Blick in einen Konzertsaal mit einem Orchester 5 min
Die Dresdner Musikfestspiele finden 2024 unter dem Motto "Horizonte" statt. Bildrechte: Oliver Killig
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Die 47. Dresdner Musikfestspiele beginnen am 9. Mai 2024. Das diesjährige Motto "Horizonte" steht laut Festival-Intendant Jan Vogler für Vielfalt der musikalischen Genres genauso wie für Offenheit in der Gesellschaft.

MDR KULTUR - Das Radio Di 07.05.2024 10:15Uhr 04:55 min

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Festival Dresdner Musikfestspiele setzen auf Offenheit – in Musik und Gesellschaft

09. Mai 2024, 04:00 Uhr

"Horizonte", das Motto der 47. Dresdner Musikfestspiele 2024, klingt nach Ausblick und endloser Offenheit. Vom 9. Mai bis zum 9. Juni 2024 soll das Publikum mit einem vielfältigen Angebot zu knapp 60 Veranstaltungen an insgesamt 21 Spielstätten gelockt werden. Jan Vogler, international renommierter Cellist und seit 2008 Intendant der 1976 gegründeten Musikfestspiele, setzt angesichts gesellschaftlicher Umbruchsprozesse verstärkt auf Vermittlungsarbeit mit Hilfe von Kunst und Kultur – für ein weltoffenes Dresden.

"Kaum ein Mensch auf der Welt ist nicht durch Musik erreichbar", sagt Jan Vogler, Intendant der Dresdner Musikfestspiele. "Musik bringt die Menschen zusammen, da sie hier einander zuhören, statt gegeneinander zu reden", fügt der 60-jährige Künstler hinzu. Neben dieser unschätzbaren Wirkmacht in sämtlichen gesellschaftlichen Bereichen stehe das Festival Vogler zufolge auch dafür ein, in Dresden ein weltoffenes Klima zu vermitteln. Unter dem Motto "Horizonte" sollen die 47. Dresdner Musikfestspiele eine große Vielfalt musikalischer Genres von Klassik bis Jazz präsentieren. Namhafte Gäste aus aller Welt sind ebenso zu erwarten wie diverse Entdeckungen neuer Namen und künstlerischer Handschriften.

Jan Vogler, ein Mann mit Anzug spiel Cello vor einer roten Wand mit Gemälden
Der Cellist Jan Vogler ist Intendant der Dresdner Musikfestspiele. Bildrechte: Marco Grob

Von Wagners "Walküre" im Dresdner Kulturpalast bis zu Sting

Den künstlerischen Auftakt setzt Richard Wagners Oper "Die Walküre" in einer konzertanten Fassung im Dresdner Kulturpalast. Nachdem im vergangenen Jahr "Das Rheingold" in einer wissenschaftlich begleiteten Einstudierung durch Musikerinnen und Musiker des Dresdner Festspielorchesters und des Ensembles Concerto Köln diese Musik im Originalklang vermitteln sollte, wird das "Ring"-Projekt nun unter der musikalischen Leitung von Kent Nagano fortgesetzt – und wiederum mit internationalen Gastspielen begleitet.

Inhaltlich spannt sich das musikalische Spektrum der Festspiele von Wagners "Walküre" bis hin zu einem Konzertabend mit dem britischen Weltstar Sting. Eine enorme Vielfalt unterm Horizont, die Jan Vogler aber keineswegs als Beliebigkeit verstanden haben will. Er sieht vielmehr "ein sehr scharf geschliffenes Programm, in dem jedes einzelne Konzert sein Konzept nicht nur mit sich selbst ausmacht, sondern auch mit dem gesamten künstlerischen Umfeld." Für Vogler sei dies "nicht irgendeine Kombination, sondern stets die Nummer-Eins-Kombination."

Kent Nagano dirigiert
2023 dirigierte Kent Nagano "Rheingold". In diesem Jahr wird das "Ring-Projekt" fortgesetzt, u. a. mit Richard Wagners "Die Walküre". Bildrechte: Oliver Killig

Weltstar Klaus Mäkelä dirigiert das Eröffnungskonzert

Dass Klaus Mäkelä, der designierte Chefdirigent des Amsterdamer Concertgebouw-Orchesters, mit diesem Klangkörper nach Dresden kommt, weckt tatsächlich größtmögliche Aufmerksamkeit. Schließlich gilt der junge Finne als einer der weltweit interessantesten Pultstars. Aktuell Chef beim Orchestre de Paris, soll er 2026 auch das Chicago Symphony Orchester übernehmen. In Dresden leitet er am 9. Mai das eigentliche Eröffnungskonzert der Musikfestspiele mit Anton Bruckners 5. Sinfonie.

