekt, sondern von Selbstüberhöhung bzw. Abwertung der anderen.

mattotaupa vor 3 Wochen

es geht ja acuh um leute, die eben keine jäger sind, sondern wilderer. ihr geschwurbel über die herkuunft können sie sich schneken! beim erwähnten vorfall waren es andreas s. und florian v.. "Gibt es da etwa illegale Waffen in Deutschland?" ja, u.a. verschwinden bei polizei und bundeswehr öfter mal waffen und munition.

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