Neuer Energieträger Wie Wasserstoff die Lausitz voranbringen soll

Die Lausitz setzt auf Wasserstoff als neuen Energieträger der Zukunft. Unternehmen und Forschungseinrichtungen arbeiten bereits an entsprechenden Projekten. Wie kommen sie voran?

Zapfpistole einer Wasserstofftankstelle
Bildrechte: IMAGO/photothek

In Zukunft soll die Energie in der Lausitz nicht mehr aus der Braunkohle, sondern aus Wasserstoff kommen. Denn bei der Verbrennung von Wasserstoff bleibt nur Wasserdampf und Wärme übrig und kein klimaschädliches CO2. Das brandenburgisch-sächsische Netzwerk "DurcH2atmen" will die nötige Forschung dazu voranbringen. Ihre Mitglieder sind Unternehmen und Forschungseinrichtungen der Region, die bereits an mehr als 60 Pilotprojekten arbeiten.

Erfahrungen aus der Braunkohle

Zum Beispiel das Fraunhofer-Institut in Zittau. Es forscht an autonomen Fahrzeugen, die von einer Brennstoffzelle angetrieben werden, Blockheizkraftwerken, die Wärme aus Wasserstoff gewinnen oder an Rollern, die mit Wasserstoff fahren. Dass daran ausgerechnet in der Lausitz getüftelt wird, ist kein Zufall. Sie ist eine von deutschlandweit neun Wasserstoff-Modellregionen. Den Weg dahin hat eine Studie geebnet, die die Experten aus Zittau erarbeitet haben. Man habe durch die Braunkohle schon einen gewissen Vorlauf als Energieregion, sagt Sebastian Schmidt vom Zittauer Fraunhofer-Institut.

Wir können auf den Erfahrungen im Bereich Energiewirtschaft aufbauen und diese in die Richtung Wasserstoff transformieren.

Sebastian Schmidt Fraunhofer-Institut Zittau

Wasserstoff-Forschungszentrum als Zugpferd

Endmontagehalle von Siemens
Auf dem Gelände von Siemens in Görlitz soll ein Innovationscampus entstehen, auf dem rund um den Wasserstoff geforscht werden. Bildrechte: MDR/Uwe Walter

Ein wichtiger Baustein für diesen Wandel wird ein Wasserstoff-Forschungszentrum am Siemens-Standort in Görlitz, bei dem auch die Fraunhofer-Gesellschaft mitarbeitet. Sebastian Schmidt sieht es als Zugpferd an, um auch internationale Unternehmen hier anzusiedeln. Denn die Einrichtung will unter anderem an Langzeittests für Wasserstofftechnologien arbeiten und aus Prototypen robuste Produkte entwickeln.

Das Konzept für die Anlage steht, sagt Projektleiterin Stefanie Randig bei Siemens. Jetzt gehe es darum, das Gebäude für das Wasserstoff-Testzentrum zu planen. Dabei sei auch der Stromanschluss eine große Herausforderung, denn die Anlage benötige vier Mal soviel Strom wie das gesamte Görlitzer Siemenswerk.

Ab 2022 soll Wasserstoff hergestellt werden

Schon 2022 soll das Zentrum in Betrieb gehen und als erste Anlage in der Lausitz Wasserstoff im großen Stil herstellen. Dafür soll grüner Strom genutzt werden, für den die Region gute Voraussetzungen hat, sagt Sebastian Schmidt vom Fraunhofer-Institut in Zittau. Hier gebe es große Flächen, auf denen sich per Photovoltaik oder Windkraftanlagen Strom erzeugen lässt.

Während die Infrastruktur wächst, sollen noch mehr Partner ins Boot geholt werden. Dafür hat der Bund jetzt 200.000 Euro Fördergeld nach Zittau gegeben. Weitere 400.000 Euro gehen an die anderen Partner im Wasserstoff-Netzwerk. Das Fraunhofer-Institut will das Geld vor allem für Netzwerkarbeit einsetzen. Auch eine Webseite und Konferenzen sind geplant, damit die Unternehmen sich besser informieren und vernetzen können.

Regionale Herausforderung ist, dass die Unternehmen in der Lausitz wirklich miteinander in Projekten zusammenarbeiten und man hier eine Kompetenzbündelung schafft. Das ist aus meiner Sicht noch nicht ganz so gegeben.

Sebastian Schmidt Fraunhofer-Institut Zittau

Ein weitere Hürde sind die hohen Kosten der neuen Technologie. Bisher ist Wasserstofftechnik kaum rentabel. Funktionierende Geschäftsmodelle sind rar. Auch hier will das noch junge Wasserstoffnetzwerk Lausitz Abhilfe schaffen.

Quelle: MDR/mk/vis

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 28.01.2021 | 14:30 Uhr im Regionalreport aus dem Studio Bautzen

1 Kommentar

Siggi vor 43 Wochen

Die Verwirrung beim Thema Wasserstoff ist perfekt. Wasserstoff ist keine Energiequelle, er kann ein Energiespeicher sein, wenn man mit viel Energiezufuhr die Wasserstoff- und Sauerstoffatome spaltet und dann unter Energiegewinn wieder zu Wasser fusioniert (Brennstoffzelle) oder den Wasserstoff in einem Verbrennungsmotor direkt verbrennt. Das Ganze läuft mit einem Gesamt-Wirkungsgrad von 10 bis 20% ab, Die notwendige Menge an erneuerbarer Energie steht nicht ansatzweise zur Verfügung, erst recht nicht, um sie für derart ineffiziente Technologien zu verschwenden. Der direkte Einsatz von Elektroenergie über die Lithium-Batterie und Elektromotor kommt auf einen Wirkungsgrad von mindestens 90 %. Außerdem steckt die großtechnische Anwendung der Wasserstofftechnologie noch in den Kinderschuhen. Das Gedröhn um den Wasserstoff ist in meinen Augen nur ein plumper Versuch, die notwendigen Schritte zur Energiewende und Erhöhung der Energieeffizienz auf den St-Nimmerleinstag zu verschieben.

Mehr aus der Region Bautzen

Mehr aus Sachsen