Spargelfeld 2 min
Warum in Schönberg mehr Spargel angebaut wird, können Sie auch im Audio hören. Bildrechte: MDR/Katharina Häckl
2 min

MDR SACHSEN-ANHALT Di 09.04.2024 05:47Uhr 02:03 min

https://www.mdr.de/nachrichten/sachsen-anhalt/stendal/stendal/audio-spargel-schoenberg-100.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Audio

Spargel? Ja, bitte! Gegen den Trend: Gemüsehof Schönberg baut mehr Spargel an

09. April 2024, 18:49 Uhr

In Sachsen-Anhalt gibt es immer weniger Spargelbauern – 32 noch in diesem Jahr – und immer weniger Anbaufläche für das königliche Gemüse. Doch die Gemüsehof Schönberg GmbH in der Altmark trotzt diesem Trend: Sie hat ihre Anbaufläche sogar erweitert.

Aktuelle Nachrichten des Mitteldeutschen Rundfunks finden Sie jederzeit bei mdr.de und in der MDR Aktuell-App.

Tim Homann ist Altmärker von Geburt und im Herzen. Der Landwirt und Chef des Schönberger Gemüsehofs (Landkreis Stendal) hält an Traditionen fest, zum Beispiel der des Spargelanbaus. Die Felder seines Hofs liegen zwar in der Wische, die sich eher durch satten Boden auszeichnet. Spargel aber wächst am besten auf Sandboden.

Schon zu DDR-Zeiten Spargel angebaut

Nasse Füße durch Staunässe mag das Gemüse überhaupt nicht. Was für ein Glück, dass die Schönberger neben dem fruchtbaren Wischeboden auch so genannte Sand-Inseln auf ihren Äckern haben. Auf denen sei schon zu DDR-Zeiten Spargel angebaut worden, erklärt Homann.

Vor drei Jahren hatte die benachbarte Genossenschaft in Seehausen ihren Ausstieg aus der Spargelproduktion beschlossen. Die Gründe waren dieselben, die heutzutage Spargelbauern zur Aufgabe zwingen: zu viel Aufwand für zu wenig Gewinn sowie Probleme bei der Personalgewinnung.

Tim Homann hat mit seinem Schönberger Gemüsehof die Lücke geschlossen, kaum merklich für die Kundschaft. Nach Jahren ohne Spargelanbau entschied sich der junge Landwirt dafür, die Tradition wieder aufleben zu lassen. Es könne ja nicht jeder aufhören, sagte er MDR SACHSEN-ANHALT.

Es kann ja nicht jeder aufhören.

Tim Homann Gemüsehof Schönberg

Auf mittlerweile 10,5 Hektar baut die Schönberger Gemüsehof GmbH Spargel an. Die Fläche ist im Vergleich zum Vorjahr nochmal um zwei Hektar erweitert worden. Im Moment würde auf dem Feld geerntet, auf deren Dämmen die doppelte Folie liege, so Homann: "Das heißt: eine schwarz-weiß Folie untendrunter und eine Thermofolie obendrauf. Mit Zwischenraum, der den Gewächshaus-Effekt ausmacht und den Spargel somit früher wachsen lässt. Ganz natürlich, ohne Heizung, ohne alles."

Ein Mann hinter einer Glasscheibe
Tim Homann von der Agrargenossenschaft Schönberg. Bildrechte: MDR/Katharina Häckl

Auf einem benachbarten Feld wenden die Schönberger einen Trick an. Sie verzögern quasi das Spargelwachstum, indem sie das Umfeld für das Gemüse absichtlich kühl halten. Spargel wächst bei Wärme. Auf den Dämmen ist nur weiße Folie verlegt worden, die die Sonne auch noch reflektiert.

Saison endet am 24.Juni, dem Johannistag

Erst in ein paar Wochen kommt diese Folie herunter. Dann beginnt der Spargel auch dort zu wachsen. So könne der Gemüsehof bis zum 24. Juni – dem Johannistag, an dem traditionell der letzte Spargel der Saison verkauft wird – frischen Spargel garantieren.

So trotzen die Spargelbauern dem schleichenden Niedergang des Spargelanbaus in Sachsen-Anhalt. Nach der Agrargenossenschaft Seehausen vor drei Jahren hatte ein Betrieb in Badel (Altmarkkreis Salzwedel) im vergangenen Jahr den Anbau eingestellt. In diesem Jahr nun verabschiedete sich einer der namhaftesten Spargelbauern der Altmark aus dem Geschäft. Klaus Heinl in Plätz bei Goldbeck steigt auf Kartoffeln um, aus Altersgründen, wie der Unternehmer angab.

Konkurrenz aus der Nachbarschaft

Die Branche in der Altmark ist also unter Druck, für die verbliebenen Spargelbauern tun sich neue Vermarktungsmöglichkeiten auf. Dennoch ist Tim Homann sauer: Ein Mitbewerber aus der südöstlichen Altmark hat sich mit mehreren Verkaufsständen jetzt im vorrangigen Schönberger Gebiet festgesetzt. Da grabe jetzt ein Spargelbauer einem anderen das Wasser ab, empört sich Homann.

"Als die Agrargenossenschaft Seehausen vor drei Jahren aufgehört hat, haben wir uns gesagt, wir bauen ein bisschen mehr Fläche an, um den Bedarf in der Region Seehausen mit einheimischem Spargel zu decken. Wir gehen auch nicht in andere Landstriche, wo andere Spargelbauern sind. Warum sich hier direkt vor der Nase die Mitbewerber breitmachen, ist für mich unverständlich", so der Landwirt.

Mehr zum Thema Spargel in Sachsen-Anhalt

MDR (Katharina Häckl, Mario Köhne)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 09. April 2024 | 13:10 Uhr

0 Kommentare

Mehr aus Altmark und Elb-Havel-Winkel

Eine Person fährt Handrad. 3 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Mehr aus Sachsen-Anhalt