Arbeitskampf Gelenkwelle Zwickau-Mosel droht Aus: Mehr als 800 Beschäftigte bangen um Jobs

19. Januar 2023, 07:30 Uhr

Seit 1981 werden im Gelenkwellenwerk in Zwickau-Mosel Autoteile hergestellt. Jetzt droht dem Werk des Autozulieferers GKN Driveline mit mehr als 800 Beschäftigten nach 42 Jahren das Aus. Doch es kündigt sich Widerstand an. Auch aus Sachsens Wirtschaftsministerium sind deutliche Worte zu hören.

Das Werk des Autozulieferers GKN Driveline in Zwickau-Mosel steht vor dem Aus. Wie die Gewerkschaft IG Metall am Mittwoch mitteilte, hatte der Aufsichtsrat des Unternehmens mit Sitz in London bereits am Montag über die Schließung abgestimmt. Der Beschluss sei den Mitarbeitenden am Nachmittag bei einer Betriebsversammlung mitgeteilt worden. Rund 800 Beschäftigte seien von den Schließungsplänen betroffen, hieß es.

Begründet wurde der Schritt zur Schließung seitens GKN mit strukturellen Veränderungen in der Automobilindustrie. Vor diesem Hintergrund werde die Auslastung des Werks in den kommenden Jahren deutlich zurückgehen. Angesichts sinkender Preise und steigender Kosten sei es nicht möglich, eine Lösung für den Erhalt des Standortes zu finden, hieß es.

Betriebsrat will gegen Entscheidung vorgehen

Laut Betriebsrat habe man schon seit einiger Zeit befürchtet, dass die Schließung des Standortes bevorstehen könnte. "Für die Beschäftigten ist es bitter, dass ihre Arbeitsplätze dem Profit geopfert werden sollen", teilte der Betriebsrat des Werkes mit. Man werde "diese Entscheidung nicht unwidersprochen lassen." Die vom Unternehmen vorgebrachten wirtschaftlichen Argumente träfen demnach auch auf die anderen drei Standorte in Westdeutschland - in Offenbach, Kiel und Trier - zu.

Gewerkschaft verurteilt Schließung

Auch die IG Metall Zwickau verurteilte den Beschluss und bezeichnete ihn als "Schlag ins Gesicht der mehr als 800 Beschäftigten." Nach Gewerkschaftsangaben begründete das Unternehmen die Schließung mit einem Preisverfall bei den in Zwickau hergestellten Gelenkswellen. Die Geschäftsführung habe aber versäumt, in den vergangenen Jahren in neue Produkte und die Zukunft zu investieren, sagte Benjamin Zabel von der IG Metall Zwickau MDR SACHSEN.

Schlag ins Gesicht der mehr als 800 Beschäftigten.

Benjamin Zabel IG Metall Zwickau

Die gesamte Region sei aufgefordert, gegen diese Standortschließung zu protestieren, so Zabel. Die Gewerkschaft kündigte an, in einer Mitgliederversammlung über Forderungen an das Unternehmen zu beraten.

Wirtschaftsminister zweifelt: Unrentabel, wenn neues Werk in Ungarn geplant ist?

Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) nannte die Entscheidung von GKN einen "Rückschlag für das Automobilland". Als ein führender Automobilstandort stelle sich Sachsen dem Wandel hin zur Elektromobilität erfolgreich. "Das bedeutet, dass sich auch die Zulieferindustrie diesem Strukturwandel stellen muss. Zahlreiche Unternehmen haben das schon erfolgreich getan", sagte Dulig. Und: "Dass es für die Produkte von GKN einen Absatzmarkt gibt, zeigen die Pläne des Unternehmens, ein Werk in Ungarn aufzubauen."

Der WIrtschaftsminister erwartet von GKN, diese Entscheidung zu überdenken. Warum der Standort in Sachsen aus Sicht der westdeutschen Geschäftsführung nicht erhalten werden kann, werde zu überprüfen sein. Duligs Ministerium und die Wirtschaftsförderung Sachsen "sind gesprächsbereit und gewillt, im Schulterschluss mit der IG Metall den Standort und die Arbeitsplätze zu sichern".

Dass es für die Produkte von GKN einen Absatzmarkt gibt, zeigen die Pläne des Unternehmens, ein Werk in Ungarn aufzubauen.

Michael Dulig Wirtschaftsminister in Sachsen (SPD)

MDR (ben, kk)/dpa

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Regionalnachrichten aus dem Studio Chemnitz | 18. Januar 2023 | 15:30 Uhr

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