Der Knappensee bei Hoyerswerda wird seit 2014 saniert.
Hans-Georg Ziehe, Eberhard Mühle und Werner Petrick (v.l.n.r.) waren viele Jahre im Vorstand der Knappensee-Rebellen und haben gegen die Sanierung des Knappensees gekämpft. Nun wollen sie den Verein auflösen. Bildrechte: MDR/Viola Simank

Widerstand gegen Sanierung Knappensee-Rebellen wollen Verein auflösen: "Bilanz ist niederschmetternd"  

20. Juli 2024, 06:00 Uhr

Der Knappensee bei Hoyerswerda war 70 Jahre lang ein beliebtes Erholungsgebiet und galt als die Badewanne Hoyerswerdas. Zahlreiche Camper, Erholungssuchende, Angel- und Wassersportvereine hatten hier ihr Domizil. Doch der aus einer ehemaligen Kohlegrube entstandene See wird seit 2014 wegen Rutschungsgefahr saniert und ist komplett gesperrt. Seitdem kämpfen die Knappensee-Rebellen gegen die für sie unnötige Sanierung. Jetzt wollen sie den Verein aber auflösen. Warum?

Von seinem Camper-Grundstück am Knappensee hat Werner Petrick eigentlich einen schönen Blick auf den Knappensee. Allerdings versperrt ein Bauzaun direkt hinter seinem kleinen Gärtchen und der Sitzecke den Blick und den Zugang zum Seeufer. Petrick ist Vereins-Vorsitzender der Knappensee-Rebellen und der See seit rund 30 Jahren sein zweites Zuhause. Dass er nun seit vielen Jahren den Bauzaun vor der Nase hat und sich daran so schnell auch nichts ändern wird, frustriert nicht nur Werner Petrick. Im Gegensatz zu vielen anderen gehört er aber zu denjenigen, die noch am See die Stellung halten.

Der Knappensee bei Hoyerswerda wird seit 2014 saniert.
Camping mit Bauzaun: Der Camper von Wolfgang Petrick steht direkt am Knappensee. Der Zugang ist aber durch einen Bauzaun abgesperrt. Bildrechte: MDR/Viola Simank

Viele Gespräche, nichts erreicht

Dabei haben er und seine Mitstreiter vor gut zehn Jahren die Knappensee-Rebellen gegründet, um die komplette Sanierung des Sees zu verhindern und die Natur ringsum zu erhalten. Außerdem wollten sie sich dafür einsetzen, die Belastung für die Anlieger des Sees durch die Sanierung so gering wie möglich zu halten. Aber nach vielen Jahren voller Gesprächen und Beratungen mit den Verantwortlichen stellt Werner Petrick fest: "Die Bilanz ist niederschmetternd. Unsere Bemühungen haben sich nicht auf die Sanierung ausgewirkt, wir haben unsere Ziele nicht erreicht." Den letzten Ausschlag für die Auflösung des Vereins brachte dann eine Ankündigung des zuständigen Oberbergamtes im Frühjahr.

Die Bilanz ist niederschmetternd. Unsere Bemühungen haben sich nicht auf die Sanierung ausgewirkt, wir haben unsere Ziele nicht erreicht.

Werner Petrick Knappensee-Rebellen

Auflösung Ende des Jahres

Denn im April erklärte das Oberbergamt, dass der Knappensee bis 2030 gesperrt bleiben müsse. Ein Jahr zuvor hieß es noch, dass er 2028 wieder freigegeben wird. Als die Sanierung begann, war eine Öffnung schon 2022 geplant. Diese langen Zeiträume hätten sie sich am Anfang nicht vorstellen können, sagt Petrick, der inzwischen Anfang 70 ist. Auch seine Vorstandskollegen sind mittlerweile im Rentenalter. Die Arbeit, die der Verein bedeute, wollen sie sich nicht mehr antun, sagt Knappensee-Rebelle Hans-Georg Ziehe. Zumal ihre Bemühungen ja bisher nichts gebracht hätten. Deshalb die Entscheidung für die Auflösung des Vereins zum Ende des Jahres. Darüber soll am Sonnabend die Mitgliederversammlung abstimmen.

70 Jahre Badefreuden

"Es ist auf Dauer frustrierend", sagt Hans-Georg Ziehe. Das gehe nicht nur dem Verein so, sondern auch den anderen Anliegern am Knappensee. Sie hätten sich abgewendet, weil sie nichts ändern könnten. Ziehe war Vorsitzender des Anglervereins 57 Knappensee, dessen Gelände und Gebäude auch der Sanierung zum Opfer gefallen sind. Er kann die Komplettsanierung des Sees überhaupt nicht nachvollziehen. 70 Jahre sei hier Tourismus gewesen, im Sommer hätten sich tausende Menschen am See erholt. Nie sei etwas passiert. Jetzt erkenne man den Knappensee kaum wieder.   

Es ist auf Dauer frustrierend. Viele haben sich abgewendet, weil sie sagen: Es hat sowieso keinen Sinn, ich kann es nicht ändern.

Hans-Georg Ziehe Knappensee-Rebellen

Für Oberbergamt Sanierung ohne Alternative

Für das Oberbergamt, das als Polizeibehörde für die Sicherheit des Knappensees zuständig ist, ist die ehemalige geflutete Kohlegrube aber ein Sorgenkind. Die Böschungen am See bestünden aus locker gelagerten Kippen. Durch den Wiederanstieg des Grundwassers im Lausitzer Seenland könnte das gefährlich werden und zu Rutschungen führen, so die Begründung der Sanierung. Deren Ziel ist, die Böschungen und deren Hinterland per sogenannter Rütteldruckverdichtung zu stabilisieren und standfest zu machen.

Dafür hätte jedoch nicht der komplette See saniert und gesperrt werden müssen, finden die Knappensee-Rebellen. Sie berufen sich dabei auf ältere Gutachten von Anfang der 1990er Jahre zur Standsicherheit und darauf, dass im Knappensee das Grundwasser nicht mehr ansteigen würde. Auch die Rütteldruckverdichtung sehen sie kritisch, da dadurch das Seeufer zerstört werde. Für das Oberbergamt und den Bergbausanierer LMBV ist aber die Art und Weise der Sanierung ohne Alternative. Sie führen in ihren Publikationen dazu neuere Gutachten und Erkenntnisse an.

Rutschung mit Folgen

Nach einer großen Rutschung im März 2021 an einem Ufer des Knappensees sieht das Oberbergamt auch die Notwendigkeit der Sanierung noch einmal bestätigt. Werner Petrick und seine Mitstreiter haben aber auch da Zweifel, schließlich sei die Rutschung erst während der Sanierungsarbeiten dort passiert. Die Rutschung ist auch der Grund, weshalb die Öffnung des Sees sich so weit nach hinten schiebt. Wegen ihr muss das Uferstück noch einmal extra gesichert und saniert werden. Die Knappensee-Rebellen wollen aber trotz der Vereinsauflösung weiter am Thema dranbleiben. Sie wünschen sich wenigstens eine Teilöffnung des Sees, die weit vor 2030 liegt. "Mit der Öffnung des Sees steht und fällt die Investitionstätigkeit am See", sagt Werner Petrick. Denn wer wolle sich schon an einem See ansiedeln, an dem man nicht baden kann.   

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