Windräder drehen sich auf dem Gelände des BMW-Werks Leipzig.
Bei BMW in Leipzig wird fortan zusätzlich der Mini Countryman gebaut. Bildrechte: picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Jan Woitas

Autoindustrie E-Autos aus Sachsen: Teure Modelle machen Werken zu schaffen

10. November 2023, 22:30 Uhr

Im BMW-Werk in Leipzig wird ein neues Modell produziert: der Mini Countryman. Im VW-Werk in Zwickau hingegen muss die Produktion erneut gedrosselt werden. Grund sind Lieferprobleme und weil die Preise von VW für die Mittelklasse laut einem Automobilforscher schlicht zu teuer geworden sind.

Petra Peterhänsel lädt am Freitag zu einer großen Feier. Die Chefin des Leipziger BMW-Werks empfängt Politiker, Journalisten und Kollegen, wenn offiziell die Serienproduktion des Mini Countryman beginnt. Ein großzügiger Wagen mit bis zu 300 PS, an dem nichts Mini ist außer der Markenname.

Peterhänsel zeigt vorab gern den Prototypen mit britischen Wurzeln. Der Countryman werde nun in Leipzig gebaut, um die Kapazitäten des Werkes auszubauen. "Wir haben niemandem was weggenommen. In Oxford wird der Mini traditionell gebaut. Aber das ist jetzt ein Modell mit zusätzlichem Volumen und man hat entschieden, den nach Leipzig zu bringen, weil er gut in die Palette der Fahrzeuge passt, die wir jetzt hier bauen", sagt Peterhänsel.

Nach dem Ausbau des Werks kann Leipzig nun 350.000 Autos pro Jahr liefern. In allen Antriebsarten: Diesel, Benziner, Stromer, Hybrid. Es läuft.

Arbeitsverträge werden in Zwickau nicht verlängert

Ganz anders in Zwickau. Dort hat Volkswagen komplett auf Elektro umgestellt und ein Problem: Seit Monaten ist das Werk im Schnitt nur zu zwei Dritteln ausgelastet. Befristete Arbeitsverträge werden nicht verlängert.

Derzeit suche man ein neues Schichtsystem, sagt VW-Sprecher Christian Sommer: "Dazu finden aktuell Gespräche statt zwischen der Unternehmensführung und der Betriebsratsleitung. Die sind noch nicht abgeschlossen. Aber beide Seiten haben verstanden, dass wir zum Wohle eines wirtschaftsfähigen Standortes, der Beschäftigung sichert über die Schichtfahrweise reden müssen und Flexibilität in den Fahrweisen brauchen."

Probleme für Zulieferer durch Absatzflaute bei VW

Zum Jahresende soll das bisherige Schichtsystem enden, also in sieben Wochen. Die immer knapper werdende Zeit sorgt bei Zulieferern für Unruhe.

Dirk Vogel vom Netzwerk der Automobilzulieferer Sachsen sagt, seine Branche brauche Klarheit über die künftigen Stückzahlen: Problematisch ist, dass uns die Zeit wegläuft. Denn Methoden wie zum Beispiel eine Kurzarbeit kann man nur anschieben, wenn vorher Zeitkonten abgebaut wurden. Das dauert natürlich eine Zeit lang. Das heißt, wir brauchen insbesondere eine Planungssicherheit: Wie lange wird sich eine Fahrweise verändern. Und ab wann?"

Vogel rechnet damit, dass Zulieferer wegen der Absatzflaute bei VW Schwierigkeiten bekämen. Eine Pleitewelle erwartet er aber nicht.

Es sei auch kein Fehler gewesen, das VW-Werk komplett auf elektrisch umzustellen, sagt Vogel. In den letzten Jahren sei Zwickau damit sehr gut gefahren: "Weil es sowohl Seat, als auch Audi, als auch VW-Fahrzeuge selber hergestellt hat und komplett die Kompetenz in elektrischen Fahrzeugen aufgebaut hat. Das war ein Vorteil. Aus heutiger Sicht kann man natürlich sagen, VW hat den Zuwachs, die steigende Nachfrage nach E-Fahrzeugen zu optimistisch eingeschätzt, weil es einfach zu zeitig andere Fahrzeugwerke mit in die Produktion einbezogen hat", sagt Vogel.

Automobilforscher: Volkswagen muss günstiger werden

Auch in Wolfsburg und Emden baut Volkswagen sein ID-Elektroautos. Dort könnte man theoretisch ebenfalls kürzen. Womöglich wird darum hinter den Kulissen auch gerungen.

Das Kernproblem für Volkswagen ist für den Automobilforscher Stefan Bratzel die Frage: Welche Modelle kommen an? "Die Fahrzeuge von Volkswagen in den Segmenten Mittelklasse, untere Mittelklasse müssen deutlich günstiger werden, damit sie im Wettbewerb standhalten können. Das ist die große Herausforderung. Wenn das nicht gelingt, wird längerfristig die Auslastung nicht so sein, wie man sich das wünscht – auch hier in Zwickau."

BMW kann hohe Preise aufrufen. Im Premiumsegment wird das akzeptiert. Bei Volkswagen verlangt aber schon der Markenname eine gewisse Mäßigung: Ein Volkswagen muss auch vom Normalverdiener bezahlbar sein. Womöglich sind 40.000 Euro für den ID.3 aus Zwickau dann eben doch zu viel.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | Das Nachrichtenradio | 10. November 2023 | 06:06 Uhr

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