Der Schriftzug "Jugendamt" ist auf einem Schild zu lesen.
Das Jugendamt bietet Kinder und Jugendhilfe. Bildrechte: picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Arno Burgi

Jugendamt Dresden Wie sind die Mitarbeiter des Allgemeinen Sozialen Dienstes ausgebildet?

28. Februar 2024, 06:30 Uhr

Der Allgemeine Soziale Dienst (ASD) übernimmt beim Jugendamt den Kinderschutz oder die Erziehungsberatung. Ein Hörer von MDR AKTUELL möchte gerne wissen, ob die Mitarbeiter des ASD in Dresden ausreichend geschult sind und ob sie Fachwissen beispielsweise zu Trauma oder Bindung haben.

Sieben Anrufe hat es heute gegeben. Sieben Kinder, Eltern und Familien, die wegen Problemen mit dem Jugendamt beim Kinder- und Jugendhilferechtsverein anriefen. Ein ruhiger Tag, sagt Koordinator Björn Redmann vom Verein. Denn eigentlich riefen mehr an: "Wir können als Ombudsstelle nicht alles bearbeiten, was an Anfragen bei uns ankommt. Wir müssen tatsächlich auswählen", erzählt Redmann.

Der Verein vermittelt bei Konflikten mit dem Jugendamt oft wegen Kommunikationsschwierigkeiten. Ein Problem seien Mitarbeiter des Jugendamts, die unsensibel mit Ratsuchenden umgehen, sagt Redmann. Es gebe Fälle, in denen das Jugendamt Familien besucht und "Kolleginnen die nicht dafür ausgebildet sind, sich anmaßen zu sagen: Sie brauchen eine Therapie. Wenn einer Mutter dann sowas entgegenschlägt, ohne dass man dafür tatsächlich eine sachliche Grundlage hat und auch eine Qualifikation, aus der man heraus das einschätzen kann, dann ist das natürlich anmaßend."

Das Problem sei, die Mitarbeiter im Jugendamt haben weitreichende Kompetenzen und man folge nicht immer einer Linie: "Während in dem einen Büro jemand sagt, das Kind muss herausgenommen werden, kann es sein, dass ihnen schon eine Bürotür weiter eine ganz andere Einschätzung entgegenfliegt."

Breite, umfassende Ausbildung

Die Leiterin des Allgemeinen Sozialen Dienstes (ASD), Regina Hadem, ordnet ein: Fälle von Kindeswohlgefährdung würden mit Kollegen besprochen werden, Entscheidungen im Team getroffen. Aber es sei nicht immer von Anfang klar, was los ist: "Natürlich stochern wir manchmal auch im Nebel und wir nehmen Kontakt mit den Familien auf und wir können auch nur die Informationen nehmen, die wir erhalten."

Die Mitarbeiter im ASD seien studierte Sozialpädagogen, in der Breite ausgebildet und erhielten spezielle Weiterbildungen, sagt Hadem. Dennoch seien sie keine Psychologen oder Gerichtsmediziner. Diese werden gegebenenfalls als Experten hinzugezogen. Doch nicht beim ersten Besuch: "Der Nachbar ruft an und ich weiß nicht, was mir jetzt begegnet. Begegnet mir häusliche Gewalt, sexualisierte Gewalt, Verwahrlosung oder Drogenkonsum? Das weiß ich alles nicht. Ich kann nicht alle Experten mitnehmen zum ersten Hausbesuch. Die Familie ist erschlagen", sagt Hadem.

Man befrage erst Menschen aus dem Umfeld der Familie: Lehrer, andere Familienangehörige, Nachbarn. Um zu verhindern, voreilige Schlüsse zu ziehen. Auch wenn das nicht immer zum Erfolg führe, sagt Hadem: "Manches ploppt auch sehr viel später erst auf. Ich hab' in diesen 30 Jahren, die ich in diesem Jugendamt arbeite, auch Familien betreut, da hat sich erst im Nachhinein herausgestellt, was da wirklich alles los gewesen ist."

Mehr Ansprechpartner für Kinder nötig

Wichtig sei, Jugendschutz auf mehr Schultern zu verteilen, sagt Andreas Blume vom Kinderschutzbund Dresden. Es müsse insgesamt mehr Ansprechpartner für die Kinder geben, zu denen sie langfristig Vertrauen aufbauen können – zum Beispiel in Schulen und Kitas: "Die in Kontakt mit Familien sein können und die auch niederschwellig ansprechbar sind oder die Anhaltspunkte bei den Kindern aufgreifen können und dann die Kapazität haben, sich mit den Kindern zu befassen."

Auch zur Entlastung des ASD. Der arbeitet nach Aussage von Regina Hadem an der Kapazitätsgrenze. Zwar werde der Kinderschutz priorisiert, doch dadurch müssten andere Aufgaben wie Beratung teilweise an andere Sozialträger ausgelagert werden.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | Das Nachrichtenradio | 28. Februar 2024 | 06:21 Uhr

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