Ende einer Ära Wildpark Weißewarte ohne Nachfolger – Tiere müssen weg

15. November 2022, 15:40 Uhr

Der Wildpark Weißewarte kann nicht weiterbetrieben werden. Der Hauptausschuss des Tangerhütter Stadtrates hat keinem der Bewerber für die Übernahme der Anlage einen Zuschlag erteilt. Nun wird der Park aufgelöst.

Für den Wildpark Weißewarte im Landkreis Stendal gibt es keine Rettung mehr. Der Hauptausschuss des Tangerhütter Stadtrats erteilte am Montagabend keinem der beiden Bewerber für die Übernahme der Anlage einen Zuschlag. Damit muss der Park in seiner jetzigen Form aufgelöst werden.

Mit einer Ausschreibung hatte die Stadt Tangerhütte, der die Anlage gehört, in letzter Minute versucht, das endgültige Aus abzuwenden und einen neuen Betreiber zu finden. Nach den Worten von Bürgermeister Andreas Brohm (parteilos) konnten die Konzepte aus finanzieller und tierschutzfachlicher Sicht nicht überzeugen. Laut Beschluss sollen die Tiere nun bis Ende Juni 2023 Jahres ein neue Zuhause finden. Dazu wird die Stadt Tierparks in der Umgebung anfragen. Interessenten können sich ihrerseits an die Stadt wenden. Wenn der Park leer ist, soll er erneut zur Nutzung ausgeschrieben werden.

Wir setzen auf einen kompletten Neustart.

Andreas Brohm (parteilos), Oberbürgermeister der Einheitsgemeinde Stadt Tangerhütte

Damit endet ein langes Tauziehen um den Erhalt von Sachsen-Anhalts größtem Wildpark – kurz bevor er sein 50-jähriges Jubiläum erreicht hätte.

Langes Auf und Ab im Ringen um den Wildpark

Der Park war im November 2021 unter anderem wegen erheblicher tierschutzrechtlicher Vorwürfe geschlossen worden. Dem alten Betreiber gelang es zudem nicht, die vorgeschriebenen fachkundigen Mitarbeiter zu stellen, auch gab es keine Aussicht auf eine neue Zoogenehmigung. Die Einheitsgemeinde Tangerhütte hatte deshalb selbst eine beantragt, woraufhin im Februar 2022 nach kurzzeitiger Schließung der Neustart mit einem neuen Betreiber gelang. Eine Genehmigung wurde zunächst befristet erteilt. Pläne für ein neues Parkkonzept lagen vor.

Doch die Kosten der Anlage trieben den Park in die Insolvenz. Die Leiterin der bisherigen Betreibergesellschaft in kommunaler Trägerschaft und einige Tierpfleger kündigten. Der Landkreis schritt ein und widerrief die Zoogenehmigung. Die Einheitsgemeinde Tangerhütte hatte den Park in den vergangenen Jahren mit insgesamt 500.000 Euro bezuschusst und sah sich außerstande, künftig weitere Kosten zu tragen. Am 4. November war der letzte Öffnungstag.

Der Wildpark Weißewarte wurde 1973 eröffnet. Er war im Norden Sachsen-Anhalts ein beliebtes Ausflugsziel für Familien. Er beherbergte zuletzt rund 400 Tiere aus 50 Arten auf einem Gelände von rund 15 Hektar. Nach schweren Schäden durch die Hochwasser 2002 und 2013 wurde der Wildpark jeweils erneuert. Das Areal ist mittlerweile durch einen Hochwasserschutzdeich der Gemeinde umgeben. Dort entlang führt auch der Altmark-Rundkurs, ein überregionaler Radweg durch Altmark und Elb-Havel-Winkel.

dpa, MDR (André Plaul)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 15. November 2022 | 08:00 Uhr

2 Kommentare

Eiche am 16.11.2022

Für die Landesregierung ein Armutszeugnis!!! Wegducken und das kleine Städtchen machen lassen… Wie will man die Altmarkt weiter voran bringen, wenn identitätsstiftende Angebote weggewischt werden???

ChrisSDL am 16.11.2022

Dann sei zu hoffen, dass nach diesem Desaster mit Ansage sich im Stadtrat eine 2/3 Mehrheit findet.

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