Lausitzer Seenland Streit um die Schiffbarkeit des Berzdorfer See: Angler fühlen sich übergangen

Ab Mitte September sollten ursprünglich auf dem Berzdorfer See Motorboote und Fahrgastschiffe fahren dürfen. Das sah die Allgemeinverfügung der Landesdirektion Sachsen zur Fertigstellung des ehemaligen Tagebaurestlochs vor. Doch gegen den Verwaltungsakt wurden zwei Widersprüche eingelegt. Streitpunkt ist unter anderem die Schiffbarkeit mit dem damit verbundenen Regelungskatalog aus Sperrzonen und Ausnahmezeiten.

Ein Segelboot auf dem Berzdorfer See.
Segeln ist auf dem Berzdorfer See erlaubt. Jetzt sollte er für Motorboote freigegeben werden. Zwei Widersprüche haben die Verfügung außer Kraft gesetzt. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Der Bergbausanierer LMBV und der Anglerverband "Elbflorenz" Dresden e.V. haben Widerspruch gegen die Feststellung der Fertigstellung des Berzdorfer Sees und seine Schiffbarmachung eingelegt. Eigentlich sollte nach Plan der Landesdirektion Mitte September das Fahren mit Motorbooten und Fahrgastschiffen auf dem seit 2002 gefluteten Tagebaurestloch möglich sein. Durch die Widersprüche ist die allgemeine Schiffbarkeit wieder in die Ferne gerückt.

Angler fühlen sich übergangen

Die Juristen des Bergbausanierers LMBV feilen noch an den Formulierungen für die Begründung ihres Widerspruchs.

Für den Anglerverband, der seit 2016 einen Fischereipachtvertrag für den See hat, ist dagegen eindeutig klar: Die Nutzung des einstigen Tagebaus und damit auch die Hege und Pflege des Fischbesatzes wäre durch die Allgemeinverfügung der Landesdirektion nicht mehr möglich. Denn dort steht drin, dass der See in den Wintermonaten sowie von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang nicht mit Booten befahren werden kann.

Zudem gibt es viele gesperrte Bereiche. Damit sinkt die Nutzbarkeit des Berzdorfer Sees nicht nur für Angler, sondern auch für Wassersportler laut Verband auf ein Fünftel der 960 Hektar großen Wasserfläche.

Berzdorfer See
Bei dem Berzdorfer See handelt es sich um das von 2002 bis 2013 geflutete Restloch des früheren Tagesbaus Berzdorf. Bildrechte: LMBV/Peter Radke

"Diese wasserrechtliche Genehmigung ist praktisch nicht umsetzbar und sorgt für ganz viel Frust", sagt René Häse, Geschäftsführer des Anglerverbandes. Man habe sich um den Fischbesatz im Berzdorfer See gekümmert und hier eine sechsstellige Summe investiert. Die Angler sehen sich als Bewirtschafter des Sees und wollen ihn deshalb auf einer möglichst großen Fläche und zeitlich ungebunden nutzen.

Diese Genehmigung ist praktisch nicht umsetzbar und sorgt für ganz viel Frust.

René Häse Anglerverband "Elbflorenz" Dresden e.V.

Als Angler müsse man auch in die Bereiche kommen, wo der Fisch ist, sonst könne man der Hegepflicht nicht mehr nachkommen, betont Häse. Das Hegefischen, also das gezielte Beangeln eines Gewässers, soll die Fischbestände im Gleichgewicht halten. Gerade bei künstlichen Seen brauche man diese Steuerungsmöglichkeit, so der 40-Jährige.

Ruhezonen sollen Wasservögel schützen

Das sieht der Görlitzer Biologe Markus Ritz anders. "Die Fische im Berzdorfer See würden prima ohne Eingriffe zurechtkommen", ist er überzeugt. Man könne auch nachts gut vom Ufer aus angeln und müsse dafür nicht mit dem Boot in die Ruhezonen hinausfahren. So eine Forderung ist für den 46-Jährigen unverhältnismäßig, denn nächtlicher Bootsbetrieb wirke auf die Tiere besonders störend. Auch die Sperrzonen am Westufer des Sees und die fünfmonatige Winterruhe haben aus Sicht des Biologen ihre Berechtigung. Denn der Berzdorfer See sei zu einem europaweit bedeutenden Rastplatz für Wasservögel geworden.

Die Fische im Berzdorfer See würden prima ohne Eingriffe zurechtkommen.

Markus Ritz Biologe

Gerade bei neu entstehenden Gewässern stellt sich für Ritz die Frage, "ob der Mensch denn immer Vorrang haben muss und nicht mal zurückstecken kann." Letztlich müsse man die verschiedenen Interessen zusammenbringen und eine sinnvolle, rechtssichere Regelung finden.

Schwan
Am Westufer des Berzdorfer Sees wurde eine Schutzzone für die Wasservögel eingerichtet. Bildrechte: Katrin Tominski

Komplexe Regeln in der Kritik

Die wurde aus Sicht des Anglerverbandes bisher nicht gefunden. Häse erlebt bereits am Bärwalder See, wie unpraktikabel und Verwirrung stiftend komplexe Gewässerregeln sind. "Wir haben eine 52 Seiten fassende wasserrechtliche Genehmigung für das Angeln. Das kriegt man nicht mehr vermittelt." Der Verbandschef sieht in den Verboten noch ein weiterführendes, grundsätzliches Problem. "Wenn man überall Sperrzonen einrichtet, dann ist das Thema Strukturwandel und Tourismus tot."

Berzdorfer See
Der Berzdorfer See soll als Tourismus- und Feriengebiet entwickelt werden. Dafür wurde ein kommunaler Planungsverband geschaffen. Bildrechte: Nikolai Schmidt

Eine schnelle Entscheidung wird es zum Berzdorfer See nicht geben. Derzeit sind Anglerverband und LMBV gefordert, ihre Widersprüche fristgerecht zu begründen. Dann liegt der Ball wieder bei der Landesdirektion, einen Kompromiss zu finden. Aus Sicht der Naturschützer könnten die Regeln für die Schiffe auf dem See bei Görlitz gern noch strenger sein. Gerade im Sommer herrscht dort viel Betrieb. Dadurch sind laut Ritz die Mauserplätze des Gänsesägers - eine Wasservogelart - stark gestört. "Wenn man das noch mehr aufweicht, dann ist von der Naturschutzseite mit Klagen zu rechnen", vermutet der Biologe.

Schiffe dürfen mit Spezialerlaubnis fahren

Schiffe und Boote können übrigens mit Spezialerlaubnis jetzt schon auf dem Berzdorfer See fahren. Darauf weist die Landesdirektion hin: "Das Befahren mit nichtmotorangetriebenen und motorangetriebenen Wasserfahrzeugen sowie mit Fahrgastschiffen ist wie bislang ausschließlich auf der Grundlage wasserrechtlicher Einzelgestattungen durch die untere Wasserbehörde beim Landratsamt Görlitz statthaft."

MDR (ama, uwa)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | Nachrichten | 19. September 2022 | 17:30 Uhr

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