Geschäftsidee Sächsische Firma haucht gebrauchten Smartphones neues Leben ein

Jahrelang wollten viele Smartphone-Fans immer nur das neueste Modell haben. Vor manchen Läden bildeten sich regelmäßig lange Schlangen. Allerdings will das nicht mehr jeder mitmachen. Auch hierzulande wächst das Interesse, alte Smartphones und Handys aufarbeiten zu lassen, um sie wiederzuverwenden. Die Hartmannsdorfer Firma Komsa hat sich auf dieses Geschäft spezialisiert.

Reparatur eines Mobiltelefones in der Werkstatt der Komsa AG.
Reparatur eines Mobiltelefones in der Werkstatt von Komsa. Bildrechte: dpa

Immer mehr Handys und Smartphones schlummern in den Schubladen deutscher Privathaushalte. Nach Angaben des Branchenverbandes Bitkom sind es inzwischen rund 206 Millionen. Und viele Menschen wollen aus ihrem Handy-Oldie noch einmal etwas machen. Das sogenannte Refurbishment, wie Fachleute die Generalüberholung gebrauchter Elektrogeräte nennen, entwickelt sich zunehmend zu einem Wachstumsmarkt.

Zahl der wiederaufbereiteten Smartphones verdreifacht

Eine Firma, die von diesem Trend profitiert, ist der Technologie-Händler und Dienstleister Komsa aus Hartmannsdorf bei Chemnitz. Die Zahl der Wiederaufbereitungen hat sich dort nach Unternehmensangaben in den vergangenen drei Jahren verdreifacht. Insgesamt eine Million Geräte werden von der Firma derzeit pro Jahr für Hersteller und Privatkunden repariert oder generalüberholt. Dieses Geschäft will Komsa in den nächsten Jahren weiter ausbauen.

Pierre-Pascal Urbon, Vorstandsvorsitzender der Komsa AG
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Nachhaltigkeit nimmt bei Endkunden einen immer größeren Stellenwert ein.

Pierre-Pascal Urbon Vorstandschef von Komsa

Die Preise für Neugeräte seien kontinuierlich gestiegen, so dass Gebrauchtgeräte bei einer Neuanschaffung für viele Kunden attraktiver würden, meint Pierre-Pascal Urbon.

Neue Plattform für Privatkunden

Urbon sieht im bisherigen Abwicklungsprozess eine wesentliche Hürde dafür, dass viele Menschen ihre alten Handys horten. Daher soll es für die Kunden einfacher und unkomplizierter werden, ihre Geräte aufarbeiten zu lassen. Komsa ist über Fachhändler bereits im Refurbishment aktiv. Nun wird auch ein digitaler Marktplatz für Privatkunden vorbereitet. Urbon möchte unter anderem künstliche Intelligenz für die optische Bewertung der Geräte einsetzen.

Internetplattformen wie Refurbed und Back Market, wo Verbraucher ihre Altgeräte zu Geld machen können und auf denen generalüberholte Elektrogeräte angeboten werden, verzeichnen bereits seit Jahren hohe Wachstumsraten. In diesem Geschäft will Komsa nun vom Ankauf über die Aufbereitung bis hin zum Verkauf stärker mitmischen.

Handy-Reparaturen seit 1995

Komsa ist 1992 ursprünglich als Großhändler für die Mobilkommunikation gestartet und 1995 ins Handy-Reparatur-Gewerbe eingestiegen. Seit 2013 bereitet die Firma auch gebrauchte Handys wieder auf. Sie gilt als einer der größten Anbieter von Handy-Reparaturen in Deutschland. Inzwischen beschäftigt das Unternehmen in Sachsen 1.300 Mitarbeiter - davon 300 in der Werkstatt. Doch die Konkurrenz wird härter. Man kann Smartphones inzwischen auch in Elektromärkten reparieren lassen, in kleinen Werkstätten oder bei Schlüsseldiensten.

 Blick in eine Halle der Komsa AG, in der eingesendete Geräte eintreffen.
In dieser Halle treffen bei Komsa die eingesendeten Geräte ein. Bildrechte: dpa

Auch Apple und Samsung wittern Geschäft

Neben Komsa haben auch andere Unternehmen das Potenzial des Geschäfts mit den gebrauchten Handys erkannt. Hersteller wie Apple und Samsung bieten beim Kauf neuer Geräte an, das alte in Zahlung zu nehmen. Sie werden aufbereitet oder gehen ins Recycling, um Rohstoffe zurückzugewinnen. Laut Apple wurden im Jahr 2020 weltweit 10,4 Millionen Geräte dem Refurbishment zugeführt. Das ist aber nur ein Bruchteil der verkauften Neugeräte, schätzungsweise über 200 Millionen Stück im vergangenen Jahr.

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Umweltbewusstsein spielt größere Rolle

Doch auch das Umweltbewusstsein spielt Experten zufolge zunehmend eine Rolle. Im Sinne des Klima- und Umweltschutzes sei anzustreben, die Geräte länger zu nutzen, erklärt der Bitkom-Experte für Nachhaltigkeit, Niklas Meyer-Breitkreutz. Denn die Herstellung mache den Großteil ihres ökologischen Fußabdruckes aus. Innovationssprünge bei neueren Modellen seien inzwischen geringer als früher, so dass junge Gebrauchte attraktiver bei einer Neuanschaffung werden, schätzt der Experte. Komsa-Chef Urbon hält das ebenfalls für einen wichtigen Aspekt und verweist etwa auf die Fridays-for-Future-Bewegung.

In Zukunft könnte es hip sein, ein gebrauchtes Gerät zu haben statt ein neues.

Pierre-Pascal Urbon Vorstandsvorsitzender von Komsa

Neben Privatleuten sieht er Firmen als Zielgruppe, die etwa eine große Zahl von Beschäftigten mit dezentralen Arbeitsplätzen ausstatten wie Service-Mitarbeiter oder Paketzusteller. Auch der Trend zum Home-Office könnte das Geschäft weiter beflügeln. In der Corona-Pandemie bescherte diese Entwicklung Komsa 2020 einen Rekordumsatz von 1,35 Milliarden Euro.

Hilfswerk verkauft Handy-Rohstoffe für guten Zweck

Und nicht nur Unternehmen haben die ausgemusterten Smartphones im Blick. Seit einigen Jahren sammelt etwa das katholische Hilfswerk Missio Handyspenden. Rund 240.000 Geräte wurden den Angaben zufolge abgegeben. Dabei geht es den Verantwortlichen nicht darum, die Geräte selbst erneut zu benutzen. Stattdessen werden Rohstoffe wie Gold, Silber und Kupfer, die in den Smartphones enthalten sind, entnommen und verkauft. Gleiches gilt für die aufbereiteten Mobiltelefone, die ebenfalls Geld für Hilfsprojekte erwirtschaften sollen. Rund 20.000 Geräte wurden aufbereitet und weiterverkauft, wie ein Sprecher informierte. Insgesamt wird der Erlös auf 127.000 Euro beziffert, der in Hilfsprojekte geflossen sei.

Handyspenden für den Naturschutz

Ähnlich ist die Herangehensweise beim Naturschutzbund (Nabu). Auch der sammelt für einen guten Zweck ausrangierte Handys und Smartphones. Unter dem Motto "Handys für Hummel, Biene und Co." kooperiert der Verein dabei mit dem Telekommunikationsprovider Telefónica Deutschland (O2) bereits seit 2011. Für die gesammelten Handys spendet Telefónica jährlich eine feste Summe, die in den Nabu-Insektenschutzfonds fließt.

Quelle: MDR/sth/dpa

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