Südbrandenburg Nach Blockade am Kraftwerk Jänschwalde: Vier Klimaaktivisten in U-Haft

Für die Klimaaktivisten, die am Montag den Kraftwerksbetrieb in Jänschwalde gestört haben, hat die Aktion ein Nachspiel. Vier von ihnen befinden sich inzwischen in U-Haft. Einige Aktivisten hatten sich zu Wochenbeginn an Förderbänder und Gleise gekettet. Zweitweise mussten zwei Kraftwerksblöcke außer Betrieb genommen werden. Noch am gleichen Tag wurde das Werk geräumt und die Demonstrierenden in Gewahrsam genommen.

Klimaaktivisten blockieren eine Gleisverbindung für den Transport von Braunkohle zum Kraftwerk Jänschwalde.
Die Aktivisten haben in Jänschwalde unter anderem Gleise blockiert. Bildrechte: dpa

Nach der Besetzung von Gleis-und Förderanlagen auf dem Gelände des brandenburgischen Braunkohlekraftwerks Jänschwalde sitzen vier Klimaaktivisten in Untersuchungshaft. Das hat das zuständige Amtsgericht angeordnet. Die Staatsanwaltschaft wirft den drei Frauen und einem Mann unter anderem Hausfriedensbruch und die Störung öffentlicher Betriebe vor.

Leag prüft auch zivilrechtliche Schritte

Zuvor hatte die Leag nach der Protestaktion Strafanzeige gegen die Mitglieder der Gruppe "Unfreiwillige Feuerwehr" erstattet. Derzeit würden die durch die Besetzung entstandenen Schäden geprüft, um zivilrechtliche Schritte einzuleiten, teilte die Leag am Dienstag mit. Sie verurteilte die Protestaktion und forderte eine konsequente Bestrafung der Demonstranten.

"Er [der Protest, Anm. d. Red.] tritt die Bemühungen unserer Kollegen in Tagebauen und Kraftwerken mit Füßen, die mit ihrer verantwortungsvollen Arbeit 24/7 ihren Beitrag dafür leisten, dass in Deutschland nicht das Licht ausgeht. Er diskreditiert mit einem derart radikalen Vorgehen außerdem das Anliegen der Klima- und Umweltbewegung, die ihrem Protest in friedlichen Demonstrationen Ausdruck verleiht“, sagt Leag-Vorstandsmitglied Hubertus Altmann.

Unser Protest richtet sich gegen eine Energiepolitik, die Konzerne schützt und die Menschen alleine lässt.

Nina Buchholz Klimaaktivistin

Aktivisten bezeichnen Aktion als Erfolg 

Die Klimaaktivisten bezeichnen ihre Aktion als Erfolg. Durch das zwischenzeitliche Abschalten zweier Kraftwerksblöcke hätte man mehrere Tonnen CO2 eingespart, so die Protestgruppe.

"Die Leag macht im Moment Rekordgewinne mit dem Kraftwerk Jänschwalde, während wir an den steigenden Kosten verzweifeln. Unser Protest richtet sich gegen eine Energiepolitik, die Konzerne schützt und die Menschen alleine lässt", sagt Aktivistin Nina Buchholz.  

Die Blockierer wollten mit ihrer Aktion nach eigenen Angaben gegen den Betrieb des Tagebaus Jänschwalde und die Folgen der Braunkohleverstromung im Kraftwerk Jänschwalde protestieren. "Wir nehmen hier und heute den Kohleausstieg selbst in die Hand", teilte eine Sprecherin mit.

Alle vier Kraftwerksblöcke sind wieder am Netz

Nach der Blockade der Kohlezufuhr im brandenburgischen Kraftwerk Jänschwalde durch Umweltaktivisten war die Stromproduktion am Montagnachmittag wieder hochgefahren worden. Alle vier Kraftwerksblöcke sind wieder am Netz.

Am Montagvormittag hatte die Polizei begonnen, besetzte Bereiche zu räumen. Laut Polizeisprecher Maik Kettlitz hatte sich der Einsatz zeitintensiv gestaltet. Es sei schwierig gewesen, die angeketteten Klimaaktivisten von den Gleis- und Förderanlagen zu lösen.

Gleise und Förderanlagen besetzt

Klimaaktivisten waren in der Nacht zum Montag auf das Gelände des Kohlekraftwerks in Jänschwalde im Süden Brandenburgs eingedrungen. Sie besetzten Schienen, Gleisanlagen und Förderbänder. In den Tagebau waren die Demonstranten nach Polizeiangaben nicht eingedrungen. Die brandenburgische Polizeidirektion Süd war mit einem größeren Aufgebot im Einsatz. Die Bereitschaftspolizei unterstütze die Polizistinnen und Polizisten aus der Region, hieß es von der Direktion.

Gruppe von Menschen hält Plakat hoch 1 min
Protest in Jänschwalde Bildrechte: MDR

Leag musste zwei Kraftwerksblöcke vom Netz nehmen

Weil sich einige Protestler an die Gleise gekettet hatten, wurde die Kohlezufuhr zum Kraftwerk behindert. Der Betreiber des Kraftwerks sprach von einem "Angriff auf die Versorgungssicherheit". Zwei Blöcke mussten einem Sprecher zufolge am Montagmorgen komplett vom Netz genommen werden. "Damit war die Hälfte des Kraftwerks nicht im Betrieb." Dies bedeute eine Reduzierung um ein Gigawatt. "Dieser Strom fehlt in der Versorgung", sagte der Sprecher.

Eine Klimaaktivistin hat sich die Arme einbetoniert und an die Schienen befestigt.
Eine Klimaaktivistin hat sich ihre Arme einbetoniert und so an den Schienen befestigt. Bildrechte: SPM-Gruppe

Die Leag ist der Betreiber des Braunkohlekraftwerks in Jänschwalde, dem drittgrößten in Deutschland. Im Kraftwerk arbeiten auch viele Mitarbeiter aus Sachsen. Derzeit werden in dem Werk etwa 15 Kilometer nördlich von Cottbus zusätzlich zu den vier aktiv laufenden Kraftwerksblöcken zwei Reserveblöcke reaktiviert. Sie sollen zum 1. Oktober aufgrund der Energiekrise wieder ans Netz gehen, um mehr Energiesicherheit zu haben.

MDR (ama/bj/mad/sth)/dpa

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | Nachrichten | 19. September 2022 | 12:00 Uhr

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