Die Spannbreite der Dresdner Musikfestspiele geht aber weit darüber hinaus. Das Programm soll schließlich sowohl für musikalische, als auch für menschliche Verbindung sorgen und keineswegs ausgrenzen. "Ich glaube, dass sich die unterschiedlichsten Publikumsschichten durchaus überlagern", begründet Intendant Vogler dieses Herangehen. Kultur ist für ihn ein verbindendes Lebensmittel.

Der junge Dirigent und ein Weltstar Klaus Mäkelä
Der finnische Violoncellist und Dirigent Klaus Mäkelä ist gerade mal 28 Jahre alt. Der Pultstar wird mit Beginn der Spielzeit 2027/2028 die Leitung des Amsterdamer Concertgebouw-Orchesters übernehmen. Bildrechte: Heikki Tuuli

Ganz Dresden als Festspielstadt mit Kultur als Lebensmittel

"Horizonte" stehe eben nicht für Grenzen, sondern sei, so Vogler, "eine Horizonterweiterung". In den vierwöchigen Festspielen seien neben Klassik-Solisten – etwa Hélène Grimaud, Lang Lang oder Igor Levit am Klavier – sowie Ensembles der Kammermusik eben auch der Rockstar zu hören, dann eine Dresdner Elektro-Popgruppe wie Ätna, zudem große internationale Orchester und nicht zuletzt auch die einheimischen Klangkörper aus Dresden. Kreuzchor, Philharmonie und Staatskapelle werden traditionell ins Festspielprogramm mit einbezogen. Die ganze Stadt solle als Festspielstadt einladen und hiesiges Publikum ebenso wie auswärtige Gäste ansprechen, mit namhaften Künstlerinnen und Künstlern ebenso wie mit den großen Namen von morgen.

Dresdner Kreuzchor, viele Jungen in Anzügen stehen im Freien vor einem Kreuzgang
Auch der Dresdner Kreuzchor wird beim Musiksommer auftreten. Bildrechte: Martin Jehnichen

Unterschiedlichste Interessen werden über Mainstream-Jazz und Cross Over à la Stacey Kent, Jane Monheit und Anoushka Shankar bis hin zu eher ausgefallenen Experimenten ebenso bedient, wie bestens Bewährtes. Gastspiele, beispielsweise des Deutschen Sinfonieorchesters Berlin, des Royal Stockholm Philharmonic Orchestra sowie zahlreicher weiterer namhafter Klangkörper und Kammermusiker, dürften die Gäste ähnlich erfreuen wie die Konzerte im Rahmen der "Nacht der jungen Stars": Größen wie Trompeter Till Brönner und Schlagzeuger Martin Grubinger bieten hier gemeinsam mit Jan Vogler dem künstlerischen Nachwuchs eine Bühne. Die Reihe Originalklang umfasst zudem ein Barockkonzert mit der Sopranistin Janine de Bique in der Frauenkirche sowie eine Aufführung von Joseph Haydns Oratorium "Die Jahreszeiten" unter Jordi Savall im Kulturpalast.

Anoushka Shankar
Anoushka Shankar vermag verschiedene (Klang-)Welten miteinander zu verbinden. Schon mit neun Jahren erhielt die Musikerin Unterricht an der Sitar von ihrem berühmten Vater Ravi Shankar. Bildrechte: MDR/Doris Joosten

"Dresden singt und musiziert" – Das Publikum macht mit

Neben den vielen internationalen Solisten und jenen, die ihr Debüt in Dresden geben, ist bei den Dresdner Musikfestspielen auch das Publikum selbst gefragt, sich musikalisch aktiv mit einzubringen. Veranstaltungen wie "Dresden singt und musiziert" sowie "Klingende Stadt" sind allseits beliebte Formate dafür. Somit können sich auch Laienmusiker und -formationen mit einbringen.

Besonders erfreut zeigt sich Vogler mitsamt seinem Team, dass der Vorverkauf für die diesjährigen Dresdner Musikfestspiele höchst hoffnungsvoll stimmt und "Horizonte" wieder viel Publikum aus aller Welt an die Elbe locken wird. Zwar seien noch Karten verfügbar, künstlerische Höhepunkte jedoch gelten zum großen Teil schon als so gut wie ausgebucht.

Quellen: Michael Ernst (MDR KULTUR)
Redaktionelle Bearbeitung: jb

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 07. Mai 2024 | 10:15 Uhr

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