Christopher Street Day Für grenzenlose Liebe im Dreiländereck: Erster CSD in Görlitz und Zittau

08. Oktober 2022, 18:26 Uhr

An der Neiße ist am Sonnabend der erste Christopher Street Day gefeiert worden. In Görlitz zogen unter dem Motto "Liebe ist grenzenlos" mehr als 400 Menschen vom Bahnhof aus durch die Innenstadt bis in den Stadtpar. Dort feierten sie ein "Picknick der Vielfalt". Auch in Zittau waren Demonstranten unterwegs, um für die Akzeptanz sexueller und geschlechtlicher Vielfalt im Landkreis Görlitz zu werben.

In Görlitz hat sich am Bahnhof am frühen Sonnabendnachmittag eine bunte Truppe gesammelt. Überwiegend Jugendliche waren gekommen, um beim ersten Christopher Street Day an der Neiße dabei zu sein. Unter dem Motto "Liebe ist grenzenlos" sollten schwule, lesbische, bisexuelle und Transgender Menschen vom Bahnhof über den Postplatz zur Altstadtbrücke und dann in den Stadtpark ziehen.

Dazu aufgerufen hatte unter anderem die Links-Jugend, die Grüne Jugend und das "Queere Netzwerk" im Kreis Görlitz, um gemeinsam ein Zeichen für die Akzeptanz sexueller und geschlechtlicher Vielfalt im Landkreis zu setzen. Auch in Zittau beteiligten sich rund 100 Menschen beim ersten CSD dort in der Stadt.

Zuspruch überrascht Organisatoren

Organisatoren und Teilnehmer waren gleichermaßen überrascht, wie viele Menschen dem Aufruf gefolgt sind. Mitorganisatorin Anne Katrin Kellermann: "Wir haben im Vorfeld tatsächlich nicht einschätzen können, wie viele kommen. Jetzt sind wir superhappy, dass es eine bunte Menschenmenge geworden ist."

Wir sind stolz, das der Christopher Steet Day so in Görlitz startet. Viele junge Menschen sind gekommen. Das zeigt eben auch eine gewisse gesellschaftliche Veränderung, eine Offenheit und vor allem junge Menschen haben den Mut sich zu bekennen.

Anne Katrin Kellermann Mitorganisatorin

Mehr als 400, meist jugendliche Teilnehmende schwenkten Regenbogenflaggen. "Gerade hier, wo die AfD hohe Wahlergebnisse einfährt, ist es wichtig, dass wir uns zeigen", sagt ein Pärchen. "Görlitz ist und bleibt bunt", ergänzt lachend eine Nachbarin, die mit ihrer Freundin gekommen ist.

"Der Osten hat es nötig"

"Weil der Osten es ganz besonders braucht, dass wir sichtbar werden und unsere Rechte einfordern", sagt ein anderer junger Mann. Mehrere ältere schwule und lesbische Görlitzer und Görlitzerinnen blieben eher am Rand und beobachten den bunten Zug.

Ich mache hier mit, weil mein ganzes Herz hängt am Christopher Street Day und wir müssen das in Görlitz machen, weil das ein ländlicher Raum ist. Und es besteht hier eine Notwendigkeit unsere Rechte sichtbar zu machen.

Wojciech Marek Urlich Mitveranstalter

"Queeren Identitäten sind eine wichtiges Thema, dass viel zu wenig Aufmerksamkeit bekommt und worüber viel zu wenig darüber geredet wird. Und deshalb sind wir hier", sagen zwei junge Männer während Pop-Musik aus dem Lautsprecherwagen an der Spitze des Zuges dröhnt. Auch einige Kunstschaffende aus der Oberlausitz waren unter den Demonstranten, um ihre Sympathie zu zeigen.

Staunende Touristen und Einheimische

Touristen oder Einheimische blieben stehen, bestaunten den bunten Zug durch die Innenstadt. Mancher hatten Verständnis, andere lehnten das Ansinnen der Demonstration ab.

Mehr als bunte Party: Das ist der Christopher Street Day - Homosexuelle Menschen und andere sexuelle Minderheiten waren in den USA oft auch Polizeigewalt ausgeliefert. Bei Razzien wurden Beamten gewalttätig. Am 28. Juni 1969 fand die erste Demonstration gegen Polizeigewalt in einer Bar in der Christopher Street in New York statt.
- Ein Jahr später wurde daran mit dem ersten "Christopher Street Liberation Day" erinnert.
- In den 1970er Jahren begannen dann auch in Europa die Demonstarionen für die Rechte von homo- und bisexuellen und Transgender-Menschen.

Quelle: MDR/CSD

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Geschichte

Eduard Stapel
Eduard Stapel war einer der Begründer des ersten Arbeitskreises Homosexualität in Leipzig 1982. In den folgenden Jahren setzte er sich DDR-weit für weitere solche Arbeitsgruppe ein und koordinierte die Homosexuellenbewegung des Ostens. Er ist Mitbegründer des heutigen LSVD. Bildrechte: MDR/Hoferichter & Jacobs

MDR (uwa)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Regionalnachrichten Studio Bautzen | 10. Oktober 2022 | 05:30 Uhr

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